Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das GefÀss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen Àlteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

1. Advent: Lk 21, 25 - 28

Das heutige Evangelium hat mich unversehens gepackt! Es ist bei mir auf ganz starke Weise angekommen, ja, es hat mich durchgerĂŒttelt - und bestĂ€rkt.

 

Dabei ist der Inhalt nicht unbedingt ‚soft‘! Da wird der Zusammenbruch der sichtbaren Welt in grellen und drastischen Farben geschildert. Und ebenso schonungslos die Angst der Menschen, die in diese Erfahrung hinein gestellt und von ihr gleichsam ĂŒberrollt werden.

 

Was mich letztendlich aber gepackt hat, war das ResĂŒmee mit dem Jesus den Schrecken auffĂ€ngt und umhĂŒllt - ja, auffĂ€ngt und umhĂŒllt:

 

wĂŒrde man nicht eher fortschreiben: dann duckt euch, versteckt euch, wappnet euch, denn dem Gericht werden ihr nicht entrinnen können. Ihr werdet euch fĂŒr alles verantworten mĂŒssen!

 

Doch statt den ‚KnĂŒppel des Endgerichtes‘ zu schwingen, wie zu erwarten wĂ€re, lautet Jesu Aufforderung: dem Schrecken aufrecht zu begegnen:

Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure HĂ€upter.

 

Dem Ende also in einer Haltung von WĂŒrde und Selbstbewusstsein entgegen gehen.

Und warum?!:

denn eure ERLÖSUNG ist nahe.

 

Es sind also quasi die Geburtswehen hin zu einer neuen, zu einer erlösten Welt. - Gott erscheint auf den Wolken und das ist NĂ€he der Erlösung. - Also kommt er in erster Linie als Er-löser. Er will uns heraus lösen aus allem, was uns beschwert und immer wieder fallen lĂ€sst, aus allem UngenĂŒgen und Unvermögen - er IST Er-löser, jener, der nicht nur die gebunden KrĂ€fte der Erde löst, um zu vernichten, sondern um zu erneuern und in dieser Erneuerung Heil und Leben zu schenken. Wir sollen und mĂŒssen dem Schrecken nicht ausweichen, auch nicht gegen ihn ankĂ€mpfen: uns aufrichten - ja aufrichten lassen von Christus selbst, der kommen wird.

 

 Auch im Wort ‚aufrichten‘, finden wir den Begriff richten - aber es hat nicht den gewohnten Klang von ab-richten, strafen und verurteilen, auch nicht ein blosses zurecht richten, nein, wir werden aufgerichtet. Wir werden wieder gekrönt mit unserer ursprĂŒnglichen WĂŒrde. Wir dĂŒrfen vor Gott aufrecht stehen - das heisst doch auch, dass Gott uns in die Augen schauen will. Gott selbst will, dass wir ihm auf Augenhöhe begegnen. Gott macht sich zum Menschen hinunter klein! - Und dieses Geheimnis dĂŒrfen wir alljĂ€hrlich neu feiern an Weihnachten - weil dieser Gott immer wieder neu ‚der herunter gekommene Gott‘ sein will fĂŒr mich - fĂŒr Dich - fĂŒr jeden von uns.

 

Ja, er, der Herr ist der RICHTER, der AUF-RICHTER - und wenn wir in diesen Glauben, diese Zuversicht und in dieses Vertrauen hinein reifen und wachsen können, braucht uns das Ende - weder der Welt noch unseres Lebens - zu erschrecken, denn ‚eure Erlösung ist nahe‘.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen fĂŒr den Advent, dass Sie immer wieder Gelegenheit finden, die aufrechte Haltung des Vertrauens einzuĂŒben, mitten im Schutt und in den TrĂŒmmern von zerbrochenen TrĂ€umen und Beziehungen, von unvorhergesehenem, schwerem Leid. - Advent ist mehr als Adventskerzen, Guetzli backen und Einkaufsrausch. Dann, wenn wir uns aufrichten und diesem Gott, der sich nach uns und unserer Erlösung sehnt, in die Augen schauen, dann entwickelt Advent eine Kraft hin zur adventliche ErfĂŒllung an Weihnachten - die im Alltag je neu eingelösst und erfĂŒllt sein will.

 

Eine gesegnete Adventszeit!

Socius auf dem Sozius

Allenthalben begegnet man dem Christusmonogramm ‚IHS‘ auf Kreuzen, in Kirchen, manchmal auch ĂŒber TĂŒrstĂŒrzen. ‚Iesus Heiland Seligmacher‘ die Anrufung, die sich dahinter auf Deutsch verbirgt. So jedenfalls hatten wir das einst gelernt.

 

Heiland war meine liebste Anrufung in meinem persönlichen Gebet. In diesem Namen kumulierte sich meine ganze Sehnsucht nach Heil und Heilung, nach Geborgenheit und Heimat. In diesem Namen spĂŒrte ich ein Angekommen- und ein Aufgehoben-sein. Mit diesem Namen im Gebet konnte ich einfach da und still sein. Ich wusste, er wird mir nicht alle Schwierigkeiten ersparen, aber unter seinem Segen verwandeln.

 

Als mich vor 30 Jahren meine zukĂŒnftige Novizenmeisterin beim ersten GesprĂ€ch vor dem Eintritt fragte, was ich denn vom Kloster erwarte, war meine Antwort kurz und bĂŒndig: ‚Den Heiland!‘. Darob war sie etwas verdutzt. Nach einer kurzen Stille fand sie aber auch, dass dies der Grund und Inhalt von Kloster und somit Nachfolge sei.

 

Dass sich hinter dem KĂŒrzel ‚IHS‘ ebenfalls eine lateinische Ausdeutung verbirgt, wurde mir erst vor kurzer Zeit bekannt. Da las ich ‚Iesus, Habemus Socius‘. - Jesus, wir haben einen GefĂ€hrten, einen Begleiter.

 

Bei mir allerdings wurde aus dem lateinischen Socius das aus der ‚Töffliwelt‘ bekannte ‚Sozius‘ - also: der Beifahrer(sitz).

Jesus als Beifahrer auf meinem Lebensmotorrad!

 

Diese Vorstellung faszinierte mich. Und mir ging die unerhört tiefe Wahrheit in diesem Bild auf:

 

Jesus sitzt auf dem Sozius meines Motorrades, er fĂ€hrt mit - ohne in den Lenker oder nach den Bremsen zu greifen. Er sitzt da, hĂ€lt sich an mir fest, schenkt spĂŒrbare NĂ€he. NatĂŒrlich macht er sich auch bemerkbar, wenn ich eine Abzweigung verpasse, mich in gefĂ€hrliche Situationen bringe. Aber er lĂ€sst mir die Freiheit, meine Fahrt zu gestalten und vor allem: Er ist und bleibt Socius auf dem Sozius. Er springt nicht unversehens ab, macht sich bei einem Boxenstopp nicht aus dem Staub. - Ja, und wenn ich ins Schleudern komme, schleudert er zwangslĂ€ufig mit
 aber er bleibt an meiner Seite, als HEILand, als jener, der mir nach dem Sturz wieder auf die Beine hilft, das GefĂ€hrt wieder in Schwung bringt. Aber Jesus ist nicht einfach ‚Mechaniker fĂŒr NotfĂ€lle‘, in allem will er wirklich GefĂ€hrte sein, ‚Teilhaber‘, was das Wort ja auch noch bedeutet.

 

Letztendlich geht es um eine Freundschaft auf der Motorradfahrt durchs Leben, ĂŒber PĂ€sse, auf der Autobahn, mal im Schritttempo durch StĂ€dtestau, dann unversehens durch lauschige WĂ€lder und Wiesen. Und Freundschaft ist eben mehr als gemeinsam auf einem Motorrad sitzen, das weiss ein jeder und eine jede - und wie schön so eine Fahrt ist, wenn man gemeinsam unterwegs ist, sich spĂŒrt und fĂ€hrt, auch das ist leicht auszumalen! Dass man bei einer Fahrt gern mal absteigt, die Landschaft und ein Picknick geniesst, ist selbstverstĂ€ndlich und gehört einfach dazu. So lebt die Freundschaft mit Jesus ebenfalls von ‚gemeinsamen Pausen‘.

 

So wĂŒnsche ich uns, dass wir auf allen Strecken und Wegabschnitten unseres Lebens, den Socius auf dem Sozius spĂŒren, ihm  vertrauen - und uns letztendlich vom Beifahrersitz aus den Weg weisen lassen - in der Freiheit und Verantwortung der eigenen Wahl. -

Allen in diesem Sinne:

eine gute Fahrt - und ein gutes Ankommen!

Ostertor

Der November gehört wohl eher zu den unbeliebteren Monaten im Jahreskreis. Seine Attribute: nass, kalt, dĂŒster. Der Beginn mit Allerheiligen und Allerseelen stempelt ihn mit dem Stigma von Tod, VergĂ€nglichkeit, Untergang, Ende - da mag auch das (spassige) Halloweentreiben davor nichts zu Ă€ndern


 

Ich finde jedoch, der 1. und 2. November sind viel eher das OSTERTOR in diesen Monat! Ostern feiern am Ende des Jahres, genau dann wenn es kÀlter, nasser, nebliger und dunkler wird. - Ein lichtvolles und hoffnungsfrohes Trotzdem an Lebendigkeit und Lebensfreude, an Ewigkeitszukunft - mitten in der VergÀnglichkeit - und das ohne OberflÀchlichkeit und Zynismus, eine Trotzdemkraft, die Leben verheisst - und nicht nur verheisst, sondern Leben schenkt.

 

Wenn Abschied unwiderbringlich Abschied ist, wenn der Schmerz ob des leeren Platzes schmerzt, helfen weder ausgehöhlte Phrasen noch blosse Vertröstungen weiter. Es muss eine neue BrĂŒcke geschlagen werden - gleichsam eine OsterbrĂŒcke ins Jenseits, um in Schwingung und Kontakt zu bleiben, damit alles fruchtbar werden kann, was der Verstorbene im Leben gesĂ€t hat, dass die Netze, die geknĂŒpft wurden, weiter tragen.

 

Der Osterglaube ist eine solche BrĂŒcke, die dem Leben ein Ziel, ein Ankommen, eine ErfĂŒllung und eine VOLLendung schenkt. - Nach christlicher Hoffnung wird der Mensch weder ins dunkle Nichts gestossen, noch in eine Endlosschlaufe von Widergeburt und somit Selbsterlösung durch Selbstperfektionierung.

 

Im Tod darf ich mich ein letztes Mal einfach fallen lassen, im Vertrauen darauf, dass aufgespannte Arme, Gottes ErbARMEn mich auffangen wird. Gottes Liebe ist ein weiter Schoss! NatĂŒrlich ist und bleibt es ein Sprung ins Ungewisse, im Sinne von ‚nicht gewusst‘, weil nie geschaut - den Himmel kann man nicht googeln - und auch kein Map weisst einem den Weg, kein Satellitenbild gibt einen Voreindruck... - Der Glaube allein ist das Sprungbrett und die Hoffnung die Lampe.

 

Es ist ein Übergang, der wie die Geburt von jedem letztendlich alleine und auf seine Weise bewĂ€ltigt werden muss. Die ‚Ars moriendi‘ ist und bleibt eine Kunst und will, wie jede Kunst auch, eingeĂŒbt sein. Das ‚memento mori‘ will das Leben keineswegs vergĂ€llen, als vielmehr vertiefen und weiten - mit Ewigkeitsdimension aufladen. - Sich im Leben nicht einrichten, als wĂ€re es schon alles, und jeden Tag nehmen als den letzten, gibt plötzlich ganz neuen Gehalt, das Leben bekommt Ewigkeitssubstanz!

 

Verschieben als ‚vor-sich-herschieben‘ liegt nicht drin, endlos probieren ohne sich festzulegen geht auch nicht mehr
 Die TĂŒren können plötzlich und schmerzlich zu sein.

 

Das alles will weder Ă€ngstlich machen noch resignativ, auch nicht Druck, ja nichts zu verpassen und möglichst alles von allem auskosten. Vielmehr will eine eine Gelassenheit im Glauben und Vertrauen keimen: ‚Das Beste kommt erst noch‘, das hier ist erst Ab- und Vorausglanz. Osterdimension verlĂ€ngert die Erdenzeit hinein in die Unsterblichkeit. - Auch wenn wir uns nicht vorstellen können, wie das geht und sein wird.

 

Das Ostertor am Anfang des Novembers stellt uns ein Osterlicht und einen Osterglanz an den Weg. Dass wir im Beschwerlichen und MĂŒhsamen aus dieser Lichtquelle schöpfen können:

 

Wir haben einen Erlöser und er erwartet uns - zusammen mit all jenen, die uns im Leben kostbar und wichtig waren. Das auch Ihnen dieser Glaube immer wieder Halt und Hoffnung zu geben vermag, wĂŒnsche ich Ihnen von Herzen!

no comment

Diese Antwort ist eindeutig: kein Kommentar! - Damit hĂ€lt man sich unliebsame Fragesteller vom Leib, kann abblocken ohne zur (Not)-LĂŒge greifen zu ‚mĂŒssen‘ und ist somit fein raus. Ein etwas unhöflicher Bei- und Nachklang bleibt dem Frager freilich in den Ohren stecken
 und kurbelt mitunter Phantasien und GerĂŒchte an.

 

Dass die Antwort in dieser Kraftform durchaus auch positiv sein kann, wurde mir letzthin bewusst, als alle möglichen (und vor allem unmöglichen) Kommentare durch meinen Kopf geisterten und glaubten, alles und jedes bewerten oder gar beurteilen zu mĂŒssen.

 

Eine Weile schaute ich diesem Gedankenkarussell zu - und es ist wie im echten Leben: je mehr man schaut, je schneller es sich dreht, desto eher wird es einem schwindlig dabei - obwohl man gar nicht wirklich mitfĂ€hrt
 Das Schauen allein kann schon genĂŒgen!

 

Ich brauchte also eine krÀftige Notbremse.

‚Nicht-denken‘ zu wollen, ist in solchen Situationen, dass weiss ein jede/r, das unmög-lichste, dass man versuchen kann.

 

Zwei Schritte fĂŒhr(t)en zum Ziel: Bremsen und Abbiegen!

 

Meine Bremse war eben ‚no comment‘, scharf und deutlich formuliert.

Das zweite Manöver ‚abbiegen‘ bedeutete, ein neues Faszinosum zu suchen, etwas das ganz natĂŒrlich die herum trabenden Gedanken zĂŒgelt und bĂŒndelt.

 

Sich mit dem ersten einen Ruck geben und quasi zur RĂ€son bringen und mit dem zweiten zur Ruhe.

Krampfhaft Neues denken, geht nicht. Einfacher ist es, sich selbst aus der Gefahrenzone zu nehmen, indem man seine Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem lenkt oder auf etwas anderes, das einen ganz in Bann zieht, bis Gedanken-Windstille eintritt.

 

Etwas anderes tun oder ein GesprÀch einfÀdeln, all das kann hilfreich sein. Doch ohne klares STOPP geht es zumeist nicht. Manchmal braucht es gar mehrere Stopps, bis man wieder das sichere Ufer erreicht hat und in ruhigeren GewÀssern dahinschippert


 

NUR: ich persönlich brauche trotz Konzentration auf den Atem immer auch noch einen Anker. Ich scheine dermassen ‚multifunktional‘ zu sein, dass im Hintergrund nicht nur Gedanken, sondern gar SelbstgesprĂ€che (!) einfach weiterlaufen - und irgendwann
 haben sie mein Aufmerksamkeit aufgefressen und ich bin erneut am Trudeln.

 

Wenn ich fĂŒr Augenblicke dem Atem nachspĂŒre und -lausche, lege ich ein gebetetes ‚RUACH‘, wie ein kleines Bötchen auf den Atemfluss. Mit dem Atem gleitet dieses Gebetsbötchen still dahin. Manchmal erweitere ich das zu ‚RUACH - Atem Gottes, komm!‘ Dieses atmende Beten und betende Atmen beruhigt die aufgewĂŒhlte See/le, allmĂ€hlich breitet sich ein tiefes GefĂŒhl von Geborgenheit und Zuversicht aus. Es ist eine gefĂŒllte Stille, eine innere Ruhe im Sinne von ‚Bei-sich-ankommen‘ und ‚Bei-sich-sein‘.

 

Da geschieht dann wieder diese PrĂ€senz und Dichte, die alles andere untergehen lĂ€sst, wo fĂŒr einen Augenblick Ewigkeit in die Zeit bricht. - Chronos wandelt sich in Kairos.

 

Beim Auftauchen hat sich gleichsam auch die Ă€ussere Welt verĂ€ndert, denn mein Seelenzustand hat sich gelichtet, geklĂ€rt, ist ins Eigentlich-wesentliche eingekehrt. - Es ist das, was in Reinhard Mey’s Lied ‚Über den Wolken‘ als Refrain stets wiederkehrt: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann wĂŒrde was uns gross und wichtig erscheint plötzlich nichtig und klein‘.

 

Der Flug ĂŒber die Wolken ist die Einkehr ins eigene Herz. Das will je neu eingeĂŒbt werden - nicht nur als Notbremse, sondern ebenso als Lebenshaltung. PrĂ€sent sein, heisst gesammelt sein - und letztendlich ist ‚gesammeltes Leben‘ auch ‚Ressourcen schonendes Leben‘. Ich giesse mich nicht aus, verzettle mich nicht im Vielen und nicht im Unnötigen, dĂ€mme Ärger ein, versuche in mir gegenwĂ€rtig zu sein.

 

Das ‚Atemgebet‘ ist nichts anderes, als was man auch unter ‚Stossgebet‘ und intensiviert als ‚Herzensgebet‘ kennt. Beim ‚Stossgebet‘ sind es die vielen kurzen Seufzer - ob freud- oder notvoll - die den Alltag an den Himmel binden, einem Halt und Ruhe, Zuversicht und Trost schenken. Beim Herzensgebet schwimmt man bereits ruhig in diesem Fluss zwischen Himmel und Erde. - Es ist wie bei jener Leiter, die Jakob im Traume sah (Genesis 28,10 - 19), die von der Erde zum Himmel ragte und auf der Engel Gottes auf und nieder stiegen. Ja, der Himmel steht mir offen - hier und heute, nur eintreten muss ich wollen - mich vielleicht auch getrauen. - Der Himmel ist nicht leer! Im Gebet finde ich ein HimmelsplĂ€tzchen im eigenen Herzen - dann berĂŒhren sich Himmel und Himmel - ganz alltĂ€glich ohne grosse Worte. ‚RUACH - Atem Gottes komm!‘ - Auch ein schlichtes ‚DU‘ genĂŒgt. - Dieses stille Verweilen, im Wissen um jene Geborgenheit, die die Welt und mich darin hĂ€lt, schenkt Zuversicht und Ruhe. RĂŒckt alles in neues Licht und neue Relation. ‚Alles, was uns gross und wichtig erscheint
.‘

 

Viele Knoten und Probleme werden genau hier, in dieser Stille gelöst, weil so mancher Knoten und manches Problem nicht mehr als solches wahrgenommen wird. Probleme können (ohne sie schönreden oder -fĂ€rben zu wollen) einfach ‚nur‘ Anfragen, Heraus-forderungen, BewĂ€hrungen, PrĂŒfstand sein, die mich wandeln, gestalten, vielleicht auch stĂ€rken und neu formen wollen. Das ist eine ganz andere Haltung und Herangehens-weise, als wenn ich dagegen ankĂ€mpfe.

 

Wie mag es sein, wenn ich aus dem Herzensgebet heraus beginne, mit den Schwierig-keiten des Lebens zu tanzen
?

Explorergeist

Wer mit neugierigem Geist durch den Tag geht, erlebt, hört, sieht und spĂŒrt eindeutig mehr!

 

Damit ist nicht jene ‚Neugier‘ gemeint, die nach stets Neuem giert, sondern jene Offenheit, die den Dingen auf den Grund gehen, gar eintauchen will in das Dazwischen und Dahinter. Eine Offenheit, die nicht schon weiss und kennt. Eine Offenheit, die davon ausgeht, dass alles auch ganz anders sein kann, als vordergrĂŒndig-eindeutig: vielschichtig, vielstimmig, vieldeutig.

 

Das fordert Wachheit und Aufmerksamkeit - und mitunter blitzschnelle Reaktions-fĂ€higkeit! Denn es geht auch darum, einmal gewohnte und automatische Reaktions-muster zu bremsen, gar zu unterbinden, um zu neuen Erfahrungen zu kommen - man könnte ja auch mal ganz anders


 

Ruhig bleiben, statt wettern, wenn der Zug verspĂ€tet ist oder ganz ausfĂ€llt; den Computer einfach ausschalten, wenn die Verbindung nicht klappen will. Gut durchatmen und sich Raum geben, um kreativ mit der jeweiligen Situation umzugehen. Im ersten Fall kann man telefonisch leicht informieren, sollte ein Termin deswegen baden gehen - im zweiten Fall, mal einfach nichts tun, den Augenblick spĂŒren, eine Tasse Tee trinken. Möchte mir das Geschehen etwas Wesentliches sagen? - Vielleicht kann ich es wie ein Geschenk auspacken - ohne zu wissen, welches PrĂ€sent darin ist!

PrĂ€sent sein, fĂŒr das PrĂ€sent eines scheinbar misslungenen Augenblicks oder Geschehens.

 

Explorer-Geist entwickeln, diesen Drang zu forschen und zu entdecken, was die neue Gegebenheit noch alles in sich birgt. Der schnelle Ärger, das schnelle Umorganisieren bringt nicht nur Stress und Hetze in den Alltag, manchmal greifen wir damit vor - es kann ja auch sein, dass gerade diese neue Situation uns vor etwas bewahrt:

 

unlÀngst erlebt:

  •      ich habe noch ein paar Minuten, zum Drucker sputen, die Datei ausdrucken prompt will der Drucker nicht, mir wird heiss, die Zeit rennt davon - zum GlĂŒck weiss ich, wie Plan A funktioniert und falls nicht, greift Plan B ganz bestimmt. Mit Hochdruck glĂŒckt es, zeitlich gut drin - dank Stress danach ziemlich ko
. Abends, als ich die BlĂ€tter bearbeiten will: Oh, Schreck! Ich habe eine RĂŒckseite falsch gedruckt
. HĂ€tte ich den bockigen Drucker als Bremser wahrgenommen, die Sache liegen lassen und nochmals kontrolliert, dann
 Wer schnell-schnell macht, verliert oft genug mehr Zeit als der langsame
.

 

  •      ein Andermal ergibt sich die gute Gelegenheit fĂŒr eine HeftĂŒbergabe nicht, ich greife nicht und lasse es einfach sein - und zu Hause merke ich, dass ich nicht das vollstĂ€ndige Exemplar dabei hatte!

 

Ich finde es total spannend, den Wechselwirkungen von Aktion und Reaktion auf die Spur zu kommen, dem Geheimnis von Ursache und Wirkung. Wir sind gar nicht so machtlos, wie wir uns manchmal fĂŒhlen und geben. Es gibt immer noch diese geheime FalltĂŒre, die uns in die Tiefe unserer Einstellung fĂŒhrt. Mit neuem Blickwinkel, sieht manches ganz anders aus, ob wir nun in die NĂ€he oder weiter weg zoomen verĂ€ndert ebenso - obwohl das Objekt doch stets dasselbe ist und bleibt. In der Fantasie können wir neue Farben und Szenarien generieren - uns sind nicht wirklich Grenzen gesetzt.

 

Mit diesem Explorer-Geist entdecken wir neue Landschaften in und um uns. Wir erleben berĂŒhrende Momente, weil wir dem Zauber auf der Spur sind, der leise in allem sprĂŒht. Da gibt es Situationskomik, die wir vorher einfach ĂŒbersahen und die uns jetzt ein LĂ€cheln entlockt.

 

Letztendlich landen wir in einem bewussteren Leben. Wir spulen nicht die Arbeit ab, nicht die Mahlzeiten, nicht die Freizeit, nicht uns selbst. Wir sind anwesend im Augenblick - spĂŒren die Seelenwurzeln, die uns mit unserem Innersten verbinden. Das gibt auch eine Erfahrung von Halt, Geborgenheit, eine Zuversicht und das vertrauens-volle SpĂŒren: ich bin gefĂŒhrt und begleitet.  

 

Wo der Weg scheinbar endet, kann ich mich ja auch mal hinsetzen und zu den Sternen schauen, anstatt verzweifelt einen Tunnel zu buddeln - der einen oft genug nur wieder an den alten Ort zurĂŒckfĂŒhrt. Was hat mich hierher gefĂŒhrt? Warum ist es jetzt gut, hier zu sein? Vielleicht entdecke ich dann wie der Prophet Elias in der WĂŒste den Krug Wasser und das in Feuer gebackene Brot und den Engel, der mich aufrĂŒttelt und auf neue Wege schickt (1 Könige, 19, 4ff). Bis hinein in eine neue Gotteserfahrung, aufgeschreckt von der Frage Gottes ‚Was willst du hier?‘.

 

So wĂŒnsche ich Ihnen diesen ‚Explorer-Geist‘, der Buntheit ins Leben bringt, auch neue Initiativen und den Mut, ĂŒber TellerrĂ€nder zu sehen und neue BrĂŒcken ĂŒber AbgrĂŒnde zu bauen.

Stille-Lektion

Wieder einmal war ich spazierend unterwegs. Auf dem WaldstĂ€tterweg wanderte ich von KĂŒssnacht Richtung Meggen. Ich plante meine Rast im Wagenmoos, einer idyllisch gelegenen Lichtung im Meggerwald mit einem Weiher, umgeben von Schilf. Je nĂ€her ich kam, desto mehr freute ich mich - doch je nĂ€her ich kam, desto mehr schwellte auch der LĂ€rmpegel an! Da war ein LĂ€rmen und Jauchzen zu hören, ein Springen und HĂŒpfen zu sehen - ein grosses Gewusel einer bunten Kinderschar
 Mein Platz war schon in Beschlag genommen. Von Stille weit und breit nichts auszumachen


 

GegenĂŒber vom Weiher am Waldrand stand noch eine Bank, auf der ich mich unbeirrt niederliess und den Picknick auspackte. WĂ€hrend ich nun dasass in dieser herrlichen Natur und der ‚LĂ€rm‘ von GegenĂŒber zu mir wogte, da geschah es:

 

Stille.

 

Ich sass da im LĂ€rm und gleichzeitig umhĂŒllt und aufgehoben von Stille! Es war eine Erfahrung von Geborgenheit und Friede - losgelöst von Ă€usseren UmstĂ€nden und Gegebenheiten


 

Da war mir erfahrbar: Stille ist nicht abhÀngig von Dezibel, sondern vom inneren Frieden.

Stille grĂŒndet tiefer als das Äussere.

Sie steigt aus einer friedvollen, versöhnten Mitte herauf, und durchwebt so das eigene Ganze und Sein.

 

HĂ€tte ich mich geĂ€rgert, wĂ€re der LĂ€rm mein eigener, innerer ÄrgerlĂ€rm die Ursache der gestörten Stille gewesen und nicht das Gejohle der ĂŒbermĂŒtigen Kinder!

HĂ€tte ich versucht, den LĂ€rm auszublenden und irgendwie durch Ablenkung auszuschalten, wĂ€re ich damit dermassen beschĂ€ftigt gewesen, wie der berĂŒhmte Sisyphos mit seinem Stein - und die Stille wĂ€re mir wohl kaum geworden
.

 

In der Megger Piuskirche mit den durchscheinenden MarmorwĂ€nden war mir dann eine ganz andere Stille beschieden: eine Ă€ussere, intensive Raum-Stille, die meine Herzensstille suchte, um mit ihr in Einklang zu kommen. Da war ein Einschwingen von Stille mit Stille - und wieder Friede - ein Friede, der der Seele FlĂŒgel verlieh und mich durch den LĂ€rm der Strasse und die GeschĂ€ftigkeit und Umtriebigkeit der hetzenden Menschen begleitete. Irgendwie erreichte mich das Äussere nicht, es durchschĂŒttelte mich nicht, es warf mich nicht aus meinem stillen ‚HerzenshĂ€uschen‘, es war eine ebenso berĂŒhrende, wie bereichernde Erfahrung.

 

Die Wanderung war eine Lektion: Stille hat wesentlich mit meiner eigenen Verfasstheit zu tun. Wenn da drin, in der eigenen Mitte Wurzelgrund und NĂ€hrboden ist, wenn ich da drin verankert bin, können die Wellen hochgehen und die Turbulenzen noch so gross sein, letztendlich lĂ€sst sich darin immer auch ein Eckchen von Friede finden - nur: loslassen muss man, was an einem zerrt, sich zurĂŒckziehen - und der Stille lauschen, die SehnsuchtsfĂŒhler nach dem Frieden ausstrecken. Und in dieser Ruhe lĂ€sst sich auch die nötige Kraft und Gelassenheit finden, um zu bestehen, was einen grad fordert und mitunter belastet.

 

Die Stille ist ein Weg in einen inneren Frieden. - Das bedeutet aber auch, dass ich Verantwortung ĂŒbernehme fĂŒr meine Gestimmtheit und nicht andern die Schuld und Verantwortung fĂŒr meinen LĂ€rm in Form von Ärger und somit inneren Unfrieden zuschiebe.

 

NatĂŒrlich ist das leichter geschrieben. Auch bei mir laufen die Automatismen, wie es das Wort impliziert, automatisch ab! Aber das ist kein Grund zu resignieren. - Gerade diese ‚Stille-Lektion‘ hat mich vieles gelehrt und mich neu auf den Weg geschickt.

 

So wĂŒnsche ich auch Ihnen immer wieder solch tiefe Erfahrungen von Friede und Stille, die an den Kern von Seele und Leben rĂŒhren!

GlĂŒcksschatulle

GlĂŒck gehört wohl zu den ‚abgegriffensten‘ Begriffen, die wir haben - auch zu den kontroversesten...

 

Was ist GlĂŒck? Was macht glĂŒcklich? 

 

Wer immer die Frage beantwortet, die gefundene Antwort wird nicht allgemein gĂŒltig sein und sein können - jeder hat seine Definition von GlĂŒck und von dem, was glĂŒcklich macht.

 

Mitunter entpuppen sich diese Definitionen allerdings als Mogelpackungen und Irrlichter mit einem sehr kurzen Haltbarkeits- und schnellen Verfalldatum!

 

Da will ich unbedingt etwas erreichen oder besitzen, weil dies mir GlĂŒck verheisst - und ich setze meine ganze Kraft, all mein Engagement fokussiert daraufhin ein. Und wenn ich dann bin, wo ich hin wollte, in HĂ€nden halte, wonach ich begehrte, fĂŒhlt es sich irgendwie schal an, scheint es nicht das zu sein, was ich mir erhoffte und ausmalte - oder kaum erreicht, zieht und zerrt etwas anderes an mir - mit noch grösserem Versprechen.

 

Ja, WAS ist nun GlĂŒck?

Den Rat, den ich unlĂ€ngst las, man solle den Begriff ‚GlĂŒck‘ wohl eher durch Zufriedenheit ersetzen, kann durchaus hilfreich und klĂ€rend sein und die Spreu vom Weizen trennen. Zufriedenheit kommt etwas bescheidener daher.

 

Doch was hat es nun mit der im Titel genannten ‚GlĂŒcksschatulle‘ auf sich?

 

Ich gebe es zu, auch mich fasziniert das GlĂŒck und auch ich gehöre zu den GlĂŒcksgrĂ€bern! - Daher besitze ich eine goldfarbene, achteckige, schön ziselierte Blechschatulle - und darin sammle ich das kleine und das grosse GlĂŒck des Tages.

 

Wenn ich ĂŒber Tags etwas erlebe, das mich froh macht, wenn ich fĂŒr etwas einfach nur Dankbarkeit empfinde, wenn mein Herz einen FreudenhĂŒpfer macht, dann notiere ich das auf einen kleinen Zettel. Geniesse fĂŒr einen Augenblick ganz bewusst und intensiv dieses eben erlebte ‚GlĂŒck‘ und lege es dann in die GlĂŒcksschatulle. Über den Tag versammeln sich so immer wieder die einen und andern GlĂŒcksmomente. Ich gebe ihnen Raum, mich zu nĂ€hren und zu beleben, lasse sie sich ganz bewusst in mir entfalten und da sein - und verstĂ€rke sie durch mein bewusstes Wahrnehmen und Danksagen.

 

Wenn Schweres und Schwieriges mich in Turbulenzen und ins Schleudern bringt, schaue ich in meine Dose und finde so meinen GlĂŒcksschatz. Dies kann zur Strickleiter aus der TrĂŒbsal werden, oder dem Schweren wenigstens fĂŒr Augenblicke FlĂŒgel verleihen - oder den Blick dafĂŒr schĂ€rfen, wo im ganzen Elend doch noch ein klitzekleines KrĂŒmelchen GlĂŒck verborgen sein mag.

 

Sonntags, nach einer ‚Sammel-Woche‘, nehme ich meine Schatulle bewusst zur Hand. Schaue mir nochmals an, was die vergangenen Tage Schönes fĂŒr mich bereithielten, wofĂŒr ich nochmals danken möchte, welchen Menschen ich einen ‚Extrasegen‘ schicken will, weil sie mir GlĂŒcksengel waren.

 

So wird GlĂŒck nachhaltiger. Wie schnell vergessen wir, was uns grad noch eben glĂŒcklich machte? Wie schnell versickert GlĂŒck im Sandgetriebe des Alltages, ertrinkt in den Wellen von Schmerz und Elend
?

 

Soll GlĂŒck wirksam sein, muss es gepflegt und genossen werden. - Meist sind es nur kleine ‚GlĂŒcklein‘, die sich ĂŒberraschend finden lassen, aber weil ich sie in den Blick und ins Herz nehme, entfalten sie eine beschwingende und erquickende Wirkung.

 

Diese Form von ‚Ausschau-halten‘ nach dem GlĂŒck und dem Genuss vom gefundenen GlĂŒck gibt dem Alltag einen kleinen Schimmer und Zauber von Freude und Zufriedenheit. Zudem gehen wir bewusster, achtsamer und offener durch den Tag.

 

Mag es nicht sein, dass wir, wĂ€hrend wir auf das grosse GlĂŒck starren, das kleine ĂŒbersehen, vielleicht sogar achtlos darĂŒber stolpern


Der Tag, die Begegnungen, das gewöhnliche Tun und Sein hat mehr Glanz- und GlĂŒckspunkte und -momente, als wir gemeinhin annehmen. - Wir mĂŒssten sie nur sehen - und das eben ohne Definition, was denn nun GlĂŒck ist.

 

GlĂŒck ist einfach nur das, was mich zutiefst und zart berĂŒhrt und fĂŒr einen Moment selbstvergessen macht - WAS das fĂŒr einen jeden, eine jede ist, ist dann wieder unterschiedlich


 

Ich wĂŒnsche Ihnen ein ‚GlĂŒckssensorium‘, dass den Zauber und das Schöne im AlltĂ€glich zu entdecken, zu geniessen und zu sammeln weiss - es aber auch wieder loslassen kann. - Und noch eine Frage zum Nachdenken: wie wĂŒrde unser Zusammensein und -leben aussehen, wenn wir versuchten, immer wieder grosszĂŒgig GlĂŒcksmomente zu verschenken und hin und wieder dem NĂ€chsten ‚GlĂŒcksengel‘ zu sein?

Wo bist du?

Die erste Frage Gottes, die wir in der Bibel lesen, steht im Buch Genesis (3, 9 b) nach dem sogenannten ‚SĂŒndenfall‘, als sich Adam und Eva ihrer Nacktheit gewahr wurden und sich vor Gott versteckten:

 

Wo bist du?

 

Gott auf der Suche nach dem Menschen, der sich vor ihm versteckte! Gott ist es nicht gleichgĂŒltig, wo der Mensch steckt. Schon im Garten Eden macht sich Gott auf die Suche nach dem Menschen, Gottes Suchen ist ein Sehn-suchen. Gottes Sehnsucht ist der Mensch. - und das kaum ist er erschaffen und gefallen. - Der Mensch mag fallen, doch Gott lĂ€sst ihn nicht fallen.

 

Wo bist du?

 

Eine heilsame Frage auch fĂŒr mich, fĂŒr uns alle: bin ich, wo ich bin? Bin ich, wo ich sein sollte? Oder bin ich gar nicht wirklich prĂ€sent? Abgedriftet in eine virtuelle Welt? Oder schon beim NĂ€chsten, gar ÜbernĂ€chsten? - Wo bin ich?

 

Sind wir nicht oft genug verzettelt in tausend Dinge, Termine, WĂŒnsche, NebensĂ€chlichkeiten, Forderungen
.? Gibt es mich da drin wirklich?  Oder nur einen Abklatsch meiner Selbst?

 

Nicht als Frage, vielmehr als Wunsch, fast schon mit einem Klang von Forderung lese ich im Johannesevangelium (12, 26 b) den Ausspruch Jesu:

Wo ich bin, da soll auch mein Diener sein.

 

Diese Aussage entwickelte den fragenden Sog nach meinem eigenen ‚Wo-bin-ich‘, einen Sog, der mich bis zu Adam trug.

 

Ich fand aber noch einen andern, starken, ja ‚aufstossenden‘ Begriff in diesem Satz: Diener.

Ist Diener nicht weniger als ein blosser Angestellter? Denken wir da nicht vorschnell an die ausgebeuteten, rechtlosen und unterwĂŒrfigen Diener all jener Herrschaften und Despoten, die die Menschen knechten und entwĂŒrdigen? Die bloss mit dem Finger schnippen brauchen?

 

Was ist das fĂŒr ein VerhĂ€ltnis: Jesus ↔ Diener?

Im Mund Jesu hat der Begriff ‚Diener‘ einen ganz andern Klang! Nicht nur weil er selber sich zu unserm Diener macht (vgl. Fusswaschung), sondern auch weil er in den Abschiedsreden den Diener zum Freund erklĂ€rt und ihn vom blossen Knecht unterscheidet und abhebt (Joh 15, 15). Auf dem Hintergrund dieser Folie ist fĂŒr mich ein Diener, wer seinen Meister ‚spĂŒrt‘, eine zuvorkommende Vertrautheit lebt, die weiss, was der andere wĂŒnscht und braucht. Also ein Engagement vom Herzen her.

 

Sein und Diener sein, wo Jesus ist, wird da auf sehr tiefgreifende Weise zum Gebot - das kann nicht allein beschrÀnkt bleiben auf die Kirche, wo ich mich zum Gebet, Verweilen und Feiern einfinde!

 

Die Frage ‚Wo bist du‘ kehrt sich damit gleichsam um, denn nun frage ich: ‚WO BIST DU?‘

Erkenne ich Jesus in den Menschen, Situationen und Anforderungen, denen ich mich hier und jetzt zu stellen habe? Und bin ich da - da als Diener? - Aus dem Engagement des Herzens heraus?

 

Gott sucht mich und ich suche Gott und die Begegnung geschieht im Du, wo ich mich in den Brennpunkt der Liebe zu stellen vermag. - Kein einfaches, schon gar nicht ein leichtes Unterfangen! - Aber ein Wo, das immer je neu zum Kompass und wohl auch zur Messlatte meines Glaubens werden kann. - Im Bewusstsein, dass Gott mich schon lĂ€ngstens aufgefangen hat, wenn ich wieder ĂŒber meine eigene Begrenztheit und UnzulĂ€nglichkeit stolpere und falle.

 

Wo bist du? FĂŒr heute möchte ich Ihnen statt eines Wunsches diese Frage mit auf den Weg geben.

Gottes Ja-Kultur

Wir haben in diesem Jahr die grosse Freude, dass Frau Hedwig Felchlin (Barock-violine) und Herr Gilles Maitre (Gambe) uns an drei Abenden die Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber spielen. Es sind nicht ‚ Konzerte‘ im landlĂ€ufigen Sinn, vielmehr ‚gebetete Abendmusiken‘ voller Besinnlichkeit.

Vor jedem Rosenkranzgeheimnis öffnet ein kurzer Text eine TĂŒr zum mit-betenden Hören und Erleben.

FĂŒr die bereits vergangenen beiden Konzerte verfasste ich kurze lyrische Texte, begleitet von einer ‚Grafik‘. (Mit Klick auf den pdf-Button am Ende, können Sie die Texte einsehen.)

Nun steht ein weiterer Rosenkranz an - diesmal der glorreiche. Wieder vertiefte ich mich auf dem Hintergrund der Musik von Biber in das Geschehen, das in den Geheimnissen zum Ausdruck kommt.

 

Wie lassen sich die Geheimnisse der Überwindung von Schuld und Tod, der Aufnahme und ‚Be-Geist-erung‘ lesen? Gibt es ein grosses Wort, quasi einen Titel, ein Motto von dem alles getragen und umhĂŒllt ist?

 

Und da hat es mich plötzlich gepackt, dieses Geheimnis der glorreichen Geheimnisse. FĂŒr mich heisst es:

 

JA.

 

Nicht nur Jesu Leben, sondern unser aller Leben ist umhĂŒllt und getragen von diesem segnenden Ja Gottes - und mĂŒndet letztendlich in dieses Göttliche Ja hinein.

 

Es ist ein Ja, das verwandelt:

  •    den Tod in Leben
  •    die Schuld in Erlösung
  •    die Verlorenheit in Heimat
  •    die Erniedrigung und Herrlichkeit
  •    die Verwirrung in Gewissheit
  •    die Orientierungslosigkeit in Sinnhaftigkeit
  •    


 

Es ist aber nicht ein Ja, das uns erst und nur am Lebensende begegnet und aufnimmt - wir können es schon hier und jetzt immer wieder neu erspĂŒren und erleben.

 

Und ich merkte:

Das JA Gottes steckt nicht nur in den glorreichen Geheimnissen, es ist nicht eine ‚billige VerklĂ€rung‘ am Ende, ein ‚Goodie‘ fĂŒrs Durchhalten und sich Einsetzen. - Auch in den freudenreichen und schmerzhaften GesĂ€tzen ist es implizit prĂ€sent und wirksam.

 

Dass wir Gottes nachlaufendes, suchendes Ja an Weihnachten feiern, ist unschwer zu erkennen - obwohl es heute unter Geschenkbergen und Glimmer oft genug zu ersticken und verloren zu gehen droht. Auch die schmerzhaften Geheimisse - und sie vielleicht am intensivsten! - erzĂ€hlen von einer Liebe, die Ja sagt und nicht verurteilt. Gottes Liebe umfĂ€ngt den Menschen letztendlich mit seinen Liebesarmen. Er schreit uns nicht seine Ablehnung und noch weniger Verurteilung oder gar Verdammnis entgegen. Wir fallen in sein offenes Herz und werden dort in einem Mass von Liebe aufgefangen und geheilt, das Menschenverstehen bei weitem ĂŒbersteigt.

 

Gottes PrĂ€senz ist ‚Ja-Kultur‘, ein werbendes Ja, ein suchendes Ja, auch ein leidendes - aber nie ein billiges, oberflĂ€chliches. Ein Ja, das den Menschen in seiner Schuld annimmt - und auch ernst nimmt. Keine ‚Schwamm-drĂŒber-MentalitĂ€t‘. Das annehmende Ja: Auch ich verurteile dich nicht - und das ernst-nehmende Ja: geh hin und sĂŒndige nicht mehr (vgl. Joh 8, 11).

 

Und es ist ein Ja, das Freiheit lÀsst: willst du vollkommen sein, dann
 - 
da ging der Mann traurig weg
 (Mk 10, 22.23)

 

Es ist ein Ja, auf das Verlass ist, wie ein Rettungsanker, der uns Halt gibt, wie ein Leuchtturm fĂŒr unsere Orientierung, wie ein GelĂ€nder an abschĂŒssiger Stelle.

 

Doch es ist auch ein Ja, dass sich inkarnieren - Fleisch werden will - im Hier und Heute - durch einen jeden von uns. Zwar ist es einfacher aus diesem Ja heraus das Leben zu gestalten, als ihm selbst durch das Leben Gestalt zu geben. Doch gerade in diesem Wagen, Versuchen und Scheitern trĂ€gt und hĂ€lt uns dieses Ja immer wieder - und je mehr wir uns darauf verlassen, desto sicherer und fester wird der Grund unter unsern FĂŒssen.

 

Diese Erfahrung und Zuversicht wĂŒnsche ich Ihnen von Herzen.


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Timing

Der Mensch, der aus dem Glauben lebt, aus einer Glaubensbeziehung, kann sich geborgen wissen in einem sinnerfĂŒllten Lebensraum, umgeben von einer Zuwendung, die ihn hĂ€lt und trĂ€gt - auch (und gerade!) in schweren Momenten; sein Weg geht nicht auf bodenlosem Grund.

 

Es ist die Vorsehung Gottes, die ihn begleitet, stÀrkt und ermutigt, die ihn auf einen grösseren Sinnzusammenhang hoffen lÀsst.

 

Die Vorsehung ist fĂŒr mich jedoch NICHT das vorauswissende und bereits gespurte Diktat eines Autokraten, der mich in seinen Bahnen vorwĂ€rts schiebt, weder nach meinem Willen fragt noch meine Freiheit berĂŒcksichtig.

 

Nein. Dieser Gott, der mich mit Freiheit und Wille begabt hat, will auch, dass ich diese Begabung als Aufgabe wahrnehme und einsetze, dass ich in Freiheit entscheide und willensstark den als gut erkannten Weg gehe oder den gefassten Entschluss mit derselben Kraft (aus ihm!) umsetze.

 

FĂŒr mich ist Vorsehung GÖTTLICHES TIMING.

 

Wenn mein Leben aus den Fugen gerĂ€t, wenn PlĂ€ne zerbröseln, UmstĂ€nde mich mĂŒrbe machen und all das Schwere und Dunkle die Sonne am Horizont untergehen lĂ€sst, bleibt der Funke Hoffnung: Gott hĂ€lt die FĂ€den in der Hand, er wird mit diesen Ereignissen neue Weichen schmieden, die mich in eine bessere Zukunft fĂŒhren und zur Ent-faltung bringen werden.

 

Gott bietet an, er zwingt nicht; er lockt und wirbt - allein, es braucht ein offenes und hörendes Herz, das bereit ist, wenigstens ein kleines SpÀltchen auch in der Not offen zu halten, dass das Wehen und die Liebe Gottes einziehen können.

 

Ich habe es hundertfach erlebt, wie sich manches gewandelt hat - und mich damit!

 

Damals als das Josefsheim in Dietikon geschlossen wurde, war ich ‚voll im Schuss‘ mit dem Fundraising eines Orgelneubaus. Musikalisch war ich aufgeblĂŒht - es war einfach sagenhaft. - Und dann wurde mir unversehens und ohne Vorwarnung aus heiterem Himmel der Teppich unter den FĂŒssen weg gezogen
 Zukunft gab es nicht mehr, scheinbar nicht mehr
 jedenfalls nicht in diesen herrlich bunten, stimulierenden Farben!


 FĂŒnf Jahre (!!!) spĂ€ter hatte sich das Blatt komplett gewendet - ich hatte mehr und vor allem intensiveres als zuvor gewonnen, ich hatte mich ganz anders in meiner Berufung einwurzeln und verwirklichen können. Mich betraf die Frage Jesu an die EmmausjĂŒnger ganz existenziell: Musste nicht
 (Lk 24, 26). Ja, es musste so kommen - Gott hatte neue Weichen geschmiedet und mich eine neue Bahn finden und gehen lassen.

 

Nicht immer sind die Ereignisse so drastisch, nicht immer die Wartezeit so lange
 Doch eben: stille halten heisst es, nicht vorgreifen, nicht eingreifen. - Und das ist mitunter das schwierigste!

 

Da wollten wir was erreichen, in die Tat umsetzen, uns wird ein verlockendes Angebot gemacht - und plötzlich kommt alles nicht nur ganz anders, wir stehen sogar vor einem Scherbenhaufen
 Wie leicht will man dann die Dinge und das GlĂŒck zwingen, bietet dem UnglĂŒck die Stirn, kĂ€mpft, dass doch noch gelinge, was doch sein soll, ja, sogar sein muss. - Mitunter reiben wir uns vollends auf, und das Ergebnis macht uns dann vielleicht doch nicht so glĂŒcklich wie gemeint und gewollt...

 

Das ‚Stille-Halten‘, das in dieser Situation gemeint ist, ist jedoch weder resignativ und schon gar nicht fatalistisch. Es hat durchaus eine aktive Komponente. Diese Komponente findet sich zum einen im Ja-sagen, im Einwilligen zu dem, was nunmal ist - aber auch im Ausschau halten. NICHT abstellen, nicht weg dösen, nein! WACH BLEIBEN. Im Wort ‚Vorsehung‘ ist etwas von ‚voraus sehen‘ von ‚Voraussicht‘ drin - Gottes Voraussicht braucht meine Aussicht, mein Ausschauhalten! - Wenn ich zu dieser Haltung fĂ€hig werde, mich immer wieder darin einĂŒbe, dann bin ich bereit, wenn KAIROS ist, wenn der Augenblick der grossen Chance da ist, ja, dann kann ich ihn am Schopf packen - und ich weiss: es war genau dieser Moment, auf den alles zugesteuert ist, wĂ€re nicht gewesen, was war, ich wĂ€re weder hier noch reif dafĂŒr. DAS TIMING STIMMT - eben: Göttliches Timing!

 

Diese Erfahrung möchte ich auch Ihnen von Herzen wĂŒnschen: dass Gottes Timing stets optimal ist - wenngleich die Erfahrungen, die damit verknĂŒpft sind schmerzhaft sein können. Der mich aus Liebe erschaffen hat, will mich auch in Liebe begleiten und zur Entfaltung, zum BlĂŒhen bringen. Auch wenn das Warum im Dunkeln bleibt und kein ‚Darum‘ drauf zu passen scheint, im Vertrauen auf Gottes Vorsehung, lĂ€sst sich die Not vertrauensvoller durchstehen. Nicht jede Geschichte hat ein Happy End - aber jede einen stillen Segen.

Der Augenblick

Es gibt Fragen, die ganz ĂŒberraschende Antworten gebĂ€ren, so unlĂ€ngst geschehen, als eine Freundin wissen wollte, wer mein Spiritueller Begleiter sei. Da ich im Moment niemanden habe, der diesen Dienst explizit erfĂŒllt, war meine RĂŒckmeldung eigentlich klar. - Doch dann geschah es in einem stillen Moment in der Kapelle, eine unerwartete Antwort stieg auf:

 

Mein spiritueller Begleiter ist der Augenblick:

 

Der Augenblick, dem ich mich in Offenheit stelle, so wie er sich mir jetzt darbietet, ja, in Offenheit, mitunter aber auch in Auf- und Ablehnung, fragend, suchend, nie kÀmpfend, doch stets ringend und bohrend, bohrend bis auf den Grund seines Quellgeheimnisses.

 

In allem, was geschieht, Fragen aufreisst, Unsicherheit zurĂŒck lĂ€sst, Wunden schlĂ€gt, liegt auch eine Botschaft verborgen, die entschlĂŒsselt sein will, die mich etwas lehrt. - Der Augenblick als Lernfeld hin zum eigenen Potential, zur eigentlichen Ent- Wicklung des Selbst. Wenn ich den Augenblick in seiner Aussage aus-wickle, kann auch in mir ein Aus-wickeln von Verborgenem geschehen, etwas An-gelegtes wird aus-gelegt  und schlĂ€gt so Wurzeln, um zu reifen und zu gegebener Zeit Frucht zu bringen.

 

Krisen sind stets Chancen - nicht immer leicht verdaulich und im ersten Moment eher abwehrend den begrĂŒssend empfangen. Doch ich spĂŒre:

 

Wenn ich mich tatsÀchlich hörend stelle und zu verstehen oder auch nur schon zu erahnen versuche, geht eine ganz neue Dimension von Leben auf - dann wird das Leben lebendig, ist nicht blosse Philosophie. Diese Form zu lernen ist existenziell. Sicher: durch nach-denken, durch-denken, voraus-denken, gewonnen - aber nicht im blossen Denken stecken geblieben.

 


und staunend stelle ich fest: eigentlich geht es in allem immer um dasselbe: die eigene Berufung zum Menschsein in Freiheit zu leben, diese Gelassenheit und Ruhe zu finden, die einen den Weg unbeirrt gehen lĂ€sst. Die Kompass-Nadel stets neu auf das Eigentliche und Wesentlich ausrichten - ein StĂŒck Himmel erhaschen und wenn es nur ein Zipfel ist! - DafĂŒr ist aber eine solide Grundeinstellung nötig: in allem ein Körnchen Sinn und mitunter auch Freude finden und sich daran laben zu wollen. Es liegt nicht immer offen auf der Strasse, muss gelegentlich tief geschĂŒrft werden. Wer sich aber hĂ€ngen lĂ€sst und auf das Karussell negativer Gedanken aufsteigt, der wird ziemlich Achterbahn fahren. Da muss man mal deutlich ‚Stopp‘ sagen und aussteigen. Wenn man zudem den Stachel von Drama und Anspruch zieht, wird so manches leichter
.

 


 und das alles lehrt mich der Augenblick, dem ich mich stelle - von Offenheit bis Ablehnung, stets bereit, letztendlich zu hören und zu lernen. - So ist das Leben auch spannend! - Und vor allem: man sucht keinen Schuldigen sondern Lerngewinn, man sieht keine Probleme sondern Lernfelder. Die Lampe ist ein hörendes Herz und ein neugieriger Geist. - Dabei darf man nicht enttĂ€uscht sein, wenn man eine dieser Lernklassen wiederholen muss - nicht alles sitzt gleich beim ersten Mal!

 

So wĂŒnsche ich Ihnen einen offenen, aufgeweckten SpĂŒrsinn fĂŒr den Augenblick und seine Lehrweisheit. Gerade darin offenbart sich uns auch Gottes Geist: im Er-kennen und im BestĂ€rkt-werden.

wie durch Wolken hindurch...

Ich wundere mich manchmal ĂŒber die SpeicherkapazitĂ€t meines GedĂ€chtnisses! Nicht nur, dass ich leicht Neues lernen, auch alte, gefĂŒllte Schulbladen lassen sich noch stets öffnen und die sorgsam gehĂŒteten SchĂ€tze heben. Allerdings hat dieses Erinnerungs-vermögen auch seine Kehrseite


 

Nicht immer sind es Wissen und schöne Erinnerungen, die da das Tageslicht erblicken! Oft genug melden sich bedrĂŒckende und verletzende Erfahrungen, die sich ungewollt ebenfalls klammheimlich angehĂ€uft haben
 Manches mottet als Ressentiments im Herzen - ist wie Sand im Getriebe. Ein kleines Ereignis, ein bestimmtes Datum - und alles wird wieder aktiviert und lĂ€sst sich nur schwerlich bĂ€ndigen.

 

Menschen, denen man nie mehr zu begegnen wĂŒnschte oder, von denen man glaubte, mit ihnen ‚im Reinen zu sein‘, laufen einem ĂŒber den Weg und schon steht man im Sturzbach unverdauter GefĂŒhle, Erinnerungen, Erlebnisse und Worte.

 

Was nun?!

 

In der Meditationspraxis gibt es den Rat, die unerwĂŒnscht und störend auftauchenden Gedanken nicht weiter zu beachten, sich nicht auf sie einzulassen, sie gleichsam wie Wolken ziehen zu lassen.

 

Dieser Rat hat auch Potential fĂŒr den Umgang mit den eben erwĂ€hnten Unverdau-lichkeiten! Sie ziehen lassen, ist allerdings oft nicht möglich und wenn man es trotzdem mit zusammen gebissenen ZĂ€hnen versucht, krallen sie sich nur umso fester
 Die Aufmerksamkeit braucht in jenem Moment einen ‚magnetischen Punkt‘, um sich an ihm fest zu machen und so Halt und Weite zu finden.

 

Ich versuche, gleichsam durch die Wolken hindurch auf Jesus zu schauen, um Ihm all das Aufsteigende, Belastende und QuĂ€lende anzuvertrauen. ‚Siehe hier meine Not, ich komme von ihr nicht los, nimm Du sie in Dein Herz und verwandle sie in Segen‘.

 

Das ist natĂŒrlich kein Kippschalter, der sofort wirkt - nicht sofort, aber radikal - radikal - Radix - Wurzel, ja es geht an die Wurzel - denn, seien wir ehrlich, sind wir nicht manchmal verliebt in unsern Schmerz, sind wir nicht manchmal ganz unverhohlen gern Opfer?!  Manches Weh wird gehĂ€tschelt und gehĂŒtet. Das lĂ€uft zumeist unbewusst ab, doch in jenem Moment, wo wir uns unserm Schmerz stellen und ihn loslassen, ist eben auch Verzeihung gefordert - und nicht Vergeltung, was uns manchmal nĂ€her liegen wĂŒrde
 Gerade dieser Moment, wo wir betend den Schmerz dem Segen Gottes hinhalten, fallen auch die Masken, geschieht Ehrlichkeit, dann spĂŒrt man ein leises StrĂ€uben
 Das hat er/sie mir angetan - und jetzt soll er/sie noch den Segen Gottes dafĂŒr empfangen?!

 

Ja, das kann mitunter Überwindung kosten! Und auch diese Überwindung dĂŒrfen wir ausdrĂŒcken: ‚Jesus, Du weisst, wie schwer es mir fĂ€llt, den Segen zu erbitten, lieber hĂ€tte ich das Schwert, das vergeltet! Hilf Du mir, den Andern und mich ebenso in Deinen Segen zu stellen, dass unser aller Wunden heilen können und wir im Letzten an allem reifen und so einander zum Segen werden. Gib Du dazu die Kraft. Wenn ich auch nicht fĂ€hig bin zu lieben, so will doch wenigstens loslassen.‘

 

Wer an Altlasten festhĂ€lt, beschwert letztendlich nur sich selbst, stutzt sich damit die eigenen FlĂŒgel. Darum ist Loslassen in erster Linie ein Akt der Selbstliebe - ein Schritt in eine unbeschwerte Freiheit. - Wie gesagt, es ist kein Kippschalter und will je neu praktiziert werden. In dieser Weise können wir an den mitmenschlichen Entgleisungen reifen, anstatt an ihnen zu zerbrechen. - Und wir dĂŒrfen nicht vergessen: wie der Andere mir zur Not werden kann, bin auch ich fĂŒr manch einen andern zur Not geworden. - Wie gut, wenn man das alles immer je neu in den Göttlichen Strom von Barmherzigkeit legen kann.

 

Nicht wir mĂŒssen es auflösen, nicht wir mĂŒssen es heilen - einfach hinhalten - und wenn das Herz auch seine Zeit braucht, um nachzukommen, Gottes Liebe und Barmherzigkeit kommt uns zu Hilfe. Dass wir darauf stets neu vertrauen können, wĂŒnsche ich uns allen!

Ablehnung

 Es war der 14. Sonntag im Jahreskreis /B, der in der katholischen Leseordnung ein Evangelium bot, das eher ‚schwere Kost‘, denn frohe Botschaft war, wie es der Begriff ‚Eu - angelion‘ nahe legen wĂŒrde
!

 

Es ist die Rede von jenem Abschnitt aus dem Markus-Evangelium (6, 1-6), der von der Ablehnung Jesu in seiner Heimat berichtet.

Es wird deutlich: auch Jesus flogen die Herzen nicht einfach zu,  Jesus erfuhr ebenso Ablehnung wie wir, inklusive Mordabsicht (!), denn sie wollten ihn ja bekanntlich den Berg hinab stossen (wovon Lukas berichtet / 4, 29). - SouverĂ€n jedoch schritt er durch die Menge, unbeirrt geht er seinen Weg - keine Verteidigung, keine Rechtfertigung - auch kein Gegenangriff.

 

Kein Mensch ist vor Ablehnung gefeit - draussen nicht, ebenso wenig hinter Klostermauern


 

Ablehnung macht hilflos - aber auch frei:

 

  •      Hilflos: denn zumeist wird Ablehnung von Neid und Eifersucht genĂ€hrt - und dagegen ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Keine noch so grosse Anstrengung kann 'Bekehrung' erwirken, den andern ĂŒberzeugen. Die GrĂŒnde fĂŒr Ablehnung sind fast immer irrational


 

  •      Ablehnung hat jedoch nicht nur negative Seiten, Ablehnung kann gar KrĂ€fte wecken, die einen zu neuen Ufern aufbrechen lassen, die einen erst den eigentlichen Ort der Berufung erkennen lassen, nĂ€mlich dann wenn man die Situation nimmt, wie sie ist, die Kraft nicht in Aggression und Kampf sich aufbrauchen und verpuffen lĂ€sst. So gesehen macht Ablehnung auch frei - innerlich frei in einem Ja zu sich und seinem Weg.

 

Es gibt den Rat Jesu: den Staub von den Schuhen zu schĂŒtteln und weiter zu gehen an einen andern Ort (Mt 10, 14) Oder den etwas derberen: die Perlen nicht vor die Schweine zu werfen (Mt 7, 6 b). Wenn man so handelt, kann man in seinem Sein und seiner Begabung ruhig bleiben und weiter gehen, dorthin, wo sich Wurzel schlagen und FrĂŒchte tragen lĂ€sst, im eher wörtlichen, wie auch ĂŒbertragenen Sinn.

 

Schlimmer als Ablehnung empfinde ich jedoch GleichgĂŒltigkeit. Jene Haltung von Desinteresse, die einen in der Motivation und im Vorankommen lĂ€hmt, in der Bereitschaft zur Ent-wicklung der eigenen FĂ€higkeiten und Ressourcen.

 

Daher frage ich mich auch: Was ist der Motor meiner, unserer Motivation? Ist es nicht tatsĂ€chlich so, dass Interesse, Anerkennung, Feedback und wohlwollende Kritik einem den nötigen Schwung geben, um am Ball zu bleiben, neue Spuren zu verfolgen, sich zu engagieren? - Wenn aber in allem Engagement, das man aufbringt, kaum RĂŒckmeldung und Anerkennung zurĂŒckkommt, was dann? Woher nimmt man die Kraft, nicht zu resignieren?!

Denn: Resignation ist letztendlich Verrat an der eigenen Berufung. - Dessen ungeachtet ist es alles andere als einfach, sich aus sich selbst  heraus zu motivieren
, gleichsam eine ‚Trotzdem-Kraft‘ zu entwickeln, weil die FĂŒlle des Lebens weder in der Leistung als solches, noch in ihrer Anerkennung und WertschĂ€tzung liegt.

 

Nein, auch ich habe bis anhin noch keine ultimative Antwort gefunden - und vielleicht gibt es diese auch gar nicht! Aber hie und da legen sich mir Gedanken und Worte wie BrĂŒcken ĂŒber den Schlund des Abgrundes:

 

  •    Wenn man ĂŒber sich selbst hinaus verweist, braucht man um sich keine Sorge und kein Aufheben zu machen

 

  •    Wer in sich ruht, weiss um sich - und wer um sich weiss, dem fehlt die BestĂ€tigung von aussen nicht.

 

Solche Worte sind Ansporn und Trost. Sie erfĂŒllen sich in Augenblicken jener Selbstvergessenheit, die ganz im Tun und Sein aufgeht, wo der Augenblick sich auflöst in Ewigkeit und einfach nur ‚Jetzt‘ ist - und darin pure GegenwĂ€rtigkeit und Freude. - Dass dies nicht immer so sein kann, wird jedem einleuchten - so gerne man darin wohl ‚HĂŒtten bauen‘ wĂŒrde!

 

Es sind gerade die Schwierigkeiten und der Gegenwind, die einen reifen und wachsen lassen, wenn wir uns ihnen stellen. Trotzdem ist es gut und wichtig, dass wir in nĂ€hrenden Beziehungen aufgehoben sind, in denen uns das nötige Interesse und die ebenso not-wendige Anerkennung zukommt und entgegen gebracht wird. Der Hunger und der Durst der Seele ist vielfĂ€ltig. Nicht alles kann und braucht gestillt zu werden - und nicht alles, was wir uns zufĂŒhren, bekommt uns auch. Da braucht es die Unterscheidung der Geister, um zu erkennen, was jetzt genau das Richtige ist, das uns weiter wachsen und uns entfalten lĂ€sst. - Gottes Wunsch an uns ist es ja: dass wir die FĂŒlle des Lebens haben. - Nicht erst einmal im Jenseits, sondern schon hier und jetzt.

Nicht umsonst macht er es uns in der Pracht und ÜberfĂŒlle der Natur immer wieder neu klar: ich bin ein Gott der FĂŒlle - ja, ein Gott der Verschwendung - nicht eine BlĂŒte an Baum und Busch - 1000e strecken ihr Köpfchen der Sonne entgegen, nicht bloss ein Schmetterling, nein, ein ganzes Herr tanzt seinen Reigen - und ein jeder in seinem bunten Kleid!

 

MĂŒssten wir da nicht grosszĂŒgiger sein mit unserem Wohlwollen? - Aber die Frage muss auch sein: warte ich nur darauf - oder bin ich bereit, es selbst zu leben? Es macht mich keineswegs Ă€rmer in meinem Sein und Selbstwert, wenn ich dem andern wertschĂ€tzend begegnen wĂŒrde!

 

So wĂŒnsche ich uns den Mut und die Bereitschaft zu grosszĂŒgigem Umgang, denn in gegenseitigem Wohlwollen stĂ€rken wir uns auch in unserm Sein und in unsern Talenten und Begabungen.

Die Welt geht gut aus

Ein Tag im Sommer, der Himmel ein wenig bedeckt, doch die Sonne entwickelt genug WĂ€rme. Ich bin wieder einmal unterwegs in der freien Natur, geniesse Gottes herrliche Schöpfung: praller BergfrĂŒhling, tanzende Schmetterlinge, Aussicht ĂŒber den VierwaldstĂ€ttersee und die umliegende Bergwelt, jeder Augenblick intensiv da und prĂ€sent nĂ€hrt die Seele mit Schönheit.

 

Weiter unten sehe ich einen sportlich gekleideten, Ă€lteren Herrn mit zwei Walkingstöcken zĂŒgig seinen Weg vorwĂ€rts streben. Ich bleibe bei meinem gemĂŒtlichen Rhythmus, eins mit dem Augenblick, dem Atem, eingetaucht in den Gesang der Vögel. Unversehens hat der Herr aufgeschlossen, ĂŒberholend grĂŒsst er mich und ich ihn.

 

In mein Gehen vertieft, begegne ich ihm nach einer S-Kurve wieder. Ein lauschiges PlĂ€tzchen mit Sitzbank, Bildstöckchen mit Maria und Kind und ein hölzernes Kreuz. Auf die Stöcke gestĂŒtzt, scheint er den herrlichen Ausblick zu geniessen, wir kommen ins GesprĂ€ch. Er fragt nach meinem Weg und ich zum Abschluss, ob er hier wieder wende. - Seine schlichte Antwort ĂŒberrascht und berĂŒhrt mich gleichermassen:

 

Ich verrichte hier mein Morgengebet, dann gehe ich wieder nach Hause.

 

‚Ja, dann ist der ganze Tag schon gesegnet!‘, erwidere ich, worauf er meint ‚Genau.‘

 

Unsere Wege trennen sich, ich strebe nach oben - er wohl bald wieder nach unten. Diese kurze Begegnung erfĂŒllt mich mit einer unerhört tiefen Zuversicht und Gewissheit:

 

Die Welt geht gut aus!

 

Mir wird bewusst, wie gross und stark das Netz der Beter ist, das die Welt am Fall in den Abgrund hindert, das die Schleusen der Göttlichen Barmherzigkeit und des Göttlichen Segens immer wieder neu aufstösst.

 

Nein, es sind nicht nur wir ‚Berufsbeter und -beterinnen‘ in den Klöstern und Geistlichen Gemeinschaften, die an diesem Netz knĂŒpfen, sondern auch und gerade die vielen unscheinbaren und unsichtbaren Beter in den HĂ€usern der Dörfer und StĂ€dte, die in der freien Natur Gottes Segen ĂŒber sich und die Welt herab rufen, in einer Kirche verweilen oder wo auch immer, die Verbindung zu Gott verlebendigen.

 

Die Welt geht gut aus! Mag sein, dass das der RealitĂ€t der Zeitungs- und Tagesschauberichten nicht standhĂ€lt. Mag sein, dass es reichlich naiv klingt - fĂŒr die FlĂŒchtlingsströme irgendwo in Seenot gar zynisch. - Trotzdem halte ich daran fest:  

Die Welt geht gut aus.

 

Nur in dieser Haltung, lĂ€sst sich die Kraft zum ‚Trotz-dem‘ schöpfen: trotz der andern Sprache rundherum das Lied der Hoffnung singen; trotz der unsĂ€glichen Not und angesichts der GrĂ€uel, die Menschen einander antun, an das Gute im Menschen und der Welt glauben - und es selber tun!

 

Die Welt wird erst dann verloren sein, wenn dieses Trotzdem erlischt, wenn die Resignation einen in GleichgĂŒltigkeit versinken lĂ€sst, wenn das Gute nicht mehr getan und die HĂ€nde nicht mehr gefaltet werden.

 

Diese unverhoffte Begegnung auf meiner Wanderung hat mich reich beschenkt, mich neu in meiner Berufung verwurzeln lassen, mir neu meine Auf-Gabe bewusst gemacht - und mich spĂŒren lassen, wie auch ich, in diesem Netz aufgehoben und getragen bin. - Trotz allem.

 

Ja, die Welt geht gut aus! Diese Zuversicht wĂŒnsche ich auch Ihnen - in einer Weise, dass sie Sie zum Beten und Handeln beflĂŒgelt.

wer zu mir kommt....

In der sogenannten ‚Brotrede‘ im Johannesevangelium finden wir folgenden Satz (Joh 6, 35 b):

 

‚Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern und wer an mich glaubt, nie mehr dĂŒrsten‘.

 

Ein Angebot und eine Einladung - ausgestellt als ‚Blankocheck‘ - ein Versprechen, das nicht an moralische Bedingungen geknĂŒpft ist - im ersten Satzteil sogar an gar keine Bedingung!:

 

Wer kommt, wird nie mehr hungern.

 

So einfach ist - so einfach wÀre das! - kommen und nie mehr hungern.

 

Wohin gehe ich, wenn ich meinen Hunger spĂŒre? - Ja, wonach hungere ich ĂŒber-haupt? - Ist jeglicher Hunger bereits in Resignation und Desinteresse ertrunken - oder gibt es noch einen Hunger, eine Sehnsucht, die mich antreibt? Sind es vornehmlich materielle GĂŒter oder das eigene Image und Ansehen? - Oder gibt es diesen Hunger nach dem Mehr im Dazwischen und Dahinter des Lebens, nach dem ‚Schatz im Acker‘ der Alltags, der menschlichen UnzulĂ€nglichkeit, in den BrĂŒchen, Irrungen und Wirrungen des Miteinanders (familiĂ€r, lokal, global)?

Kann ich den Hunger in seiner Tiefe und Schwingung spĂŒren, ohne ihn sogleich mit VordergrĂŒndigem zu löschen? Kann ich mich von ihm zu Jesus fĂŒhren lassen? - Und was ist das fĂŒr ein Stillen, das Jesus anbietet?

 

Ich denke, dass das Wort ‚Stillen‘ bereits die Antwort enthĂ€lt: ein still und ruhig werden, ein gesĂ€ttigt und geborgen sein, das sich in allem DefizitĂ€ren getröstet und gehalten weiss - und eben gerade aus dieser Geborgenheit heraus zu handeln vermag. - ohne in Aktionismus zu verfallen, ohne ĂŒbertriebene (Heils)AnsprĂŒche.

 

Im zweiten Satzteil kommt dann der ‚Glaube‘ ins Spiel - Voraussetzung, dass man nie mehr dĂŒrstet. Auch das entfaltet eine Logik in der Aussage, wenn man dem Glauben nachspĂŒrt:

 

Glaube hat wesentlich mit Vertrauen zu tun, damit, dass ich jemandem traue und mich ihm an-vertraue. Wenn ich dem Angebot des Andern nicht traue, lasse ich mich nicht voll und ganz darauf ein, lasse mir noch weitere TĂŒrchen und Optionen offen, nasche ein wenig in diesem Töpfchen und in jenem
 Das macht nicht wirklich satt, das trĂ€nkt nicht wirklich.

 

Hunger und Durst erfahren und um einen Ort wissen, wo ich hingehen, gesĂ€ttigt und getrĂ€nkt werden kann, das gibt Halt gerade auch in schwierigen Erfahrungen, wo man fast am ver-hungern und ver-dursten ist. Der Mensch ist und bleibt ein Sehnsuchts-wesen - Erdenhalt geben Himmelswurzeln - und doch geschieht das Leben hier unten. Das heisst fĂŒr mich auch, dass ich an meinem Platz mit offenem Ohr und Herzen das Angebot Jesu als Auftrag an mich wahrnehme und zu leben versuche:

 

Als Wegweiser an eine â€šĂŒbernatĂŒrliche Instanz‘ und als Ruhe- und Stillplatz fĂŒr andere Menschen.

 

Jetzt, wo die Ferienzeit wieder beginnt, ist ‚Auftanken‘ hochaktuell und gelingt nicht immer, weil man sich in den Ferien genauso verausgabt wie im Alltag, gestillt und gesĂ€ttigt wird man in der BeschrĂ€nkung und nicht im Übermass. Das heisst, dass in dieser Hinsicht weniger mehr sein kann - und dass die Tankstelle vielleicht gar nicht im herum jetten und konsumieren liegt...

 

So ist mein Ferienwunsch an sie: dass ihnen die geschenkte, freie Zeit nÀhrende Zeit ist, weil sie sich geniessend auf den Freiraum einlassen können, - dass sie aber auch dem Hunger der Seele und dem Durst des Herzens Raum geben und ihn dort stillen können, wo er nicht bloss betÀubt wird!

Fragment und ErgÀnzung

‚Wir sind Fragment, erfahren aber von Gott die ErgĂ€nzung‘.

 

Welch eine Entlastung: Erlaubnis, Fragment zu sein. Fragment in all seiner UnvollstĂ€ndigkeit, in all seiner Zerbrechlichkeit. Gerade heute, wo man ein glĂ€nzendes Selbstbild posten und performen muss, wo Fotoshop die nötige Nachhilfe gibt - und wo diese nicht mehr reicht auch die Schönheitschirurgie
.

 

Doch Fragment sein betrifft ja nicht nur das Äussere meines Menschseins. Auch meine FĂ€higkeiten sind begrenzt, mein Charakter hat seine SchwĂ€chen, nicht immer bringe ich alles optimal auf die Reihe
. Und das darf einfach mal so sein!

 

Ja, es darf sein - und nicht nur das, der Satz geht ja noch weiter:

 

wir erfahren von Gott die ErgÀnzung.

 

ER ist DER grosse VOLLENDER. Dabei geht es nicht um ‚blosse‘ Vervollkommnung, damit ich doch noch glĂ€nzen kann, sondern um eine Erfahrung von Ganzheit im BruchstĂŒcksein, eine Erfahrung von Gehaltensein in aller Zerbrechlichkeit, eine Erfahrung von umfangender Barmherzigkeit in allem UngenĂŒgen.

 

ErgĂ€nzung heisst nicht ‚Schwamm drĂŒber, ist nicht so schlimm‘, es ist auch nicht einfach Patchwork oder Flickwerk.

 

ZunĂ€chst ist da diese schmerzliche Erfahrung, dass man an Grenzen stösst und immer wieder fĂ€llt, oft folgt eine Phase des Zappelns und Sich-abmĂŒhens, vielleicht auch des Verleugnens und Beschönigens - bis man in allem Scheitern und Ringen Ja sagen kann: Ich bin Fragment. - Erst in diesem Ja öffnet sich das Herz fĂŒr die Göttliche ErgĂ€nzung - und da geschieht auch Demut, jene Klarheit, die sich annimmt und liebt und nicht um jeden Preis ein Hochglanzprospekt sein will - der letztendlich mehr verspricht als er halten kann!

 

Genau das ist die Entlastung in der Erkenntnis: Ich genĂŒge nicht, ich kann nicht genĂŒgen - und ich muss auch nicht genĂŒgen. Ich darf mich selber sein und in diesem Sein mich Gott hinhalten. - Er ist weder Buchhalter, der das Minus in meiner Bilanz aufrechnet, noch der Richter, der meine Fehler und SchwĂ€chen anprangert. ER IST DIE LIEBE, die sich wie ein wĂ€rmender Mantel um meine Fragment-Wunde legt, mich in sich birgt und mir voll Zuneigung sagt: Ich liebe Dich so, wie Du jetzt bist. - Und genau dieses Übermass massloser Liebe befĂ€higt zu Wachstum und Reife, zu Heilung und Neuwerdung - so wĂ€chst einem im Fragment-sein ErgĂ€nzung zu - ohne dass man sich darum abgemĂŒht hĂ€tte wie Sisyphos in der griechischen Mythologie.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen von Herzen diese bestĂ€rkende Erfahrung: in allem Fragment-sein von Gottes Liebe und Barmherzigkeit behĂŒtend und ergĂ€nzend umfangen zu sein.

Einander Sakrament sein

In ‚Wikipedia‘ finden wir folgende Definition zu ‚Sakrament‘:

 

Als Sakrament bezeichnet man im Christentum einen Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwÀrtigt und an ihr teilhaben lÀsst.

 

Sakramente machen also die Welt durchsichtig auf eine grössere, tragende und sinngebende Wirklichkeit hin, heben den Vorhang, der zwischen Diesseits und Jenseits geschoben ist, verweben das GegenwÀrtige mit dem Kommenden.

 

Bezeichnend ist, dass es zumeist ganz einfache Gesten und ‚Materialien‘ sind, die zu TrĂ€gern dieser andern Dimension werden:

  •    da wird mit Wasser getauft
  •    werden Brot und Wein gewandelt
  •    wird mit Öl gesalbt
  •    werden HĂ€nde aufgelegt

 

Alles ‚Dinge‘, die Bezug zu unserm Alltag haben und die wir aus unserm Leben vielfach kennen.

So ist der Alltag ErinnerungsgefÀss der Sakramente!

 

Wenn uns das auf-geht (sic!), können wir immer wieder mal ein wenig den Vorhang heben, die TĂŒre einen Spalt breit öffnen - dahinter und dazwischen schauen, einen Funken Ewigkeit erhaschen.

 

Durch die Sakramente und deren Empfang werden wir je neu und bewusst in die Dimension Gottes hinein gestellt und mit ihr verbunden. Die Sakramente wollen uns bestÀrken, erneuern, aber auch verwandeln. Unserer Erdhaftigkeit Himmelswurzeln schenken.

 

Gerade die Eucharistie, als das ‚nĂ€hrende Sakrament‘ will uns helfen, ganz aus Gott heraus zu leben. In der Eucharistie dĂŒrfen wir Gott und seine unverbrĂŒchliche Liebe je neu feiern, dĂŒrfen wir seine uns suchende Gegenwart empfangen - sinnlich und essbar. Wir dĂŒrfen kostend erfahren: Gott will bei uns, bei mir, WOHNEN.

 

Er lebt nicht nur verborgen im Tabernakel, sondern auch geheimnisvoll in mir. ICH SELBST BIN TABERNAKEL (ZELT) GOTTES. Aus diesem Gedanken heraus ergibt sich fĂŒr mich auch die Konsequenz:

 

Jeder ist letztendlich fĂŒr den Andern Sakrament - aber nicht nur durch den Empfang der Kommunion, sondern schon dadurch, dass wir GOTTES ZÜGE TRAGEN. Er hat uns als sein Ebenbild geschaffen - wer in mein Gesicht sieht, schaut das Antlitz Gottes. - Und in wessen Gesicht ich auch immer schaue: immer schaut mir Gott entgegen!

 

NatĂŒrlich ist dies schnell und einfach geschrieben - das Leben und die RealitĂ€t sprechen oft genug eine andere Sprache. In manch einem Gesicht lĂ€sst sich nur schwerlich Gottes Antlitz entdecken, so entstellt und geschunden ist es, so sehr wurde die Liebe verleugnet, ist sie von schwer Nachvollzieh- und Verstehbarem ĂŒberlagert, gar verdrĂ€ngt


 

Im Zusammenleben wird man da schon mal zum ‚GoldgrĂ€ber‘: in jedem Menschen mĂŒsste doch dieses kleine Körnchen Gold der Ebenbildlichkeit gefunden werden können - und wenn es auch nicht mehr ist als ein wenig Goldstaub


 

Wenn man lernt, in dieser Haltung zu leben, geschieht mehr Achtung und WertschĂ€tzung im Miteinander, kann so manche KleinkrĂ€merei einer GrosszĂŒgigkeit weichen. Wenn ich mir selber bewusst bin, dass ich ein Sakrament bin, muss ich mein eigenes Tun und Lassen immer wieder ĂŒberprĂŒfen (lassen) und neu justieren. Und dies auch in der Begegnung mit meinen NĂ€chsten.

 

So ist mein Wunsch fĂŒr Sie diesmal dieser: dass Sie ein GespĂŒr fĂŒr das Geheimnis Gottes, das den Menschen und die ganze Schöpfung durchweht, ent-wickeln und so in dieses Göttliche Atmen hinein genommen werden - als lebendiges Sakrament seiner liebenden, heilenden, helfenden Gegenwart in unserer Zeit.

Bekenntnis

Worte, die man schon zig-fach gehört und vielleicht selbst gebraucht hat, können plötzlich eine neue Aussage und Tiefe gewinnen, sich einem in einer ganz andern FĂŒlle erschliessen, uns auf den Weg schicken.

 

Mir ist es so ergangen, als ich auf den Begriff ‚Bekenntnis‘ gestossen und an ihm hĂ€ngen geblieben bin.

 

Im Wort drin lesen wir das Wort ‚Kenntnis‘, eben kennen. Ich kann nur be-kennen, was ich kenne.

Doch WAS bedeutet nun kennen?

 

Kennen ist fĂŒr mich mehr als blosses Wissen, vom Verstand her durchleuchtete Thematik. Kennen ist eine Herzensangelegenheit. Im Kennen öffne ich mich fĂŒr eine Vertrautheit. Ein ‚Wissens‘ vom Herzen her - ich ‚kenne‘ die Kontur, den Ausdruck, die Tiefe - alles, jenseits von Begriffen, Formeln und Definitionen.

 

Vertrautheit birgt das Wort trauen in sich, das wir auch von ver-trauen kennen. Ich habe mich fĂŒr das Vertraute geöffnet, bin ihm begegnet, habe es mir zutiefst zu eigen gemacht - ich traue ihm - vielleicht habe ich mich ihm sogar angetraut! Es durchwirkt und durchformt nun meine ganze Existenz.

 

Doch genau das ist es: weil es eben kein ein fĂŒr alle Mal festgelegtes Wissen ist, muss es stets neu vertraut werden. Es ist ein Tanz von NĂ€he und Distanz, auf einander zu und auseinander - in der Schwingung der Herzensmelodie. Der Tanz verĂ€ndert mich - und ich den Tanz.

 

So ist auch mein Lebenszeugnis als Ordensfrau nicht festgelegt in einem wortschweren Bekenntnis - sondern das Offenbarwerden einer Vertrautheit, die das ganze Leben durchwirkt und bestimmt. Ich habe Gott nicht gefunden, ich suche nach Ihm - stets neu, erspĂŒre Ihn
 Was Berufung und Bekenntnis ist, kann ich nicht wissen - nur leben. Genau das hĂ€lt das Leben und die Liebe aktuell und in Spannung. - Wer weiss, glaubt sich am Ziel, legt die HĂ€nde in den Schoss - doch dem entgleitet auf einmal die Sinntiefe des einmal Gefundenen.

 

Ich denke, das ist nicht nur gĂŒltig fĂŒr mich im Kloster. Auch Ehe und Freundschaft sind Bekenntnis einer Liebe, die stets neu Ausdruck sucht, aus dem Geheimnis in die Offenbarung drĂ€ngt - und doch vom Geheimnis umfangen bleibt. Bekenntnis jedwelcher Art setzt ein offenes Herz voraus, ein spĂŒrendes, fragendes Suchen, das sich nie am Ziel weiss, denn immer dann, wenn das Ziel erreicht ist, merkt man, es war ‚nur‘ eine Etappe. Jedes Ziel öffnet sich auf ein anderes hin. - Und irgendwann kommt man an jenen Punkt, wo das Bekenntnis bar jeder Worte wird
 Es hat die ganze Existenz durchdrungen und durchformt. - Man ist Bekenntnis - und auch das nicht statisch und fest, vielmehr in schweigender und stiller Offenheit - ich glaube, hier beginnt der Tanz mit dem Heiligen Geist, das Leben aus der Herzmitte, das bekennt:

 

Leben ist mehr als Alles. Es gibt ein Dazwischen und Dahinter, ein DarĂŒber und Darunter, das alles sprengt. Dann denkt man sich das Leben nicht mehr. Ist einfach nur im Fluss. Im eigenen Herzen angekommen


 

Ich wĂŒnsche Ihnen diese tiefe Erfahrung, im eigenen Herzen angekommen zu sein und aus dieser FĂŒlle zu leben!

Liebesbrief Gottes

Vor kurzem schlossen wir den Osterfestkreis mit dem Pfingstfest ab. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, dessen Symbol die Taube ist. - Doch was hat es mit der Taube auf sich?

 

UnlĂ€ngst erhielt ich  eine ErklĂ€rung dazu:

Die Taube war mit ihrem Gurren ein Botenvogel altorientalischer Liebesgöttinnen.

 

Mir scheint, dass die Urchristen keine BerĂŒhrungsĂ€ngste kannten und jene Bilder und Riten ihres religiösen Umfeldes in ihre eigene Praxis integrierten, wo sie stimmig und passend war!

 

Der Heilige Geist in diesem Bild interpretiert als ‚der Botenvogel des Gottes der Liebe‘ - somit ist der Heilige Geist die Liebesbrief Gottes an uns!

 

Gott Vater und Sohn verbunden und durchweht vom Heiligen Geist, dem Band der Liebe - und dieser Heilige Geist wird in unsre Herzen eingegossen, so dass auch wir hinein genommen werden in diesen Austausch der Liebe von Vater und Sohn.

 

  • Der Heilige Geist ist derselbe Geist, der Jesus gefĂŒhrt und bestĂ€rkt hat - und dies auch in uns tun will: fĂŒhren und stĂ€rken, aber auch die Sendung Jesu in die Zukunft tragen.

 

  • Der Heilige Geist ist derselbe, der in Maria Menschwerdung stiftete - und dies auch in uns tun will: Menschwerdung stiften, dass wir einander Christus sein können.

 

  • Der Heilige Geist, kam bei Jesu Taufe auf ihn und die Stimme des Vaters sprach: ‚dies ist mein geliebter Sohn!‘- auch das dĂŒrfen wir erfahren und hören: in Taufe und Firmung wurden wir mit Heiligem Geist gesalbt und gesandt als geliebte Kinder des Vaters. - Wohl gemerkt: gleich zu Beginn, vor jeglicher Leistung: GELIEBTES KIND!

 

  • Der Engel, der Jesus in der Todesangst stĂ€rkte, stĂ€rkte ihn mit Heiligem Geist - und dies dĂŒrfen auch wir erwarten: StĂ€rkung in Not und Angst mit der Kraft Gottes - mitunter durch Engel in Menschengestalt - wenn wir darum rufen und bisweilen ringen.

 

So unfasslich der Heilige Geist auch sein mag, so vielfĂ€ltig ist er. So geheimnisvoll in seinem Wesen - so offenkundig in seinem Wirken! - Doch unabdingbare Voraus-setzung ist, dass wir uns fĂŒr ihn bereiten und öffnen, dass wir den Mut haben, uns von ihm durchwehen, durchwirken und durchformen zu lassen. - Er wird es nicht gegen unser Wesen tun, im Gegenteil: er kennt unsere ursprĂŒngliche, unverfĂ€lschte Gestalt, wie sie von Gott zu Anfang gemeint war, bevor wir durch das Leben und die SchicksalsschlĂ€ge die eine oder andere Schramme ab bekamen. Der Heilige Geist will uns immer mehr in diese ursprĂŒngliche Gestalt und Form hinein fĂŒhren - wo wir letztendlich ganz eins sein werden mit dem Gedanken Gottes, der Liebe ist - und das Leben in FĂŒlle fĂŒr jeden will.

 

Da wo der Heilige Geist uns ganz erfassen kann, da sind wir in der Mitte angekommen, ruhen im innersten Seelenpunkt und leben gleichzeitig aus dieser Mitte heraus. Das ganze Sein bĂŒndelt sich in diesem Punkt
 Vielleicht sind es nur wenige Augenblicke, wo es wirklich geschieht, aber dann öffnet sich der Himmel: Diesseits und Jenseits verknĂŒpfen sich im Hier und Jetzt - Ewigkeit bricht in die Zeit.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen von Herzen die Offenheit und das Vertrauen fĂŒr das vielfĂ€ltige Wirken des Heiligen Geistes, dass er fĂŒr Sie quasi der Lebensmotor wird - oder das Benzin fĂŒr Ihren Lebenstank. Wie der Motor geschmiert und der Tank gefĂŒllt werden mĂŒssen, so mĂŒssen auch wir in Wartung gehen, um nicht leer zu laufen. Der Heilige Geist wartet auf uns - er, der Liebesbrief Gottes an uns will stets neu gelesen, vertieft und verinnerlicht werden.

Psalmenquelle

Mehrmals tĂ€glich beten wir wĂ€hrend des Stundengebetes aus dem Buch der Psalmen. 150 sind uns im Ersten Testament der Bibel ĂŒberliefert - ein wahrer Gebetsschatz in vielen Nuancen und Schattierungen!

 

Jubel und Dank brechen sich in Worten Bahn, ebenso Schmerz und Trauer bis hin zu Wut, Angst, gar Fluch und Aggression. Alles hat seinen Platz - und darf ihn in der Beziehung zu Gott auch haben.

 

Jahraus, jahrein beten wir die stets gleich bleibenden Worte - jeder Tag, jede Zeit hat seine spezifischen Psalmen, ein wenig Abwechslung an Fest- und Feiertagen, wo die Gebete intensiven Bezug zum Festgeheimnis nehmen und es mit Jahrtausende alten Lichtern ausleuchten - Zeit und Ewigkeit im Jetzt verknĂŒpfen.

 

Das Gebet der Psalmen hat verschiedene Wirkungen:

  •    es ist wie eine Oase, an der wir uns kĂŒhlen in der Hitze des Tages
  •    es ist wie eine Parkbank, wo wir fĂŒr Augenblicke zur Ruhe kommen
  •    es ist wie ein Sprachrohr von Worten die uns oder andern fehlen
  •   es ist wie ein Kompass, der uns die Seelennadel wieder auf Ewigkeit und  Jenseitigkeit ausrichten lĂ€sst
  •   es ist
. - 
 fĂŒr jeden etwas je anderes!

 

Nicht immer ist man mit voller Aufmerksamkeit bei den Worten, die man gerade betet. Manchmal gehen einem die Formulierungen durch die Gewohnheit fast zu abgeschliffen aus dem Mund
. Manchmal ist man zwar am Beten, doch das Herz ist irgendwo im Nirgendwo, hĂ€ngt fest im Gewesenen, in Fragen, Konflikten, Unstimmigkeiten oder Freuden und positiven Überraschungen.

 

Dass die Psalmen diese Gleichzeitigkeit von Anwesenheit und Abwesenheit vertragen, macht sie erst recht zu einem grossen, weiten GefĂ€ss! - In uns betet der Strom von Menschen und Äonen weiter! Wir reihen uns in eine Tradition von Gebet, Klang und Beziehung ein, werden mitgetragen von Worten, sie durchspĂŒlen uns gleichsam, halten die Seele nĂ€hrend in Beziehung zu ihrem Ursprung. Wir durchbeten die Psalmen und die Psalmen durchbeten uns - und so wird die ganze Welt, Zeit, Schöpfung und Menschheit durchbetet. - Die Psalmen fangen alles auf an menschlichem Leben und Erleben, an menschlichem Regen und Erregen. Sie halten die Erinnerung offen und wach an namenlose Ungerechtigkeit, an ĂŒberbordende Freude, an die Geschichte, aus der wir kommen und die Ewigkeit, auf die wir zugehen.

 

Wir dĂŒrfen uns von den Psalmen einfach auffangen lassen, wir dĂŒrfen es aus uns heraus beten lassen - mĂŒssen uns nicht bemĂŒhen um eigene, gar schöne und kluge Worte, wohlgeformte SĂ€tze
 Die Psalmen nehmen uns gleichsam in ihre Wortarme, geben uns Geleit und jenen, fĂŒr die wir beten.

 

Nicht immer decken sich unsere Stimmungen mit dem Inhalt des Psalms. Aber dies ist auch nicht notwendig. Denn Psalmengebet ist ‚Stellvertretergebet‘ in der Kirche fĂŒr die Kirche, in der Welt fĂŒr die Welt. Wir stehen nicht fĂŒr uns selber da. Wir sind Mund und Herz fĂŒr Stumme und Wortlose, fĂŒr Fragende und Zweifelnde - ebenso fĂŒr GlĂŒckliche und Jubelnde.

 

Wenn wir die Psalmen so beten, sind wir wie ein Kanal: in uns fliesst die Psalmenquelle und wir spĂŒren in unserer Leitung ihre Frische. Sie strömt durch uns und trĂ€nkt das dĂŒrre, dĂŒrstende Land. - Gerade in schweren Stunden, wo in mir Stille und Wortlosigkeit schwĂ€rten, konnte ich erleben, wie die Quelle plötzlich zu sprudeln begann: Worte brachen auf, die mich nĂ€hren und kĂŒhlen wollten. Psalmenworte, die dem Erleben einen Namen und ein Gesicht gaben und so die Verstörtheit lösten. Selbiges geschah auch in frohem Erleben, wo plötzlich einer dieser Psalmenjubel aus dem Innern nach oben drĂ€ngte und gleichsam mit mir tanzte.

 

Ja, ich fĂŒhle mich wohl an der Psalmenquelle. SpĂŒre, wie die Jahre des Betens Vertrautheit schenkten und doch neues Erleben ermöglichen. Die Psalmen sind in der Zeit - und doch zeitjenseitig. Sie stehen im Buchstaben fest, im Geist und in der Tiefe sind sie offen und formbar. Das macht die Begegnung immer wieder neu. Ein tausendmal gebetetes Wort steht plötzlich ganz neu da, schaut mich an, fragt nach mir, schenkt mir Antwort: die Zeit des Verstehens und der Wirksamkeit war genau jetzt - Kairos - wortreife Zeit.

 

Es tut gut, im Gebet geborgen und beheimatet zu sein. Das gibt Halt und Trost, Zuversicht und Weite.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen, dass auch Sie Worte und Gebete haben und immer wieder finden, die als BrĂŒcke Ihr Jetzt mit der Ewigkeit verbinden, die wie eine Quelle Ihre Seele erfrischen und kĂŒhlen. Eine kleine Rast an einem Gebetsbach, an der Psalmenquelle mitten im Alltag.

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begegnen, nicht begreifen

‚Man kann Gott nicht begreifen - aber man kann ihm begegnen‘.

Dieser Satz aus einer Predigt begleitet mich nun schon eine Weile - und ich spĂŒre, er passt nicht nur ‚zu Gott‘, sondern ist auch auf andere Situationen hin offen:

 

begegnen - statt begreifen: Dies könnte eine Lebenshaltung sein, die es ermöglicht, offen auf das Unbegreifbare zuzugehen und es einfach einmal zuzulassen.

 

Be-GREIFEN, ist ja ein selbstredendes Wort: wir wollen nach etwas greifen, das sich gar nicht greifen und packen lÀsst. Und was wir fest umGREIFEN, lÀsst sich auch nicht mehr (neugierig forschend) betrachten
 Im Klammern werden wir mitunter hart und verspannt - und das Wunder entflieht, das Wunder eines stillen Wortes in diesem Moment und Umstand, vielleicht sogar in diesem Leid und in dieser Not.

 

Begegnen geschieht im tiefsten immer von Herz zu Herz - und auf dieser Herzebene macht man sich durchaus auch verwundbar, man gibt die Kontrolle ab. DafĂŒr öffnet sich uns eine ganz neue Dimension: eine Dimension von Liebe und Staunen - und in schwierigen Momenten kann daraus auch Ergebung reifen - eine Ergebung, die es erst ermöglicht zu gewinnen: Sinn, WĂŒrde und Versöhntheit.

 

Wer begreifen will, tut dem Moment(um) oft genug Gewalt an, lauscht nicht auf seine Sinntiefe und Botschaft, packt das ‚Geschenk‘ (so unverstĂ€ndlich es auch sein mag) nicht mit Sorgfalt aus, reisst das Papier hinunter und macht vielleicht mehr kaputt, als ihm lieb ist. - Angriffskraft weckt Gegenkraft - ein Teufelskreis, der einen in eine ZermĂŒrbung hinein fĂŒhren kann, der Energie auffrisst, die man eben gerade braucht, um sich stellen zu können
.

 

Begegnen, statt begreifen ist da eine Alternative: still werden, das Herz öffnen und auf die leisen Töne im Geschehen hören und die leisen Schwingungen darin erspĂŒren, damit adĂ€quate und fruchtbare Antwort reifen kann. Im Begegnen kann das anfĂ€ngliche Schreckgespenst auch unvermittelt ein freundliches Gesicht bekommen, mir eine verborgene TĂŒre öffnen, mich auf ein Lebensthema aufmerksam machen, mich zu neuen Quellen fĂŒhren.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen, dass Sie Ihr Leben offenen Herzens gestalten können und in Allem Begegnung mit dem Eigentlichen und Wesentlichen suchen. Dass sich die Wunden offener Fragen, leidvoller Erfahrungen und bohrenden UnverstĂ€nd-nisses im Begegnen schliessen können - dass Heil wird - nicht im Begreifen sondern im Begegnen.

Systemabsturz

Nicht nur Computersysteme können abstĂŒrzen - auch uns Menschen kann es passieren, dass wir durch einen Grippevirus oder einen anderen Infekt gefĂ€llt werden, ein Infarkt oder ein Bein/Armbruch uns aus ‚dem Rennen holt‘. Aber nicht nur dieses ‚Àussere‘ Kollabieren ist möglich - mitunter steht auch der ‚innere Mensch‘ auf wackligen FĂŒssen. Plötzlich fehlt einem der Antrieb, die einfachsten körperlichen AblĂ€ufe bereiten MĂŒhe und sind anstrengend - Zerbrechlichkeit pur!

 

Woher kommt es, dass plötzlich ‚nichts mehr geht‘ und sich der Mensch mit allen Tricks und Überwindungen einfach nicht pushen lĂ€sst?! NatĂŒrlich gibt es da das allseits bekannte ‚Burnout‘ - doch es muss nicht unbedingt gleich so verheerend sein, manchmal genĂŒgt das Durchbrennen einer einzigen Sicherung, um alles aus dem Lot zu bringen - eben: Zerbrechlichkeit pur.

 

So verstörend dieser Zustand sein mag, so heilsam kann er sein: wir Menschen sind zerbrechliche Wesen und zudem endlich, wir leben alle auf ‚Reduktion‘ hin. Die Kraft nimmt ab, das Tempo ebenso, wir ermĂŒden rascher, Multitasking kippt aus dem Bereich des Möglichen
 Das alles ist nicht einfach per se schlecht, im Gegenteil! Wir könn(t)en es als Chance nutzen, wesentlicher, konzentrierter, eingemitteter zu werden.

 

Gerade solche (unvermittelten) Erfahrungen von SchwĂ€che, wollen eine Schule sein, besser auf die Stimme der Seele und ihre BedĂŒrfnisse zu hören, sorgsamer und fĂŒrsorglicher mit sich selbst umzugehen, nicht jedes Rennen mitlaufen zu wollen oder gar zu mĂŒssen. Viel zu oft und viel zu schnell lassen wir uns unter Druck und in Gang setzen von Trends, Anforderungen auch eigenem Wollen, ohne es mit dem Innen, der Seele abzugleichen. Da kann einen eine Anfrage, ein Unternehmen ‚voll elektrisieren‘, dass wir gleich lossprinten
 und plötzlich brennen wir an. Im Leise- und Stillwerden hören wir dann vielleicht ein ĂŒberhörtes Stimmchen, das nicht anders auf sich aufmerksam machen konnte. NatĂŒrlich ist es nicht unbedingt gut, in Krisensituation weit reichende Entscheidungen zu treffen (mitunter kann es als Notbremse jedoch nötig sein), doch sollten wir gut mit uns zu Rate gehen und versuchen, auch innere SchwĂ€chen und Versehrtheiten, Unsicherheiten und BedĂŒrfnisse ‚an Bord zu holen‘. Einen Konsens finden, kein blossen Überreden und Überrumpeln. - Dann kann allmĂ€hlich wieder Harmonie werden.

 

Solche Krisen sind immer auch Chancen - auch wenn wir es vielleicht nicht gerne hören mögen: wir sollten lernen, abschiedlich zu leben. Ein Leben, das weiss, dass es auf einen endgĂŒltigen Abschied hinaus lĂ€uft, das lernt, je neu loszulassen, ohne AufbĂ€umen und Auflehnen, das die Kraft einsetzt fĂŒr ein versöhntes und positives Loslassen von allem, was jetzt nicht mehr oder zumindest nicht mehr so wie frĂŒher geht. Immer auch in der Haltung von Dankbarkeit und WertschĂ€tzung des Gewesenen, und gleichzeitig Dankbarkeit und WertschĂ€tzung fĂŒr das noch Mögliche und Dankbarkeit und WertschĂ€tzung fĂŒr das Kommende. - Alles hat seine Zeit - wer bewusst im Augenblick steht, wach und offen, lebt intensiv und kraftvoll - und sieht auch in der SchwĂ€che oder im Schwachwerden nicht den Weltuntergang, sondern das Heraufziehen der Ewigkeit
 - Letztendlich ist diese Lebenseinstellung wohl Gnade, doch können wir uns darin immer neu einĂŒben.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen in den Krisen des Lebens den inneren Halt und die innere Kraft, um sich zu stellen und die Chance am Schopf zu packen, dass aus Krisen Kairos und so Chance zu neuem Leben wird. Auch und gerade in der Ostergewissheit, dass Gott alle Wege mitgeht, dass er selbst der Weg ist - aber auch am Ziel auf uns wartet.

Der verwundbare Gott

Wenn schon ein Gott, dann ein allmĂ€chtiger, einer der alles im Griff hat - oder uns in unsern Allmachtsphantasien in Ruhe und in unserm Handeln gewĂ€hren lĂ€sst,  einen Gott, dem man auch gleich die Schuld an Katastrophen in die Schuhe schieben kann


 


 und dann macht sich unser Gott verwundbar - und nicht nur das: er macht sich gar tötbar! Das ist so quer und bar jeder Vernunft - so unausdenkbar. - Kann das ein Gott sein, der alles mit sich machen lĂ€sst?!

 

Karfreitag sagt es ĂŒberdeutlich: Gott ist anders als all unsere Vorstellungen und WĂŒnsche. Und Ostern bestĂ€tigt das noch einmal ĂŒberdeutlich.

 

Wenn Gott in die Schablonen unseres Denkens und unserer Vorstellungen passen wĂŒrde, wĂ€re er kein Gott mehr, bloss eine Marionette, die wir selber fĂŒhren - und von deren FĂŒhrung wir zugleich ĂŒberfordert wĂ€ren!

 

Glaube ist kein Wissen. Glaube ist ein Überantworten, ein Hingeben - und zugleich ein Kleinmachen in ein ‚Nichtwissen‘ hinein - das uns öffnet fĂŒr neue, tiefe und ĂŒberraschende Dimensionen. Glaube ist keine billige Vertröstung, Glaube fordert Mut, Einsatz und mitunter Überwindung - und zugleich auch Demut - jene Akzeptanz, dass mein Wesen, mein Können und Wissen nur sehr begrenzt und beschrĂ€nkt ist.

 

Glaube ist ein Vertrauen, dass dort, wo ich ende, Gott beginnt - und dass ich zugleich darin aufgehoben und umfangen bin. Es ist der Mut, ĂŒber die Kreuze, Tode und Ungerechtigkeiten des Lebens hinaus zu hoffen - dass Gott immer je neu die TĂŒren von Ostern aufstösst.

 

Gerade, dadurch dass Gott, der verwundbare Gott ist, ist er in aller Ferne eben auch der nahe Gott, einer der total und ganz in menschliche Existenz und menschliches Elend hinein gestiegen ist. Es nicht nur mit uns geteilt, sondern durchlitten hat - und das bis hinein in einen nicht nur qualvollen, sondern auch erniedrigenden Tod hinein.

 

Gott scheute bei seiner Geburt den Stall nicht und bei seinem Tod nicht das Kreuz. Sein Leben spannte sich zwischen zwei Hölzern aus - auf der Suche nach dem Menschen, der ihm diese Hölzer gezimmert hat


 

Es ist ein unglaubliches Paradox der Liebe, die heimliebt und nicht weghasst. Die den Himmel öffnet und die Hölle verschliesst.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen von Herzen, dass Ostern fĂŒr Sie mehr als Schokoladenosterhasen bedeutet. Dass Sie dem Fest auf den Grund gehen können - damit Ihr Leben und Ihr Alltag einen Grund voll Hoffnung und Zuversicht findet - auch und besonders in den Verwundungen des Lebens!

Ich bin die Freude

Wir kennen die sieben ‚Ich-bin-Worte‘ Jesu aus dem Johannesevangelium, mit denen sich Jesus aus der Tiefe seiner Existenz offenbart:

 

   6,35          Ich bin das Brot des Lebens (vgl. 6,41.48.51)

   8,12          Ich bin das Licht der Welt.

   10,7.9       Ich bin die TĂŒr.

   10,11.14  Ich bin der gute Hirt.

   11,25        Ich bin die Auferstehung und das Leben.

   14,6           Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

   15,1           Ich bin der wahre Weinstock.

 


mir fehlt dabei ein achtes Wort : Ich bin DIE FREUDE


NatĂŒrlich finden wir diese Aussage nicht explizit im Johannesevangelium - doch so abwegig ist es nun auch wieder nicht, danach wenigstens zu suchen.

Schlagen wir das Johannesevangelium bei den Abschiedsreden (bis hin zum sog. Hohepriesterlichen Gebet) auf, begegnen wir viermal der Freude in den folgenden Worten Jesu:

 

  •  15, 11     Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde.
  •  16, 22     Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen und  eure Freude soll niemand von euch nehmen.
  •  16, 24 b  Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.
  •  17, 13     Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in FĂŒlle in  sich haben.

 

In einem solch dichten und zugleich auch tragischen und herausfordernden Augenblick, spricht keiner NebensÀchliches! Was ins Wort findet, kommt aus der Tiefe. - Und in dieser Situation vor dem Einbruch des (scheinbaren) Unheils, redet Jesu gleich mehrmals und mit Nachdruck von der Freude.

 

WAS ist das WESEN dieser Freude, die in diesem schicksalshaften Moment zum so gewichtigen Wunsch an die JĂŒnger wird?

WAS ist das WESEN dieser Freude, die scheinbar tragender Grund in bodenloser Zukunft ist?

 

Sicher ist mehr, als ein oberflĂ€chliches ‚Keep-smiling‘; mehr als ein sĂŒffisant-resigniertes, vielleicht gar zynisches Grinsen, mit dem man die Bosheit und die Boshaften quittiert!

 

Diese Freude ist eine Quelle aus tiefstem Grund. Vielleicht könnte man sie synonym sehen mit jenem Urvertrauen und jener tiefen Gewissheit von Geborgenheit in einem Göttlichen Walten, das Menschengesetze und Menschenmacht sprengen wird zu seiner Zeit - und auf seine Weise.

 

Diese Freude, die auch in Ausweglosigkeit trÀgt, ist still und verborgen - diese Schatztruhe muss im Acker des eigenen Herzens gefunden und ausgegraben werden, dass sie einen nÀhrt und hÀlt und trÀgt.

Es ist jene stille Gewissheit, letzten Endes behĂŒtet zu sein, eins mit dem eigenen Wesen und dem Willen Gottes. Diese Freude ist Gelassenheit und Zuversicht in einem. Ein stilles Ja, das selbst im Leiden der Seele FlĂŒgel verleiht, und die Hoffnung nicht aufkĂŒndigt - mag das Herz noch so sehr beben.

 

So wĂŒnsche ich Ihnen auf Ostern hin, dieses stille Feuer der Freude, das WĂ€rme gibt und Licht auf dem Weg - und auch ein wenig Heimeligkeit, wenn die Wege garstig, abwegig und öde sind. - Die letzte Antwort ist und bleibt OSTERN - und Ostern ist das Fest der Freude.

Anfang und Ende in einem

„
und wir glaubten, wir hĂ€tten noch so viel Zeit
“

Es fÀllt mir auf, wie hÀufig dieser Satz inzwischen auf Todesanzeigen erscheint.

 

WIEVIEL Zeit haben wir?

WAS fĂŒr Zeit haben wir?

HABEN wir ĂŒberhaupt Zeit?

 

An sich ist Zeit das UnverfĂŒgbarste, das es ĂŒberhaupt gibt! - Und doch haben wir Zeit - oder eben keine
 Und genau letzteres ist an sich ein ziemliches Paradox:

 

Welche Zeit kann mir denn gehören, als genau diese Sekunde in der ich JETZT bin?! Doch wie oft sagen wir, wir hÀtten keine Zeit - und verschieben den Termin auf eine Zeit, die wir eigentlich und tatsÀchlich gar nicht haben!

 

Das ‚memento mori‘ scheint ausgedient zu haben - wir lassen uns den Fun und die Zeit im Allgemeinen nicht gerne durch Gedanken an den Tod vergĂ€llen. - Aber wĂ€re nicht das Gegenteil der Fall?

 

Wie fĂŒhlt sich eine Begegnung an, von der ich bewusst annehme, es ist die letzte? Wie schmeckt ein Schluck Kaffee, von dem ich glaube, es ist der letzte? - Öffnen sich da nicht alle Sinne zu einem bewussten Wahrnehmen, SpĂŒren und Auskosten? - Auch wenn tausende noch darauf folgen mögen, so hat dieser Jetzt-Augenblick die Chance der einzige und nicht einer unter tausenden und somit gleich-gĂŒltig zu sein.

 

Ich kann es auch umkehren: Statt an den letzten zu denken, mich an den ersten zu erinnern, diesen Augenblick als den ersten dieser Art in meinem Lebens zu sehen - damit öffne ich die Schleusen der Neugier und nehme alles ebenfalls auf eine frische, unverbrauchte Art wahr. (Randbemerkung: ‚Art‘ als Fremdwort lesen = Kunst)

 

Anfang und Ende berĂŒhren sich im Jetzt. Wer mit diesem Bewusstsein immer wieder neu die Zeit, das Sein und Tun ausleuchtet, dringt in Galaxien voller Wunder ein. - Wer nicht auf ein ungewisses Morgen verschiebt, steht in einem ganz andern Heute, in einem viel erfĂŒllteren Jetzt.

 

Dann sĂ€ttigt einen die Zeit mit ihren Zauber - und gleichzeitig spĂŒrt man auch deren VorĂŒbergang und die FlĂŒchtigkeit des Augenblicks, der sich nicht festhalten lĂ€sst, bewusster - was dem Schweren und Leidvollen FlĂŒgel verleiht, die in die Ewigkeit tragen.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen einen intensiven Zugang zum PhĂ€nomen von Zeit und PrĂ€senz, dass sich die Wunder, FĂŒlle und Dichte in allem erschliessen können.

unsere Sichten sichten...

Und wieder sind wir auf dem Weg auf Ostern hin. Das Kirchenjahr schenkt uns eine grosszĂŒgige Vorbereitungszeit, die wir vielfĂ€ltig nutzen können, um uns wieder neu in unserer Mitte zu verwurzeln, bewusst im Leben anzukommen und gerade so, Erlösung zu erfahren - nicht nur an Ostern, sondern auch darĂŒber hinaus.

 

Wie wÀre es, wenn wir wieder einmal unsere Sichten sichten?

 

Einsicht schenkt uns Klarsicht und damit Durchsicht und so verÀndert sich zumeist die Aussicht!

 

Einsicht - Klarsicht - Durchsicht - Aussicht: quasi ein Viererschritt durch die Fastenzeit.

 

Einsicht: dazu braucht es Raum und Zeit von Stille und Ehrlichkeit. In all dem VordergrĂŒndigen die eigentlichen Motivationen und Antriebe erkennen ist Herausforderung und mitunter gar nicht so einfach! Ein gutes GesprĂ€ch kann ebenso weiter helfen, wie auch die Selbstreflexion. Dabei geht es zwar um schonungslose Ehrlichkeit, die das Kind beim Namen nennt - ohne zu werten, zu verurteilen oder mich abzulehnen. Es ist jene Selbsterkenntnis, die die TĂŒr in die Freiheit öffnet, wenn plötzlich klar ist, WAS hinter dem Berg versteckt lag


 

Klarsicht: Diese gewonnene Klarheit kann helfen, sich in den betreffenden Situationen neu zu justieren oder sich prinzipiell um lebensfreundlichere Gewohnheiten zu bemĂŒhen. Man jagt nach viel OberflĂ€chlichem, sei’s Anerkennung, Followers, Kick’s
 - und spĂŒrt die eigentliche Sehnsucht hinter allem viel zu wenig
 Der Mensch ist und bleibt ein Sehnsuchtswesen! Jede gestillte Sehnsucht
 gebiert neue
 Doch muss ich wohl lernen, mich zu bemĂŒhen, die Sehnsucht meines NĂ€chsten zu stillen, als der eigenen nachzujagen. Lernen auch, mich mit dieser Sehnsucht anzufreunden - dass sie mir FlĂŒgel verleiht.

 

Durchsicht: Wenn dann all das VordergrĂŒndige aus dem Weg gerĂ€umt ist, ist der Blick frei fĂŒr das Eigentliche. Was sich mir darbietet, kann ich wahrnehmen, wirklich geniessen und auskosten. Ich beginne zu leben, statt angetrieben und gelebt zu werden. Plötzlich wird die Sehnsucht zum Motor auf das Gute und Schöne hin. Sie öffnet mir Herz und Augen fĂŒr die Wunder rund um mich.

 

Aussicht: Damit verĂ€ndert sich die Aussicht. Es braucht nicht immer mehr zu sein, das Hamsterrad der Unstillbarkeit steht still. Das Leben fĂ€llt in die eigene und eigentliche Mitte. Wir spĂŒren unsere Werthaftigkeit und WĂŒrde. Dadurch ist man auch nicht mehr so leicht manipulierbar durch Werbung, Medien und Meinungen.

 

Ich wĂŒnsche einem Jeden Einsicht - Klarsicht - Durchsicht - und dann auch eine schöne Aussicht.

Kurzgedanken


fĂŒr dieses Mal nur ein kleiner Text zum Nachdenken und HineinspĂŒren:

 

Ich schĂŒttle die Taschen

meines Herzens und meiner Seele aus -

all die Steine

von Widerfahrnissen und Verletzungen

segne ich

und ĂŒbergebe sie dem Wind -

dass der Ballon des Lebens abhebe

 

Eine gesegnete, immer leichter werdende Zeit auf dem Weg hin zu Ostern!

Wirklichkeit

Wer regelmĂ€ssig auf dieser Site unterwegs ist und meine Inputs liest, hat schon bemerkt, dass ich ein Flair fĂŒr Worte und ihre ‚Zusatzdimensionen‘ habe. Da nehme ich Worte beim Wort oder ent-decke plötzlich ein verstecktes mittendrin


Mit Wirklichkeit ist es mir ebenso ergangen!

 

Gemeiniglich geht man davon aus, dass Wirklichkeit einfach RealitÀt sei. - Also: was ist, ist - Punkt; so - und nicht anders. - Wenn dann ein paar zusammen dieselbe Wirklichkeit erleben, wird es schon etwas komplizierter, denn: alle haben dasselbe (dieselbe Wirklichkeit) erlebt - erzÀhlen aber ganz anders davon! Was der eine toll findet, war dem andern mÀssig gut; was der eine bekrittelt, ist einem andern gar nicht aufgefallen
 Unterschied um Unterschied - und das in derselben Wirklichkeit


 

Da entdeckte ich im Wort das Wörtchen ‚Wirk‘ - und ich ergĂ€nzte es mit -waren und es entstand: Wirkwaren - Wirklichkeit als Wirkwaren!

 

Vielleicht ist nicht mehr allen der Begriff des Wirkens und der Wirkwaren gelÀufig, darum hier die Definition:

Gewirke oder Wirkwaren sind aus Fadensystemen durch Maschenbildung auf einer Wirkmaschine industriell hergestellte Stoffe. Sie gehören zu den Maschenwaren.

 

Ist es nicht genauso mit der Wirklichkeit? - Die Geschehnisse sind nichts weiter, als die bunten FĂ€den, was daraus an Wirkware (Wirklichkeit) wird, entscheiden wir durch unser Verweben und VerknĂŒpfen, auf Grund unserer Geschichte, unserer Disposition, unseres Charakters, unserer Bildung
 Da sind höchst unterschiedliche und vielfĂ€ltige Facetten am Werk, die aus einem Geschehnis (bunten Faden) eine Wirklichkeit (Maschenware) machen!

 

BerĂŒcksichtigen wir diese Tatsache, merken wir: nichts ist in Stein gemeisselt. - Das kann helfen, gelassener mit den UmstĂ€nden umzugehen - gelassener auch mit unterschiedlichen Sichtweisen auf die Ereignisse oder gelassener mit Menschen und ihre manchmal so merkwĂŒrdigen Verhaltensweisen
.

Vielleicht experimentieren wir einmal mit unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen und merken, wie sich bis anhin unumstössliche Tatsachen wandeln.

Denn selbst die produzierte Maschenware kann letztendlich verschiedentlich weiter verarbeitet werden.

 

Es geht dabei keineswegs um Fatalismus, der findet, dass alles relativ sei und letztendlich egal. Vielmehr geht es darum, in eine innere Freiheit hinein zu wachsen, die dem Rundherum (der scheinbaren RealitĂ€t) nicht mehr so leichtglĂ€ubig ausgeliefert ist, sondern den Ankerplatz in einem Andern zu finden - denn unwandelbar ist letztendlich nur Gott - auch wenn wir ihn nicht fassen können - und unser Denken ĂŒber ihn ebenfalls der Wirkware gleicht.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen eine innere Freiheit und Offenheit, die immer wieder neu die TĂŒre in eine andere, ĂŒberraschende Dimension aufstösst, die sich in allem auch noch verbirgt.

gefĂŒllt... - ... erfĂŒllt

Ein Leben ohne Agenda und Terminplaner scheint heute undenkbar. Wir sind vielfÀltig engagiert und gefragt, haben alles Mögliche und noch mehr unter einen Hut zu bringen. Wer da nicht Zeitmanagement betreibt, kommt bald unter die RÀder, vergisst das eine oder andere - verpasst so manches - ob wichtig oder unwichtig.

 

Doch ein Eintrag fehlt zumeist:  Zeit fĂŒr mich

 

Was ist ‚Zeit fĂŒr mich‘?

EintrĂ€ge fĂŒr Konzerte, Fitnesstudio, VortrĂ€ge
 etc. sind ja auch ‚Zeit fĂŒr mich‘ werden Sie nun vielleicht einwenden. - Nur sind das auch wieder weitere Termin die Zeit fĂŒllen - ge-fĂŒllte Zeit statt er-fĂŒllte Zeit.

 

Die QualitĂ€t erfĂŒllter Zeit ist eine ganz andere als jene von gefĂŒllter Zeit. Wir packen die Minuten, Stunden und Tage voll mit Unternehmungen und Pflichten vielfĂ€ltiger Art. - Und wo bleibt die Zeit fĂŒr Musse? FĂŒnfzehn Minuten einfach nur Zeit spĂŒren. Wie sie da ist, verrinnt. Einfach da sein, nichts tun, vielleicht genĂŒsslich einen Tee oder Kaffee trinken - nichts sonst.

 

ErfĂŒllte Zeit stĂ€rkt einen, gleicht einen aus, bringt mich ins Lot, macht leicht, verleiht FlĂŒgel. GefĂŒllte Zeit beschwert oft genug - denn bei all dem Wichtigen vergessen wir das noch wichtigere: die Nachbereitung. Was immer erlebt, gehört, gesehen, geredet, gelernt und gemacht wird, will wirklich ankommen. Will sich entweder bewusst und positiv integrieren oder wieder abgegeben und losgelassen werden:

Wir planen unsere Zeit fĂŒrs FĂŒllen
 und vergessen dabei die Zeit fĂŒrs Leeren und Regenerieren. Dreimal tĂ€glich Innehalten - und sei’s nur fĂŒr fĂŒnf Minuten fĂŒhrt die Zeit von der FĂŒllung zur FĂŒlle:

 

Morgens 5 Minuten um den Tag zu begrĂŒssen, ihn bewusst zu beginnen - auch unter den Schutz und die Begleitung Gottes stellen

Mittags 5 Minuten Zeit zu reflektieren, was war und Ausschau halten, was mich vielleicht erwartet, loslassen und neu ausrichten

Abends 5 Minuten um den Tag Revue passieren zu lassen, zu danken fĂŒr das Schöne, noch einmal die Freuden auskosten und das Schwere abgeben.

 

Wir setzen Zeit ein - und gewinnen Zeit, denn wir leeren nicht gedankenlos die Batterien - Schlaf allein fĂŒllt sie sowieso nicht


 

Und wenn wir auf den Geschmack von solchen erfĂŒllenden Zeitinseln kommen, dann können wir noch so kleine ‚Miniurlaube‘ in den Alltag zwischen schieben: beim Warten bis der Computer hochgefahren ist, bevor wir einen Telefonanruf abnehmen, wenn wir auf den Lift oder an der Bushaltestelle warten
 Statt ungeduldig von einem Fuss auf den andern zu trippeln, nervös auf dem Handy herum zu tippen, einfach mal vor sich her pfeifen, die Stöpsel aus den Ohren nehmen und neugierig die GerĂ€usche und das Leben rundherum wahrnehmen. - Man wird unglaubliche Entdeckungen machen, wenn man im wirklichen Leben ankommt!

 

Ich wĂŒnsche Ihnen ein GespĂŒr fĂŒr erfĂŒllte Zeit - dass sie Zeit nicht nur fĂŒllen sondern auch fĂŒhlen - und Ihnen so vielleicht eine neue Dimension von Leben  und FĂŒlle aufgehen darf.

Mensch auf Hoffnung hin

Ja, auch mein Leben kennt Tief- und RĂŒckschlĂ€ge, manche Turbulenzen und Kollisionen. Und auch ich explodiere gelegentlich
 Nicht immer lĂ€uft alles rund oder so, wie ich es mir wĂŒnsche. Doch grundsĂ€tzlich bin ich ein Mensch auf Hoffnung hin.

 

Ich versuche, alles was geschieht, in einen grösseren Zusammenhang zu stellen, nach dem QuÀntchen Plus in allem zu suchen - Eigentlich gibt es aus allem etwas zu lernen, daran zu wachsen und zu reifen, in die eigene Vielfalt in Einfachheit hinein zu finden.

 

Vielfalt in Einfachheit: in der eigenen Mitte und FĂŒlle ruhen, ohne sie und sich absolut setzen zu mĂŒssen, in Respekt vor der FĂŒlle eines jeden Mitmenschen.

 

Allerdings ist bei Gegenwind und Misslichkeit die erste, automatische Reaktion zu meist Auf- und Ablehnung. Man verwendet seine KrĂ€fte, um dagegen zu kĂ€mpfen, das Übel aus der Welt zu schaffen. So verpufft man (kopflos) Energie, die fĂŒr eine konstruktive Lösung nötig wĂ€re. Konstruktive Lösungen sind zumeist kreative Lösungen und oft genug einfache Lösungen! - Ich erinnere mich an die Geschichte des Lastwagens, der in einem Tunnel stecken blieb, weil er um wenige Millimeter die Höhe ĂŒberschritt. Die Polizei, die Feuerwehr, der Pannendienst waren vor Ort und brachten das Vehikel nicht aus seiner misslichen Lage. Bis ein kleiner Junge dazu kam und unbekĂŒmmert fragte: ‚Warum lasst ihr denn nicht Luft aus den Reifen‘. - Ob es wahr ist, weiss ich nicht - doch mir gefĂ€llt die Begebenheit. Wir denken oft zu kompliziert und viel zu weit weg - die Lösungen liegen in der NĂ€he.

 

Auch in scheinbar unabĂ€nderlichen Situationen liegt ein Gewinn, wenn ich verstehe, sie fĂŒr mein eigenes Wachsen und Reifen zu nutzen: sie tippt mich sowieso dort an, wo noch Entfaltungs- und Reifepotential verborgen liegt. - Eigentlich mĂŒsste ich dankbar sein: UnpĂ€sslichkeiten und Schwierigkeiten quasi als Scheinwerfer, die in die Falten meiner Persönlichkeit leuchten, damit ich dort etwas glĂ€tten und abstauben kann. - Und dazu braucht es Ruhe und Stille. Explosionen wirbeln den Staub nur auf - doch wird er sich wieder legen
 und alles bleibt beim Alten


 

Aber auch ich brauch manchmal zwei AnlÀufe, da sich das automatische Programm nicht einfach deinstallieren und neu starten lÀsst. Diese Programm sind hartnÀckig. - Doch eben: grundsÀtzlich bin ich ein Mensch auf Hoffnung hin.

 

Das bedeutet auch: nach der GrĂŒnkraft in allem zu suchen und daran zu glauben, dass sie da ist und geweckt werden will. Mit Hoffnung begossen, mag manches PflĂ€nzchen keimen und aufblĂŒhen. Zudem wĂ€chst, worauf ich fokussiere: ich potenziere mit meiner Aufmerksamkeit entweder das Positive oder das Negative. Letzteres brauche ich nicht zu leugnen und noch weniger zu verdrĂ€ngen. - Aber sobald ich mich darin verbeisse, lĂ€sst es mich auch nicht mehr los. Wenn ich es demgegenĂŒber einfach mal wertungsfrei anschaue und nach seiner Botschaft frage, kann sich ein ganz anderer Kern darin zeigen und offenbaren.

 

Mein Wunsch fĂŒr Sie: dass auch Sie in sich die Kraft der Hoffnung spĂŒren und kultivieren können, damit sich alles in Segen verwandeln kann.

GlĂŒck

Kaum steht ein Jahreswechsel an (sei‘s zu Neujahr, sei’s zum Geburts- oder Hochzeitstag), hagelt es GlĂŒckwĂŒnsche von allen Seiten: Viel GlĂŒck!

 

Landet man mal in einer PechstrĂ€hne, muntert einen ‚Jeder ist seines eignen GlĂŒckes Schmied‘ wohl kaum wirklich auf!

 

Was ist denn GlĂŒck nĂ€her hin? ‚GlĂŒck‘ gehört wohl zu jenen am individuellsten gefĂŒllten Begriffen, die es gibt! Jede und jeder versteht etwas anderes darunter, fĂŒr jeden ist GlĂŒck eine eigene Grösse.

 

Womit fĂŒhlen Sie sich glĂŒcklich? Was macht Sie glĂŒcklich? Welches GlĂŒck peilen Sie im Moment an?

 

Manch scheinbares GlĂŒck entpuppt sich letztendlich als UnglĂŒck, was Geschichten von LottomillionĂ€ren untermauert - doch ebenso hĂ€ufig gibt es das Gegenteil: UnglĂŒcksfĂ€lle werden zu TĂŒröffnern fĂŒr neue Wege und mutige Entscheidungen, gar fĂŒr intensiveres Leben.

 

Dass GlĂŒck auch ein unstillbares Wesen hat, erlebt man ebenfalls zuhauf: da hat man erreicht, was einen glĂŒcklich macht - oder machen sollte - und kaum hĂ€lt man es in HĂ€nden, ist es bereits schal, liegt es vergessen in irgendeiner Ecke - oder es ist bereits out - der nĂ€chste GlĂŒcksgegenstand wirbt mit Aufdringlichkeit


 

Ist GlĂŒck an Materie gebunden, die sich erwerben lĂ€sst? Wo liegt das Wesen von GlĂŒck? - GlĂŒck hat tatsĂ€chlich viele Facetten: doch wesentlich gekoppelt ist es mit SensibilitĂ€t und Genuss: das heisst, das GlĂŒck will gesehen und wahrgenommen werden - es liegt so oft in kleinen Dingen. Es will BeACHTUNG finden: Achtung = WertschĂ€tzung. Ein dankbares Herz, dass das GlĂŒck willkommen heisst und so auch geniesst; geniesst und sich daran freut. Gerade ein Kinderlachen, dass das Herz hĂŒpfen macht, ein schöner Sonnenauf- oder -untergang, der einen in Staunen versetzt
 erhalten einen Mehrwert, einen GlĂŒckswert, wenn wir dafĂŒr offen sind.

 

Und da gibt es auch noch die Möglichkeit, sein GlĂŒck im Andern zu suchen und zu finden: dass ich selber einem andern Menschen freundlich entgegenlache, eine TĂŒre offen halte, eine Hilfe anbiete. Dem Andern Wohlwollen schenken, macht einen selbst und (vielleicht auch
) den Andern glĂŒcklich. So geteiltes GlĂŒck ist doppeltes GlĂŒck.

 

Von daher denkend, kann man sein GlĂŒck durchaus selber schmieden:

ZunĂ€chst muss Eisen zum GlĂŒhen gebracht werden, dann wird es zĂŒnftig gehĂ€mmert, bevor es abgekĂŒhlt wird. FĂŒr das GlĂŒck könnte dies bedeuten: dass in uns Sehnsucht brennt, dass wir uns von ihr fĂŒhren und in Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen, sondern dran bleiben - und dass es stille Momente geben kann und soll, wo das GlĂŒck einfach genossen wird.

 

GlĂŒck scheint somit wesentlich ZuFRIEDENheit zu sein - im Frieden mit sich, dem Leben, den UmstĂ€nden, immer auf der Suche nach dem nĂ€hrenden Körnchen Schönheit in allem. GlĂŒck ist ein Herzensgeheimnis!

 

So wĂŒnsche ich Ihnen ein ‚spĂŒriges‘ Herz, dass das Schöne und Wertvolle ent-deckt und sich daran erfreut und diese Freude immer wieder auch mit Andern teilt - und dies besonders als tröstende Kraft in schweren Momenten und Zeiten.

unbedacht

Tun wir etwas vorschnell und ohne gross zu ĂŒberlegen, nennen wir dies ‚unbedacht‘. Mir wĂ€re stets lieber gewesen, unbe-denkt  zu sagen, wĂ€re es doch so klanglich eindeutiger mit denken verknĂŒpft gewesen. Stets musste ich ein wenig in mich hinein schmunzeln, wenn wieder mal so ein unbe-dacht daher kam - denn genauso stets stand mir ein Haus oder Sitzplatz ohne Dach vor Augen - eben: unbeDACHt.

 

Doch plötzlich war mir klar, wie richtig eigentlich dieses Bild ist: handeln wir ohne gross zu ĂŒberlegen, wo denken angesagt wĂ€re, sind wir tatsĂ€chlich wie ein Haus ohne Dach! undicht - es regnet herein - die unliebsamen Folgen vorschnellen, impulsiven Handelns können mitunter genauso verheerend sein, wie die Folgen eines Wolkenbruches auf ein unbedachtes Haus! Da geht’s dann drunter und drĂŒber, grosses Reinemachen, AufrĂ€umen und Reparieren ist angesagt.

 

Mit Be-DACH-t handeln wĂŒrde demnach bedeuten, zunĂ€chst nach undichten Stellen zu suchen, den Platz, das Haus decken, dass es hernach nicht zu WasserschĂ€den kommt. Übertragen wĂŒrde das heissen, sich Zeit zu nehmen, um in Ruhe abzuwĂ€gen und entsprechend zu handeln. - Selbst wenn es (scheinbar?) eilt, bleibt doch ein klitzekleiner Augenblick des InsichspĂŒrens, um sich klar zu werden, wohin es geht, was angesagt ist.

 

Und warum sich nicht Zeit ausbedingen? - Heute, wo alles ultraschnell geht und doch noch stets zu langsam ist
, machen wir uns oft unnötigen Druck. - Highspeed auch in Entscheidungen zahlt man oft teuer. Schenken wir uns hingegen einige Minuten (und vielleicht sogar Tage!), um Entscheidungen reifen zu lassen, ist Schadensbegrenzung im Nachhinein kaum nötig oder zumindest im Rahmen des zu BewĂ€ltigenden, denn alles bleibt trotz jeder Vorsicht nicht zu berechnen.

 

Das Leben in seiner Vielfalt ist nicht ein Highway, wo man mĂ€chtig aufs Gas drĂŒckt, um möglichst schnell ans Ziel zu kommen - zumal man so auch wenig von der Landschaft mitbekommt. Langsamkeit bringt es zwar mit sich, dass man bei der QuantitĂ€t Abstriche machen muss - dafĂŒr gewinnt man an der QualitĂ€t.

 

So wĂŒnsche ich uns gerade auch fĂŒr das neue Jahr mehr Zeit, mehr Bedacht und Ruhe - und somit auch weniger ‚WasserschĂ€den‘!

Ein anstössiges 2018!

Empfinden wir etwas als ‚anstössig‘, ist das begrifflich eher negativ besetzt, ebenso wenn jemand ‚Anstoss erregt‘. Nehmen wir das Wort jedoch genauer unter die Lupe, hat es durchaus positives Potential, denn:

 

um etwas in Gang zu setzen, muss es mitunter ‚angestossen‘ werden, da es nur dann Fahrt aufnimmt oder in eine neue Richtung gelenkt wird.

 

Solche (positiv) anstössigen Impulse gĂ€be es ĂŒber Tags wohl unzĂ€hlige - vorausgesetzt, wir gehen mit offenem Herzen und wachem Sinn durchs Leben - in Kontakt mit dem, was rundum so lĂ€uft und geht, in eigentlichem Kontakt auch in den Begegnungen, die uns tagtĂ€glich geschenkt sind.

 

Manchmal kleben wir viel zu sehr am vordergrĂŒndig Negativen oder gar Schlechten fest - und merken nicht, dass sich auch hinter dieser Maske durchaus ein LĂ€cheln verbergen kann, denn:

 

mit einer Prise Humor und Gelassenheit gĂ€be es in machen an-stössigen Begebenheiten durchaus auch ‚Situationskomik‘ zu entdecken, die im Gegensatz zum vorschnellen Ärger lösend und befreiend wirkt. So gesehen könnte ein ‚anstössiges‘ Jahr auch ein gelasseneres und gesĂŒnderes werden!

 

Das will nun nicht bedeuten, dass alles und jedes, was Anstoss erregt, per se positiv gesehen und bewertet werden soll - es will nur einen negativ konnotierten Begriff auf eine neue Dimension hin aufbrechen - und zu bedenken geben, dass mit einem Funken sowohl eine Kerze angezĂŒndet, als auch ein Waldbrand entfacht werden kann! WofĂŒr ich das Feuer einsetze, ist meine Entscheidung und liegt in meiner Verantwortung...

 

In diesem Sinne wĂŒnsche ich Ihnen ein anstössiges 2018 - eines, das Ihnen immer wieder an-stossende Impulse schenkt, um sich von Schwerem ebenso zu lösen, wie sich auf Schönes und Freudvolles hin zu öffnen. Anstoss zu neuen, vielleicht auch ungewohnten, Schritten.

Göttlichkeitsbewusstsein

Selbstbewusstsein und Selbstwert sind Schlagworte unserer Zeit, die in allen Facetten und Schattierungen propagiert werden - als wĂŒrde das ‚Heil der Welt‘ in selbstbewussten Menschen liegen!

 

Dass man Selbstbewusstsein nicht nur als Ich-StĂ€rke betrachten kann, sondern in der Form ‚sich seiner selbst bewusst sein‘, leuchtet den Begriff etwas milder aus. Ich werde inne, wer ich bin, was mich ausmacht und wie ich in welcher Situation agiere. Das gibt Handlungsfreiheit, da man in der Form dieses Selbst-bewusstseins auch die Möglichkeit hat, sein Handeln und denken situativ zu justieren. Es ist also nicht per se ein Auftreten mit Vorschlaghammer, das sich durchsetzt.

 

Wie ist es aber mit dem Selbstwert? - Sich bewusst sein, dass man wert-voll ist, ist keineswegs selbstverstĂ€ndlich, manche/r fĂŒhlt sich minderwertig und unsicher
 Da gibt es dann allenthalben Tipps und Tricks, um seinen Selbstwert zu stĂ€rken. Doch ist das auch möglich?

 

Weihnachten sagt mir: Der Mensch ist unendlich wertvoll. Er ist so wertvoll, dass Gott selbst sich auf den Weg macht, um ihn heim zu lieben! Schauen wir in Jesus in das menschliche Antlitz Gottes, erkennen wir auch unsere ZĂŒge: wir sind göttlich. Wohl gemerkt: göttlich und keine Götter! - Das ist ein rigoroser Unterschied! Und vielleicht liegt heute so viel im Argen, weil manch einer seiner Göttlichkeit nicht mehr bewusst ist, und sich deshalb zum Gott hochstilisiert


 

Vielleicht mĂŒssten wir im Blick auf Weihnachten statt von Selbstbewusstsein von einem ‚Göttlichkeitsbewusstsein‘ sprechen, statt blossem ‚Selbstwert‘ ‚Göttlichkeitswert‘!

 

So frage ich: kann man den Selbstwert ĂŒberhaupt stĂ€rken? - Grösser, als dass er schon ist, kann er nicht mehr werden - aber wir können uns je neu auf den Göttlichen Kern besinnen und uns immer tiefer in diesem Bewusstsein einwurzeln, um aus der Kraft und dem Geheimnis der Gottebenbildlichkeit zu leben und zu wachsen. - Dies schliesst mit ein, dass wir den Göttlichen Funken im NĂ€chsten ebenso wahrzunehmen versuchen, wie in uns selbst. - Wahrlich, die Welt wĂŒrde sich aus dem Geheimnis von Weihnachten neu gestalten, wenn wir es tatsĂ€chlich inne wĂŒrden, was wir Gott wert sind. Und der Advent wĂ€re dann nicht ein Gerenne nach Geschenken, sondern ein Weg nach Innen, hinein in den tiefsten Grund von Wert und Sein - und daraus wĂŒrde sich auch das Schenken verĂ€ndern
.

 

Ich wĂŒnsche Ihnen: dass Ihnen das Geheimnis der Göttlichkeit des Menschen und der Menschlichkeit Gottes immer tiefer aufleuchtet. - In diesem Sinne einen besinnlichen Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest!