Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das GefÀss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen Àlteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

Wenn Sie sich für die Texte des Jahrganges 2019 interessieren, können Sie diese hier als pdf herunter laden:


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Es ist nie zu spät - es ist immer Jetzt.

Zufriedenheit

Das Wort ‚Glück‘ ist für mich ein ziemlich grosses Wort - einem Paar Schuhen gleich, die viel zu gross sind, um tüchtig damit ausschreiten zu können! - …und doch streben wohl die meisten zumindest nach einem Quäntchen Glück… - Doch, was ist ‚ein Quäntchen‘ - wollen wir nicht viel eher dir grosse, umfassende Portion, die uns allem Schmerz enthebt?!

 

Hat im Glücksstreben auch die Erfahrung von Leid und Schmerz ihren Platz?

 

Da ist mir das Wort ‚Zufriedenheit‘ irgendwie sympathischer - es hat so einen offenen Klang - ist wie ein Raum, in dem ich auch in Begrenztheit, Unwohlsein und Schmerz noch ein Stück Geborgenheit finden kann, eine sanfte Brise von Trost und Trotzdem.

 

Zufriedenheit.

Vielleicht ist es gerade das Wort ‚FRIEDEN‘, das da in der Mitte des Begriffes wohnt und klingt - im Frieden sein, oder eben (wieder) ZUm FRIEDEN finden - eine Versöhntheit mit den Ist-Zuständen des Lebens allgemein oder doch zumindest mit jenen der jetzt erlittenen Realität.

Versöhntheit, die zuerst und vor allem einfach mal ‚Ja‘ sagt zu dem, was sich da in meinem Leben manifestiert, ohne es zu bekämpfen, zu ändern oder gar zu vernichten oder austreiben zu wollen.

Alles hat doch auch eine Botschaft in sich - und die will gehört werden!

Wenn wir uns von allem abwenden, was uns quer kommt, uns nicht passt, es unterdrücken und wegschieben, können wir der Botschaft weder gewahr werden, noch sie erlauschen - bis sie uns irgendwann in einem Mass überfällt, wo wir nur noch kapitulieren können (Krankheit, Sinnverlust…).

Aus der Zufriedenheit herausfallen, ist immer auch Chance zu neuen Einsichten zu kommen. Ein-sichten - also ‚hinein‘ sehen wollen, mich stellen, zulassen, fragen - und immer auch voll Zuversicht Ostern entgegen hoffen. - Das kann dann durchaus auch mal ein Erdulden sein, das geschehen lässt, was geschehen will:

würde eine Raupe sich weigern, sich zu verpuppen, würde nie ein Schmetterling aus ihr werden!

 

Mit ‚Glück‘ setzen wir uns jedoch allzu oft unter Druck - zahlreiche Ratgeber geben zahlreiche Tipps, wie man selbst seines Glückes Schmied wird. - Auch wenn wir sicher dazu beitragen können, gibt es so manches, das wir nicht selber ins Glück hinein erlösen können!

Aber uns um eine Haltung der Zufriedenheit mühen (ja, mühen!), das können wir durchaus. Die Frage ist, ob es uns gelingt, ohne vorschnell negative Bewertung auf das Jetzt-seiende zuzugehen, um in dieser Begegnung hin zum Eigentlichen verwandelt zu werden - und in dieser Verwandlung auch uns selber immer wesentlich näher zu kommen.

Wie vieles haben wir doch über unser Ich, unsern Seinskern gelegt:

  • Erwartungen (vermeintliche und effektive - von andern und uns selber)
  • Leistung
  • Enttäuschung - gar Resignation
  • Sehnsüchte

- nicht dass alles von vorneherein schlecht wäre! - Nur ist es so, dass das Leben meist einen andern Verlauf nimmt, als ausgemalt und so gleichsam den Hobel ansetzt, um die Schalen über dem Wesenskern Schicht um Schicht abzutragen - bis wir uns wirklich begegnen - wenn auch nur für einen Augenblick Ewigkeit - bevor wir wieder zurück geworfen werden… in den Strudel und die Verstrickungen des Lebens hier und heute.

Bei all dem habe ich jedoch festgestellt, dass es mir durchaus möglich ist, in den Unbilden des Lebens zufrieden zu sein - jedoch unmöglich glücklich!

Das Wort ist Fleisch geworden

Diesen ziemlich handfesten Satz finden wir im sogenannten Prolog des Johannesevangeliums, dem letzten in der vierer Reihe der Evangelien.

 

Unzählige Male habe ich diesen Satz schon gehört - kommt er doch grad in der Weihnachtszeit sehr oft vor (vor allem in unserm Stundengebet) - doch noch nie hat er mich so intensiv gepackt, wie dieses Jahr, als ich ihn erneut hörte - und erst so richtig wahrnahm!

Er lässt sich nämlich nicht ausschliesslich auf die Menschwerdung Jesu und das Weihnachtsgeheimnis anwenden und beziehen. Sein eigentliches Gewicht erhält er erst, wenn man ihm eine umfassende Dimension gibt:

 

dann bedeutet es nämlich: Gottes Worte sind weder Luftschlösser, noch leere Hülsen - nein, sie sind eine reale, greifbare Wirklichkeit, sogar nahrhafte Wirklichkeit.

 

Dieser Existenzkraft des Wortes Gottes begegnen wir schon in der Schöpfungsgeschichte, wo es Tag für Tag immer wieder heisst:

Gott sprach - und es wurde

 

Gottes Wort ist Samenwort!

 

Und beim Propheten Jesaja heisst es (55, 11 f), dass Gottes Wort bewirkt, wozu es ausgesandt wurde und nicht leer zu ihm zurückkehrt.

 

Gottes Wort ein ‚Ziel gerichtetes‘ und ein wirkmächtiges Wort!

Es will sein Ziel auch in mir erreichen und in mir Wurzel schlagen - Es ist wie in der Natur:

ein guter Wurzelgrund gibt immer auch Halt. So kann das Wort nicht nur herausfordern, sondern ebenso trösten.

Ich muss es dabei nicht ‚zerpflücken‘, ein stetes Kauen, bis es tief ins Herz dringt und die Seele tränkt, genügt. - Ein ‚Verstehen‘ ergibt sich, das jenseits von Verstand ist - auch wenn dieser durchaus mitunter Steigbügelhalter sein kann, um überhaupt ‚auf das Pferd‘ zu kommen! - Doch wenn man ‚oben‘ ist, sich vom Wort tragen lassen.

 

Ein solches Wort ist für mich (zum Beispiel) der offene Himmel, jener Himmel, der bei der Taufe Jesu aufreisst - und seither für uns alle offen steht.

Der Zuspruch Gottes ‚das ist mein geliebter Sohn‘ gilt für jeden und jede von uns: wir sind Söhne und Töchter Gottes, seit Jesus selbst Fleisch geworden ist - menschliche Realität sich nicht einfach überstülpte, sondern ganz hinein ging, es in allen Dimensionen lebte - und durchlitt.

 

Wo immer ich mich ganz auf dieses Kindsein einlassen kann, falle ich in den offenen Himmel Gottes, wo ich von seiner Liebe aufgefangen und umfangen werde.

Das Schwere, das mir trotzdem immer wieder zugemutet wird, kann dabei Chance und Schule sein, um Wachstum zuzulassen, neue Sichten und Ein-sichten einzuüben, um (in Anlehnung an Alfred Delp SJ) bis zum ‚Brennpunkt‘ vorzudringen, ‚wo alles aus Gott hervor quillt‘.

 

Prozesse brauchen Zeit - ob es nun Worte sind, die mich durchwirken wollen, Einsichten, die zaghaft ihre Wurzeln ausstrecken oder anderes.

Diese Zeit müssen wir uns gönnen - nicht zu früh und unbedacht zur Tagesordnung übergehen - den Mut haben, um bis zum Brennpunkt vorzudringen, wo einem Flügel wachsen, die einen in eine neue Dimension heben können. - Begleitet vom Wort Gottes, das Geländer in unwegsamem Gebiet und Taschenlampe in der Nacht sein will. Und so auch den Mut haben, ein Licht anzuzünden, das man vielleicht nicht versteht, das man aber immer wieder in die Nacht hineinhält, bis einem ein inneres Leuchten aufgeht, ein Wissen, das so umfassend ist, dass es nicht mehr verstanden werden kann….

Wir dürfen Gott beim Wort nehmen - denn es ist Fleisch und so unser Wegbegleiter geworden!

Diese Erfahrung wünsche ich uns allen.

In der WaschkĂŒche

UnlĂ€ngst stand ich im Raum, wo wir unsere WĂ€sche vorsortieren und verteilte meine SchmutzwĂ€sche in die betreffenden Körbe. Eine Ă€ltere Mitschwester stiess dazu - wir sortierten im Duett. - Plötzlich lachte sie und sagte trocken ‚JĂŒngstes Gericht.‘ Meine Stirne krĂ€uselte sich
 ?! Doch dann wurde mir ihre Intention klar, ich fragte zurĂŒck: ‚Meinst Du, weil wir dann auch sortiert werden?‘ Sie lachte und erwiderte ‚Ja‘. Schweigend hielten wir also ‚JĂŒngstes Gericht‘ ĂŒber unsere WĂ€sche - als mich unversehens ein Geistesblitz traf:

‚Aber schau mal: gekocht wird nur die weisse WĂ€sche - die schwarze kommt in den Schongang!‘

 

Ja, könnte dieser Geistesblitz nicht auch ein Licht auf Gottes Barmherzigkeit werfen? Seinen Umgang mit den SĂŒndern? Seine Langmut, die den Menschen heimlieben und nicht vernichten will? Warum sonst wĂ€re Gott Mensch geworden?

 

Dieses Vertrauen in seine unermessliche Liebe ist kein Freipass fĂŒr GleichgĂŒltigkeit, sondern eine BrĂŒcke zur Neuwerdung:

Ich darf mit allem, was sich da in mir ansammelt an MĂŒll zu ihm kommen, seinen Segen, sein Licht und seine Hilfe erbitten.

Auch wenn wir nie sĂŒndenfrei sein können (und es auch nicht sein mĂŒssen), so können wir uns doch um immer mehr Klarheit, Wahrheit und Ganzheit in unserm Herzen, unsrer Seele und in unserm Leben und Miteinander mĂŒhen.

Es geht nicht um Spitzensport und Perfektion, wir brauchen nichts er-leisten und verdienen. Die Wachheit, mit der wir unser Leben mit GespĂŒr zu gestalten versuchen, wird dem Leben Tiefgang und Weite geben. Wir schlittern nicht mehr durch die Tage, wie auf Glatteis. Dieses GespĂŒr wird auch unsern Umgang mit dem und unseren Zugang zum Andern verĂ€ndern. - Und Ebenso zu uns: die Bereitschaft, sich immer wieder in die Barmherzigkeit Gottes zu stellen, sollte und wird uns barmherziger werden lassen - uns und den NĂ€chsten gegenĂŒber. Die Erfahrung, dass Barmherzigkeit letztendlich immer Geschenk ist, wird einen selbst grosszĂŒgiger machen, davon bin ich ĂŒberzeugt!

 

Die selige Mariam von Abellin soll einmal in einer Vision gesehen haben, dass besonders jene BĂ€ume schön und krĂ€ftig in den Himmel wachsen, die am meisten Mist hatten


- Auch dieses Bild ist kein Freipass, denn: die BĂ€ume wachsen in den Himmel. - Wer sich in und mit allem Mist nicht immer wieder zum Himmel hin ausstreckt, wird wohl eher vom Unrat vergiftet als gedĂŒngt
 - Die Richtung muss stimmen:

nicht selbstverliebt oder selbstmitleidig um sich und seine Armseligkeiten kreisen, auch nicht resigniert oder gleichgĂŒltig sich vergraben: sondern immer wieder neu das Herz zum Himmel strecken - und den Regen der Barmherzigkeit ĂŒber sich erfahren, der alles abwĂ€scht - und so den Mist in die Erde spĂŒlt, wo er verwandelt wird. -

Vielleicht erleben wir so wenig Wunder der Errettung, weil wir zu oft uns selbst genĂŒgen oder meinen, selbst fertig werden zu mĂŒssen mit den Lasten.

Vielleicht wĂ€re diese ‚Barmherzigkeitsdusche‘ hilfreicher, als die NeujahrsvorsĂ€tze, die bereits anderntags veraltet und vergessen sind
.

Ja, der Himmel steht offen - und wartet, dass wir in ihn hinein fallen - und alles gut werden und sein kann!

 

Ich wĂŒnsche Ihnen zum neuen Jahr dieses Erfahrung: In und mit allem geliebt - vom Himmel umarmt zu sein.

Hingabe

Eigentlich steckt es ja schon im Wort: Hin-GABE.

Gabe ist Geschenk - ohne Absicht oder gar Berechnung - eben Hin-Gabe - auf  jemanden hin - weg von mir selber
 Doch wie oft schleichen sich in den ‚Hingebungen‘ Absichten und Berechnungen ein? - Erleben wir es nicht auch an Weihnachten, wo unsere Gaben nicht immer ‚Hingaben‘ sind, sondern verknĂŒpft mit Erwartungen - und damit oft genug auch mit EnttĂ€uschungen


 

An Weihnachten feiern wir die Hingabe gottes. - Da könnte man einwenden, dass auch Gottes Hingabe, zwar ‚hin‘ (zum Menschen, zur Schöpfung) und Gabe (an den Menschen und die Schöpfung) war - aber auch dies nicht ganz absichtslos:

Gott kommt zur Welt, dass Himmel werde; Gott wird Mensch, um den Menschen in die Erlösung und UrsprĂŒnglichkeit heimzulieben.   

Diese Absicht Gottes ist zugleich Gabe Gottes:

Er selbst bietet sich uns als Kind, als Erlöser, als Weg und Wegbegleiter an - er holt uns ab, dort, wo wir stehen und gehen, er selbst geht dem Verlorenen nach, es zu suchen - die Bibel ist vollgespickt mit ErzÀhlungen der vergebenden, suchenden und heimliebenden NÀhe Gottes, dessen Forderungen nicht am Menschen vorbei gehen - er zieht uns nicht an den Haaren gewaltsam in sein Reich!

So leidet Jesus an der Uneinsichtigkeit der Menschen (Lk 19, 41.42) oder er gewinnt zwar den reichen JĂŒngling lieb, lĂ€sst diesen trotzdem gehen (Mk 10, 21.22), weil er seine Gabe nicht begreift


 

Es ist ‚zweiseitg‘, durchaus: HinGABE im Sinne Jesu macht frei und offen - hat aber auch ‚Schmerzpotential‘, denn nicht die Absichten, die sich einmischen, sind das schwierige, sondern eher das ‚Muss‘ und der ‚Zwang‘, der hinein gelegt wird:

weil - darum

Doch diese Rechnung geht nicht immer - eher selten! - auf.

Die eigentliche Hingabe hat durchaus Absichten - die sie aber gerade in der Hingabe wieder ĂŒbersteigt - Hingabe erlöst sich quasi durch die Hingabe selbst! - Und genau darum wird sie offen fĂŒr das je grössere:

dem Andern den Raum zum Leben zugestehen - bis er selbst ‚den Rank findet‘ - ins Leben undin die Liebe hinein findet.

 

Wir feiern Gottes Hingabe an uns. Eine Hingabe, die zugleich Gabe und Frage an uns ist.

Wie sieht unsere Antwort darauf aus?

 

Ich wĂŒnsche uns immer wieder stille Stunden und Zeiten der KlĂ€rung - damit auch unser Leben je neu zum Klingen kommen kann!

 

Gottes Segen begleite Sie auf Weihnachten hin - und darĂŒber hinaus auch ins und durchs kommende Jahr.

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