Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das Gefäss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen älteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

! ! !  Evangelium  ! ! !

Wir sind ihn uns gewohnt, diesen Ruf ‚Evangelium unseres Herrn Jesus Christus‘ - und wir stimmen ebenso gewohnt in die Antwort ‚Lob sei dir, Christus‘ ein - und bei grösserer Feierlichkeit jubeln wir danach das Halleluja - unbesehen davon, WAS der Text denn nun für Freude vermittelt hat - und ob überhaupt!

 

28. Sonntag im Jahreskreis A                                                                                                  (11.10.2020)
Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füsse und werft ihn hinaus in die äusserste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.                                                                                           (Mt 22, 11-14)
EVANGELIUM (!!!) unseres Herrn Jesus Christus. -  LOB sei Dir, Christus. - HALLELUJA!

 

WIRKLICH?!

 

Was ist denn nun die frohe Botschaft in diesem Text? (Vielleicht wurde dieser Abschnitt dank Kurzfassung ja auch ausgelassen…).
Man könnte es sich ganz einfach machen:

 

Es geht ums Hochzeitsmahl, um das Erscheinen der Geladenen und die entsprechende Kleidung.
Also ist doch alles klar:
a) wir sind der Einladung gefolgt 
b) wir feiern die ‚hochzeitliche‘ Mahlgemeinschaft in der Eucharistie
c) wir sind dem Anlass gemäss ordentlich und sauber angezogen

 

Also frohes Fazit:
Wir klopfen uns auf die Schulter - gemeint sind die Andern, die eben nicht da sind, wir können uns gemütlich (selbstgerecht?) zurücklehnen.
Frohe Botschaft!

 

ABER: Ist es tatsächlich so bequem gemeint?
Ziehen wir dem Tiger nicht gleich die Zähne, bevor er zubeissen könnte?

 

Gerade dieses Sperrige macht mir persönlich nämlich klar:
frohe Botschaft ist eben nicht billige Botschaft - gleichsam pürierte Schonkost! Es ge-nügt daher auch nicht, nur über die Oberfläche hin ‚Staub‘ zu wischen!
Wer das eigentlich Frohe in der Botschaft finden will, muss eindeutig tiefer graben:

 

Gerade bei diesem Evangelium könnte ich mich fragen:
• Bin ich noch auf der Spur?
• Höre ich den Ruf, scheinbar Wichtiges zu lassen für das eigentlich Wichtige?
• Kümmere ich mich um die Schönheit meiner Seele?
• ich brauche nicht angepasst zu sein, aber passt ‚es‘ trotzdem?

 

Wenn ich mich diesen Fragen stelle, dann kann doppelte Freude spriessen:
• spüre ich, dass ich die Spur verloren habe, dann kann und darf ich wieder in die ‚Fahrrinne Jesu‘ zurückkehren
• wenn ich noch immer gut drin unterwegs bin, kann und darf ich dafür bescheiden dankbar sein und Gott auch dafür loben

 

Manches ‚Evangelium‘ ist eher ein Elektroschock, denn eine frohe Botschaft - zumindest auf das erste Hören hin. - Aber genau dann, wenn ich mich neugierig-fragend darauf einlasse, finde ich womöglich den Schatz im Acker, die echte Perle unter allem Ramsch.

 

Denn wieviel Chancen habe ich wohl schon verpasst, weil ich mich mit dem Vordergründig-gängigen und Wichtigen abgab, anderes im Kopf, keine Zeit oder was auch immer für Ausreden hatte…. -?-
Oder wenn ich sie tatsächlich packte, diese ‚Chance des Lebens‘: wie schnell war ich abgekühlt, eingelullt, bequem oder was auch immer… -?-

 

Das Frohe der Botschaft liegt für mich auch gerade darin:
Gott will uns in seinem Wort auf- und wachrütteln, weil wir ihm nicht egal sind.
• wir dürfen und sollen in Freiheit entscheiden - ABER auch bereit sein, allfällige Konse-quenzen zu tragen.

 

…so gebohrt, bekommt das ‚widerspenstige‘ Evangelium zwar keine Zahmheit, dafür Tiefe, die mich aufruft, Stellung zu beziehen. Das Wort Gottes gilt MIR PERSÖNLICH - und nicht einfach ‚den Andern‘, den ‚Abwesenden‘.

 

Gott will seinen Weg mit MIR gehen - DAS ist die eigentlich FROHE und froh machende Botschaft. 
Ich wünsche uns allen dafür ein offenes Ohr UND ein offenes Herz.

Normalität…  -?!-

Immer wieder kann man hören, wie sich Menschen ‚Normalität‘ zurückwünschen - und meinen damit die Zeit vor C…
Normalität - als wäre dies etwas Festgefügtes. 

Doch: WAS ist denn Normalität überhaupt?!

 

Ich kann mich gut erinnern, wie noch vor 6 1/2 Monaten + der Dichtestress beklagt wurde - einfach zu viel Leute, zu wenig Platz.

Nun ist BAG verordnete ‚Ausdünnung‘ die Regel, ebenso Distanz - und man wünscht sich Normalität zurück… Ja, welche denn?

 

In der ersten Lektion in Psychologie war die erste Frage und Erörterung:
Was ist Normalität?
So einfach-lapidar wie die Frage, war auch die Antwort:
„Normalität ist, was der Norm entspricht“.

 

Komplizierter wurde es  mit der daraus resultierenden Fortführung der Fragestellung:
Und WAS ist die Norm?

 

Das liess sich keineswegs schlüssig beantworten oder gar auf einen Punkt bringen. Wir merkten bald, wie viele Normen (und daraus abgeleitet ‚Normalitäten‘) es weltweit (sogar bei uns!) gab.
Normen weichen ab je nach Land, Kultur, Ethnie, Lebensauffassung, Religion, Politik, undundundund…

Ebenso wandelt sich Norm und Normalität mit der Geschichte und den Epochen.

 

Norm und Normalität scheint sehr flexibel zu sein, beinahe schon ‚beliebig‘!
Gerade wir in unserer Zeit erleben, wie Normgefüge ins Wanken kommen, in den Diskussionen um Lebensbeginn und -ende, oder auch Partnerschaft und Kinderwunsch.
Normen werden nicht einfach mehr stillschweigend und diskussionslos übernommen. 
In früheren Zeiten haben Normierungen allzu oft zu Ausgrenzung, Diskriminierung bis hin zu Verfolgung geführt. Dies lässt sich der heutige Mensch (zum Glück) nicht mehr gefallen. Wo die Norm zum Schutz des Menschen in ein Gesetz gegossen wird, ist nicht Diktat sondern Konsens gefordert. Das aber ist anspruchsvolle Politik! - Vor allem dann, wenn Flexibilität nicht Beliebigkeit sein will.

 

Die Welt ist bunt geworden (war es wohl schon früher, wenngleich vieles aus der Buntheit hinaus gedrängt wurde) - und darf es auch sein (nicht nur optisch im Herbst). - Trotzdem braucht es einen Orientierungsrahmen, innerhalb dessen man sich in einer ‚gewissen Normalität‘ bewegen kann, einer Normalität jenseits von Schwarz/weiss-denken. Darin darf auch ‚Ab-normales‘ Platz haben, als Farbtupfer und Eigenheit. 

 

Unsere gewohnte Normalität hat sich plötzlich und unversehens geändert - nicht von uns initiiert. Vielleicht ist es gerade das, was verunsichert: wir wünschten uns zwar eine neue Normalität, glaubten uns in Sachzwängen gefangen, unfähig die Bremse zu ziehen und neu zu definieren - und da kommt ein Miniwesen, das kaum sichtbar zu machen ist - und diktiert eine neue Normalität. 

 

Ob wir dem ganzen auch positive Seiten abgewinnen können, liegt auch unserem kreativen Umgang! Und sicher auch daran, wie ernst es uns vor 6 1/2 Monaten + mit dem Wunsch nach Weite, Entschleunigung, weniger, etc. war.
Mag sein, dass die Natur uns zu etwas gedrängt hat, wozu uns der Mut fehlte… Nun müssen wir Konsequenzen ziehen, die uns zwar unliebsam scheinen - aber durchaus Potential haben!

 

Ich wünsche uns jedenfalls die nötige Kreativität, um die neue Normalität zu gestalten - in bunten Farben - die auch auf Distanz leuchten!

Gottes Lohnpolitik

Dass Gott ‚der ganz andere‘ ist, scheint unbestritten, schon fast zur Floskel verflacht, daran reiben und stossen tun wir uns aber immer dann, wenn es auch tatsächlich zutrifft.
So geschehen bei den angeheuerten Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1-16), das wir un-längst im Sonntagsgottesdienst hörten.

 

Da heuert ein Weinbergbesitzer gleich in der Früh Arbeiter an, vereinbart den Lohn und schickt sie zur Arbeit. Das gleiche wiederholt sich alle ‚drei Stunden‘, bis hin eine Stunde vor Arbeitsschluss.
Dann folgt die eigentliche Pointe der Geschichte:
die ‚Lohnabrechnung‘.
Typisch in der Zuspitzung beginnt der Arbeitgeber mit den letzten - und gibt ihnen einen Denar - an sich der damals übliche Lohn einer Tagesarbeit. - Da beginnen in der Schlange ‚vor der Kasse‘ wohl die einen schon ein wenig zu rechnen, was es denn nun mehr für sie gäbe… Es bleibt dabei: 1 Denar für jeden, egal zu welcher Stunde man mit der Arbeit begonnen hat! Selbst für jene von der Früh.

 

Gott ist der ganz andere! - Hier denken wir wohl lieber: ungerecht.

 

Doch lesen wir die Geschichte noch einmal, dann zeigt sich:
• mit den ersten hat der Weinbergbesitzer einen klaren Lohn vereinbart: 1 Denar
• mit den andern der jeweils dritten Stunde ‚was immer gerecht ist, werde ich euch  geben‘
• bei den letzten heisst es nur ‚Geht auch ihr in den Weinberg!‘

 

Nur die ersten wissen, was ihre Arbeit einbringen wird - alle andern nicht - und sie gehen trotzdem und arbeiten die festgesetzte Tageszeit.

 

Natürlich hinkt jedes Gleichnis und in jedem finden wir durchaus auch Zuspitzung und Übersteigerung, um uns wach zu rütteln ‚aus dem Schlaf der Sicherheit‘.

 
Der eigentliche Schlüssel, der das Verständnistor öffnet, steht zu Beginn - und wird wohl oft und geflissentlich überhört - zu empörend die Geschichte in ihrem Ausgang!:
‚Denn gleich ist das Königtum der Himmel‘.

 

Also:
Himmelsmassstab und Erdenmassstab messen nicht mit denselben Ellen. - 
….aber ein ‚bisschen gerecht/er‘ könnte Gott doch sein….

 

Des weitern ist es ein Schlaglicht auf einen einzigen Tag - das heisst nicht unbedingt, dass die 1-Stundenarbeiter daraus den Schluss ziehen, anderntags ebenfalls erst zur letzten Stunde oder Schicht anzutreten. Zudem wussten sie ja gar nicht, zu welchem Tarif sie angeheuert wurden.

 

Was mir ebenfalls auffällt:
Die Arbeiter der letzten Stunde maulen, es passt ihnen nicht in den Kram, dass sie ‚ungerecht behandelt werden‘. - Und wie reagiert der Weinbergbesitzer?
Einen spricht er an - und wählt die Anrede: Freund.
Den ganzen Tag in Gottes Weinberg arbeiten, würde demnach bedeuten:
Beziehung zum Weinbergbesitzer aufzubauen. Nicht ‚Lohnarbeit‘, sondern ‚Freundschaftsdienst‘ zu tun - selbst wenn Gott in seiner Grosszügigkeit ‚entlohnt‘. - Aber eben: mit seinem Massstab!

 

Gott gibt jedem das volle Mass: 1 Denar.
Das heisst für mich: Gott gibt immer das Ganze, Runde - nie einfach nur ein bisschen Erlösung, ein bisschen Himmel, ein bisschen…

 

Mein Fazit, das ich aus der Perikope ziehe, heisst für mich demnach:
MEHR ALS ALLES KANN GOTT NICHT GEBEN -
- WENIGER ABER AUCH NICHT!

Schwarzer Schnürsenkel

Ein schwarzer Schnürsenkel hat neuerdings seinen Weg in meine Rocktasche gefunden! Was es damit auf sich hat? Es ist nicht etwa ‚für den Fall eines Falles‘ gedacht…, nein, der Hintergrund ist ein ganz anderer:

 

In letzter Zeit merkte ich, wie sich Negatives in mir wie Nebelschwaden ausgebreitet hatte, in den Falten der Seele hockte und sich nur schwer verzog… Trotz des vielen Schönen und Frohen war da immer ein herber Beigeschmack, der einen mitunter manches vergällte. Die Ursache war schnell gefunden:
negative Selbstgespräche und Gedanken.

 

Es sich einfach verbieten, ist leichter beschlossen als getan - wir alle wissen, wie schnell diese Ungeister vom Stapel laufen! - und das zumeist unbemerkt.
Zunächst muss man sich also einmal dessen gewahr werden, was ‚man‘, gar ‚es‘ so in einem denkt!

 

Da kam mir die Idee:

 

Ich steckte mir einen schwarzen Schnürsenkel in die Tasche, immer wenn ich mich bei einem negativen Gedanken oder Selbstgespräch ertappe, mache ich einen Knoten in die Schnur. Damit mache ich mir diesen Gedankenstrom zum einen bewusst und gleichzeitig unterbreche ich ihn. 

 

Abends nehme ich mir einige ruhige Minuten fürs Gebet und die Schnur mit ihren Knoten zur Hand. Im Gespräch mit Gott löse ich Knoten um Knoten - und vertraue sie gleichzeitig Ihm, dem Löser und Erlöser, an. Dabei ist es nicht wichtig, dass ich mich an den Inhalt erinnere. Denn letztendlich geht es ja nicht um das Ausschalten schlechter, negativer Gedanken, sondern um das Einüben einer neuen, positiven Haltung - und da dies ‚Seelen- und Herzensarbeit‘ ist, wer könnte ein besserer Helfer sein als Gott?

Denn der HERR erforscht alle Herzen und versteht alles Dichten und Trachten der Gedanken. (1 Chr. 28, 9b).

 

…das Ganze hat natürlich den Reiz (Ehrgeiz!), dass ich abends möglichst wenig Knoten in der Schnur haben möchte :-), das generiert ‚automatisch‘ Aufmerksamkeit. Ich gehe behutsamer mit meinem Denken um, und schiebe konsequenter den Riegel.

 

Wer eher den Blick für das Schöne aus den Augen verliert, der kann natürlich auch einen weissen Schnürsenkel in die Tasche stecken und für alles Schöne  einen Knoten machen, um abends damit mit Gott ins Gespräch zu kommen.

 

Vielleicht auch eine Idee für Sie?

nichts zu machen...............

‚da ist nichts zu machen‘ 
sage ich 
und mache nichts,
macht ja nichts…

 

‚da ist nichts zu machen‘
sagen ebenso die andern
und machen nichts,
macht ja nichts…

 

‚da ist nichts zu machen?‘
fragt einer
und macht trotzdem was…

 

das macht ja was,
merke ich
und mache mit…

 

das macht ja was,
merken die andern
und machen mit…

 

‚da ist nichts zu machen‘
wirklich?

...du bist ja mitten drin!

In einer Geschichte wird erzählt, dass ein kleiner Meeresfisch seine Siebensachen packte und zu einem Bündel schnürte, mit dem er dann fröhlich losschwamm. Verwundert sprach ihn einer der alten Fische an: ‚Na, Kleiner, wohin geht es denn?‘ Worauf er die Antwort erhielt: ‚Ich gehe das Meer suchen!‘ Prompt konterte der alte Fisch: ‚Du Dummkopf, du bist ja mitten drin!‘.

 

…du bist ja mitten drin!


Ist das tatsächlich der Weisheit letzter Schluss?! - Man könnte es meinen. Der kleine Fisch, unerfahren wie er ist, merkt gar nicht, dass er im Meer schwimmt, vom Meer umgeben, ja, dass das Meer sein Lebenselixier ist. 

 

Doch:
Weiss es der alte Fisch wirklich?!


Zu wissen, heisst noch lange nicht, zu erfahren und zu erspüren.
Wissen kann einfach im Kopf stecken bleiben - und dann mag einen das Meer zwar umgeben - wird aber keineswegs wirklich DAS Lebenselixier sein!
Manches im Leben ist so selbstverständlich, dass man es kaum mehr wahrnimmt.

Ebenso im Glauben:
'In dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir‘ (vgl. Apg 17, 28 a).
Spüren wir diese tragend-bergende Gegenwart noch? Verlassen wir uns auf sie? Oder ist sie nur Mittelpunkt einzelner liturgischer Feiern?

 

Wir sind und bleiben Gottsucher! Wir sind und bleiben Menschen der Sehnsucht! - Wenn in uns nicht mehr dieses Feuer der Neugierde brennt, das nach dem Dahinter und Dazwischen fragt, das mit allen Sinnen wissen und spüren will, erfahren - und daraus Glaube und BeGEISTerung lebt, dann erlahmt der Lebensmotor im Gewöhnlich-Routi-nierten - dann verliert das Meer sein Faszinosum.

 

Das lässt sich eigentlich auf alles anwenden:
• auf Gott und Glauben
• auf Partner- und Freundschaft
• auf Beruf und Hobby
• …

 

Hoffen wir, dass sich der kleine Fisch von der ruppigen Antwort des alten Fisches nicht abhalten liess, sondern aufbrach, das Meer und darin auch das Mehr des Lebens zu entdecken.

 

Das wünsche ich uns allen:


dass wir HinterfragerInnen sind und bleiben,
dass wir uns nicht zufrieden geben mit der Oberfläche,
dass wir mit allen Sinnen leben und Leben wagen.

2 x Ostern

Das liturgische Jahr bietet uns gleich zweimal die Möglichkeit, Ostern zu feiern:

 

das erste Mal nach dem ersten Frühlingsvollmond im März oder April,
das zweite Mal im Hochsommer, am 15. August.

 

das erste Mal quasi beim Erwachen der Natur nach der Winterstarre,
das zweite Mal, wenn die Natur zur Ernte bereit ist, bevor dann das herbstliche  Abster-ben beginnt.

 

das erste Mal Ostern Christi - er, der uns die Tür zur Erlösung und in den Himmel öffnet,
das zweite Mal Ostern Mariens - sie, die uns exemplarisch zeigt, was auf uns wartet.

 

Weder das erste, noch das zweite Ostern ist zu erklären oder gar zu verstehen! Beide sind Geschenk und Angebot Gottes im Glauben - und somit in der Hoffnung und im Vertrauen.

 

Paulus schreibt dazu lapidar:
Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Du Tor! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist noch nicht der Leib, der entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. Gott gibt ihm den Leib, den er vorgesehen hat, und zwar jedem Samen einen eigenen Leib. Nicht alles Fleisch ist dasselbe: Das Fleisch der Menschen ist anders als das des Viehs, das Fleisch der Vögel ist anders als das der Fische. Auch gibt es Himmelskörper und irdische Körper. Die Schönheit der Himmelskörper ist anders als die der irdischen Körper. Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mon-des, anders als der Glanz der Sterne; denn auch die Gestirne unterscheiden sich durch ihren Glanz. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen.                                                                                                                                     1 Kor 15, 35 ff

 

Der Gedankengang ist logisch - und trotzdem keine Beweisführung! Vom Glauben wird keiner entbunden - und wenn der Glaube ‚Wissen‘ ist, dann ist es bereits mit uns ge-schehen….


Wie der erste Sprung ins Leben, ein Akt des Loslassens und Vertrauens war, so wird auch der letzte Sprung ins ewige Leben ein Akt des Loslassens und Vertrauens sein.

 

Das Leben hier somit eine Brücke, gewoben und gebaut aus Hoffnung, ein Ausstrecken nach einem ‚Mehr‘, das sich uns letztendlich entzieht - aber genau darin Geschenk wird!

 

Zur Erinnerung und Bestärkung unseres Glaubens und unserer Hoffnung feiern wir all-jährlich Ostern Christi im Frühling und Ostern Mariens im Hochsommer. 


Einmal im Frühling und einmal im Hochsommer dürfen wir einen Zipfel Ewigkeit er-haschen und feiern. Und diesen Glanz als Hoffnungsschimmer im Alltag leuchten lassen.

Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles

Diesen etwas plakativen Rat findet sich im Philipperbrief Kapitel 4, Vers 6. - Und als wär’s noch nicht genug plakativ, lese ich im Bibelkommentar, mit dem ich unterwegs bin, genauso scharfkantig:
Möchten Sie sich weniger sorgen? Dann beten Sie mehr!
Ist das nicht arg blauäugig? - Sorgen? - Ja und! - Hände in den Schoss - es kommt schon…!

 

Ist das SO gemeint?!

 

Lasse ich sowohl den Briefsatz, als auch den Kommentar in mein Herz fallen, ist da tatsächlich ‚etwas dran‘ - ja, nicht mal bloss ‚etwas‘ sondern ganz viel:

 

Wenn uns Sorgen plagen, neigen wir doch sehr schnell zum wohl bekannten Tunnelblick, wir fixieren uns auf die Sorge, das Problem - und wollen es möglichst schnell ‚in den Griff‘ bekommen, lösen und so aus dem Weg und Leben schaffen.
Dabei nehmen wir zumeist gar keinen Kontakt auf zu der Aussage, die darin womöglich verborgen ist. So könnten wir statt ‚Problemfelder‘ zu beackern, ‚LERNfelder‘ entdecken - und mit der gleichen Neugierde an das neue Feld heran gehen, wie man eben etwas Neues lernt und bearbeitet!
Das mag jetzt schnell geschrieben und gesagt sein, mag vielleicht für die kleinen Sörgeli und Problemli des Alltages stimmen, aber wenn die ganz grossen Brocken kommen?! - Wie Krankheit, Kündigung, Trennung, Tod… und dergleichen mehr?
Ja, dann ist es nochmals wichtiger, nicht darin zu versinken, sondern einen guten Halt zu finden, von dem aus man die Sorgen in einen offenen Blick nehmen kann.
Was stand da noch, sowohl im Brief als auch im Kommentar?

 

BETEN

 

Vielleicht ist es notwendig, einmal nachzuspüren, WAS denn beten - und besonders beten in Sorgen und Nöten - ist oder zumindest sein kann:
Wenn beten ‚nur‘ jammern und ‚klönen‘ ist, dann wird es wohl kaum einen Durchgang oder Durchbruch zum Licht geben, dann werden wir uns nur mehr einigeln in unserm Schmerz und die Dunkelheit vor unsern Augen und Herzen, wird den Weg kaum offenbaren….
Ist mein Beten aber ‚ein Gespräch mit einem Freund, mit dem ich gern und oft zusammen komme‘ (Teresa von Avila), kann ich all das Bedrückende:

 

• an- und aussprechen
• vertrauensvoll loslassen
• Gottes Segen übergeben
• um sein Licht und seine Kraft beten

 

Dann weiss ich, dass da ein Du ist, das in allem den Überblick behält und auch für mich das ‚Osterwort‘ der Auferstehung haben wird - zur gegebenen Zeit.
Ich darf darauf vertrauen, dass das was ich jetzt erlebe und erleide nicht sinnlos ist, sondern aufgehoben in Gottes Liebe. Diese mag ich jetzt nicht verstehen, aber ich kann mich trotzdem da hinein loslassen. Es ist ein Ringen, das der Einübung bedarf. Es muss nicht schnell und fix gehen, auch nicht beim ersten Mal. Gott zählt nicht unsere Anläufe und er ist IMMER für und mit uns da.

 

Es ist bestimmt ein Versuch wert:
bei den nächsten (wohl zunächst kleineren) Sorgen vorab einmal sich hinsetzen und die Hände falten, statt in Aktionismus zu verfallen. Im Beten auf Gott in allem hören und aus der Ruhe des Herzens dann die Kraft und Zuversicht für den nächsten Schritt aufkeimen lassen. - Wohlgemerkt: für den nächsten Schritt. -  Gerade bei Schwierigkeiten neigen wir dazu,  lieber gleich mit einem Sprung am Ziel sein zu wollen, als einen (langen) Weg zurücklegen zu müssen…

 

In diesem hörenden Still-werden, mag dann eine ganz neue Perspektive auftauchen, eine Gelassenheit, dass alles sein darf, wie es sich jetzt zeigt oder eine Klarheit, wo, welche Hilfe wie zu finden ist…
Es ist bestimmt ein Versuch wert!

Zusage und Verheissung

Allenthalben hört und liest man, wie sehr die vergangene Zeit einen vor Augen geführt hat, wie alles Planen brüchig ist und keine letztgültige Sicherheit bietet. Plötzlich war man gezwungen, von Augenblick zu Augenblick zu improvisieren - man lebte quasi ‚von der Hand in den Mund‘!
Aber auch Gott wurde nicht unbedingt als tragendes Fundament erfahren, vielmehr, schien auch er trügerischer Boden zu sein… Die Gebete liefen ins Leere… War da einer, den das Schicksal der Menschen kümmert, dem es gar zu Herzen geht?!

 

Ja, darf man überhaupt so fragen? - Darf man Gott quasi zur Rechenschaft ziehen für seine Zulassungen? 

 

Waren die Predigten über den ‚liebenden‘ Gott in solcher Not nicht Hohn oder zumindest leeres Geschwätz, nicht gedeckt von der unmittelbaren Erfahrung?!

 

Und wieder die Anmerkung: darf man überhaupt so fragen? - Darf man Gott quasi zur Rechenschaft ziehen für seine Zulassungen?
 
Wer die Bibel bei den Psalmen aufschlägt, wird die Frage nur mit ‚unbedingt‘ (!) beant-worten können. Der Beter der Psalmen scheut sich nicht, Gott all seine Not entgegen zu schleudern und ihr auch mit drastischen Bildern Ausdruck zu verleihen. Er rennt Gott die Türen ein, schafft sich Luft, schert sich nicht um ‚himmlische‘ oder ‚göttliche Konventionen‘. Manchmal scheint es gar, dass er Gott auf die ‚Du-Ebene‘ vom Sockel herunter reisst. - Doch Gott braucht nicht ‚vom Sockel herunter gerissen zu werden‘, er selbst ist ‚vom Sockel‘ gestiegen - auf den wir Menschen ihn gestellt haben.
Schon dem Mose hat er versichert, dass er das Geschrei der Israeliten in der Sklaverei Ägyptens gehört hat und sie hinaus führen, erretten wird. Und in Jesus Christus, wird dieser ‚Abstieg‘ leibhaft - Fleisch - Mensch, ein DU, das jegliche Not und allen Schmerz kennt, trägt und teilt..

 

Es mag sein, dass manches Gebet (oder gar viele Gebete) ohne Antwort verhall(t)en… Oder haben wir die Antwort nicht gehört, weil wir auf einer anderen Frequenz waren? Ist es nicht vielleicht auch so, dass Gott uns nach unsern Vorstellungen und Plänen erhören sollte? Dass wir von ihm sozusagen nur noch ‚das Gut zum Druck‘ erwarten? - wir wissen, was wir wollen, was jetzt passt, wie die Pläne wieder zum Laufen kommen und der Schaden in Grenzen gehalten wird… 
Gott ‚denkt‘ und ‚plant‘ in andern Dimensionen, Ansätzen und Zielen. Es scheint, dass er ein anderes Rechnungssystem verwendet, das mit dem unsern nicht immer kompatibel ist!

 

Er erfüllt nicht zwangsläufig und nicht immer unsere Wünsche - aber er macht seine Zusagen wahr.
DARAUF ist VERLASS.

 

Wir müssen vielleicht lernen, von einer ganz andern ‚Sicherheit‘ auszugehen, die nicht Absicherung ist, sondern Geborgenheit - und Geborgenheit können wir selbst dann erfah-ren, wenn wir in Sturm, Bedrängnis und Leid geraten - ABER: das fällt einem nicht ‚automatisch‘ in den Schoss!
Es ist eine entschiedene Entschiedenheit: eine bereite Bereitschaft, die Hand auszu-strecken ins Dunkel, sich fallen zu lassen ins Bodenlose - dann, und nur dann, können wir die Erfahrung von bergendem Grund und haltender Gegenwart machen - durch diese (existenzielle) Verunsicherung müssen wir hindurch - sonst bleiben wir im ‚Versicherungs-wesen‘ stecken - der Himmel jedoch kennt keine Policen, die einbezahlt und abgegolten werden - ‚Himmelsgeld‘ ist nur Vertrauen und Liebe‘, diese ‚Währung‘ mag wie ein ‚Blankocheck‘ daher kommen - ungedeckt… und doch ist es verlässliche Währung! 
Wir dürfen und sollen Gott beim Wort nehmen - und genau darum dürfen und sollen wir in der Not auch so beten wie die Psalmisten: ungeschminkt und ehrlich, uns Luft ver-schaffen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. - Gott lässt sich dadurch nicht irritieren und nicht beleidigen!
Das einzig nötige ‚Aber‘  lautet: selbst wenn wir so beten, Gott Gott sein lassen. 
Genau da knüpft das Vertrauen an:
auch wenn ich weiss, was ICH will, bin ich bereit anzunehmen, was Gott FÜR MICH will - und das ist nicht immer deckungsgleich. Im Vertrauen darauf, dass er mein Heil will, kann ich seine Wege gehen und mich immer wieder neu einschwingen in dieses Vertrauen, in seine ‚Frequenz‘.


Er selbst hat versprochen: ‚ICH BIN BEI EUCH, ALLE TAGE BIS ZUM ENDE DER WELT‘.

 

Wir können Gott nicht auf unsere Wünsche behaften - aber auf seine Zusagen. Dann finden wir den tragenden Grund mitten in Unsicherheit und Verunsicherung.
So wünsche ich uns dieses kühne Vertrauen, das einen immer wieder abspringen lässt im Vertrauen darauf, dass wir in allem gehalten und aufgefangen sind.

 

Leben wir statt aus unsern Plänen aus Gottes Verheissung - sie überdauert die Zeiten und erfüllt sich je neu auf je eigene Weise!

Wofür...

Wofür gebe ich Geld aus? Ist wohl eine gängige Frage für jeden, der nicht grad im Geld schwimmt und für jeden, der verantwortungsvoll mit seinen finanziellen Ressourcen umgeht - und damit auch mit der Schöpfung.

 

Doch dieses ‚Wofür-gebe-ich-aus ‘ lässt sich auch auf andere Bereich ausweiten:

Wofür gebe ich meine Zeit aus?
Wofür gebe ich mein Herz aus?

…um nur zwei Bespiele zu nennen, mit deren Ressourcen wir vielleicht sorglos, achtlos oder auch unüberlegt und verschwenderisch umgehen.

 

Gerade in meinen vergangenen Ferien habe ich gespürt, wieviel Zeit im Alltag versickert, wenn der Computer zur Verfügung steht, eine Zeitung in Griffnähe liegt... - Wie leicht kommt man vom Hundertsten ins Tausendste… - …und plötzlich ist eine halbe Stunde vergangen… Wofür gebe ich meine Zeit aus? und damit auch mein Herz und meine Seele?
Nicht alles Unnötige ist zugleich unnütz. - Aber manch Wichtiges ist nicht unbedingt wesentlich.
Das mag auf den ersten Ton etwas widersprüchlich klingen! - doch wenn wir diesen Gedanken etwas im Herzen bewegen, kommen wir vielleicht dem inneren Gehalt der Aussage auf die Spur.
Letztendlich geht es immer auch darum, sich nicht (nur) von Schall und Rauch zu nähren, sondern Begegnungen zu feiern und Dinge zu tun und zu erleben, die einen berühren und bereichern und nicht leer zurücklassen…
So habe ich den Tagen meiner Ferien manch Schönes und Tiefsinniges erlebt, das nicht a priori nützlich war, sondern einfach zweckfrei und schön - und damit wurde dies zu etwas Wichtigem, das mir Wesentliches geschenkt hat.
Dabei habe ich sorgsam auf meine Kapazität geachtet. Auch wenn zeitlich noch mehr möglich gewesen wäre, spürte ich, dass der Nachklang und das Auskosten Raum brauchten, damit die neue Erfahrung Wurzeln schlagen konnte.

 

Vielleicht sind gerade Ferien dafür eine gute Übungszeit, einmal die ‚immateriellen‘ Ausgaben zu überschlagen, diese Buchhaltung wieder ins Lot zu bringen - dann wird der Alltag in einer andern Frequenz schwingen, die weniger gehetzt und gefüllt ist.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine unbeschwerte Ferienzeit!

Von Wehen und Heimsuchungen

Allenthalben wird im Zusammenhang mit Unglück, Naturkatastrophen, etc. von ‚Heimsuchung‘ geredet. Etwas sucht uns heim - womit wir zumeist nicht gerechnet haben… - stets negativ konnotiert.
Dabei hatte ‚Heimsuchung‘ einmal durchaus auch eine positive Klangnote!
Am 2. Juli (oder in andern Sprachgebieten am 31.5.) feiern wir das Fest Maria Heim-suchung. Maria sucht ihre Verwandte Elisabeth heim - will sagen, sie geht auf Besuch. - Und das in Erwartung im doppelten Sinn:
Maria war ‚in Erwartung‘ - ebenso Elisabeth - ihre wesentlich ältere, unfruchtbare Verwandte. - Jung und alt auf Augenhöhe, berührt und erfüllt vom selben Geheimnis - und doch so verschieden.
Aber auch in Erwartung der je Anderen in einer tiefen Begegnung - von Frau zu Frau und ebenso der werdenden Kinder! Was letztendlich seinen Höhepunkt im Magnificat findet.

 

Heim- suchung.
Etwas sucht uns - und wenn wir daheim sind, findet es uns auch! - Und das meint eben nicht nur das Negative, das wir als unglückselige Überraschung erleben, sondern auch das Positive.
Prinzipiell will jeder dieser Besuche eingelassen und begrüsst werden - und was wir vielleicht argwöhnisch beäugen oder gar lieber von der Türe weisen, kann sich durchaus als positiv erweisen. Nicht immer ist auf den ersten Blick klar, wie die ‚Heimsuchung‘ ausgehen mag…
…und wenn wir in das Wort ‚unglückselig‘ hinein lauschen: da stecken ‚glück‘ und ‚selig‘ gleichermassen drin - durchaus eine Provokation, vor allem wenn beides (auf den ersten, zweiten, gar dritten Blick) nicht so scheinen mag!
Jesus selber spricht im Zusammenhang mit ‚den letzten Dingen‘ von ‚Wehen‘.  - Auch dies ein Begriff voll Leben! Wehen kündigen eine Geburt an - auch da geschieht ‚Heimsuchung‘: neues Leben drängt in diese Welt, in das Leben der Gesellschaft im Kleinen, wie im Grossen. Und auch da ist alles offen… 

 

Die vergangenen Wochen haben uns alle mit Unwägbarkeiten und Unvorhergesehenem konfrontiert, gezeigt, dass sich nicht alles steuern, planen und in den Griff bekommen lässt.
Wie gut, in diesem Moment zu wissen, dass da EINER ist, der die Fäden in Händen hält, der aus allem Ostern und Segen schaffen kann. - Und nicht nur ‚kann‘, sondern auch will.
Bei genauerem Hinsehen, findet sich doch in jeder Staubwolke noch ein kleines Goldpartikel, das mittanzt und entdeckt werden will.
Nicht dass damit alles gut- oder schöngeredet werden will - aber genau dieses Quäntchen Goldglanz braucht es doch, um in der Tristesse die Hoffnung nicht zu verlieren, um die Flügel nicht hängen zu lassen und sich auf die ‚Heimsuchung‘ einlassen zu können - 
sich und die Heimsuchung einlassen - 
ent-decken, was neues, anderes werden will. 

 

Was klopft mit Macht, das ich bis anhin überhört oder einfach ignoriert habe? Auf welche Resonanz und Fähigkeit stösst es in mir? Was könnte sich daraus gestalten lassen?

 

Je länge je mehr glaube ich, dass es im Letzten immer um Heilung und Erlösung geht, dass alles Durchgang ist zu endgültigem Heil - und dies geschieht auch über bedrängende Situationen, die einen an Grenzen und darüber hinaus stossen. - Wer dann Gottes Hand zu ergreifen vermag, der wird Halt in der Haltlosigkeit finden - und wird glauben können, dass das letzte Wort einen heimführen wird. Irgendwann kommt der Punkt, da man alles aus der Hand legen kann, um im Geschehen-lassen neu zu werden. - 
Die letzte, grosse Heimsuchung führt einen dann ins Licht - und sei’s durch Berge von Staub und Dunkel - doch auf ‚der andern Seite‘ wartet ein Du voll Liebe - und es (ER!) streckt schon jetzt seine Hände nach uns aus, sucht Begegnung.

 

...vielleicht können wir in den Begegnungen und Heimsuchen des Alltages und Alltäglichen diese Begegnung einüben - und ein wenig vorweg nehmen....

- und in den Wehen auf neues, verwandeltes Leben hoffen.

...und er hauchte sie an

Im Johannesevangelium fallen Ostern und Pfingsten gleichsam in eines:
nach dem Friedensgruss ‚hauchte er sie an uns sprach: EMPFANGT DEN HEILIGEN GEIST‘. (Joh, 20, 22)
Damit wird am Ende die ganze Geschichte gleichsam mit dem Anfang verknüpft, denn im Buch Genesis können wir lesen:
dass Gott nach der Formung des Menschen ‚in seine Nase den Lebensatem blies‘. (Gen 2,7)

 

Im und durch den Heiligen Geist, dem ‚Pneuma Gottes‘, entsteht neues, ursprüngliches Leben - von daher ist es ‚logisch‘, dass Jesus zum Empfangt-Wort noch jenes der Sünden-vergebung hinzufügt, denn Sünde ist im letzten immer Trennung von der Ursprüng-lichkeit, von der existentiellen Ausrichtung auf Gott hin. Und so auch von der Fülle des Lebens.

 

Erst durch Pfingsten kann das Geheimnis und Ereignis von Ostern so richtig Wurzel schlagen, fruchtbar werden und sich ausbreiten.
Dass die ‚Sündenvergebung‘ den Jüngern anvertraut wird, ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass wir einander zu ‚Lebenshelfern‘ werden sollen, überall dort, wo wir die Lebensspur verloren haben. 


Zudem fällt mir auf:
zuerst kommt die Anhauchung, erst danach der Auftrag. - Jegliches Wirken, das gleichsam ‚Verlängerung‘ des Wirkens Jesu auf Erden ist, kann nur unter dem Antrieb und Anhauch Gottes geschehen.
…und Hauch ist etwas sehr Sanftes und Stilles - das wohl nur jener spürt, der selber sanft und stille wird. 

 

Stellen Sie sich die Szene der Anhauchung einmal in einem inneren Film ganz bildlich vor!
Läuft Ihnen dann nicht auch ein Schauder über den Rücken? Macht sich da nicht eine Erschütterung breit?
Jesus wird gleichsam ‚distanzlos‘! Da ist eine unglaubliche Nähe, ja Intimität - ein ‚Auge-in-Auge‘, Schranken von Gegenüber und Abwehr müssen fallen, dass man diese dichte Begegnung annehmen und sich ihr auch ausliefern und schenken kann.
Dann dieses Hauchen - vielleicht ekelt man sich gar ein bisschen, wenn man sich das konkret vorstellt, wie da einer einen direkt ins Gesicht anhaucht - mit allem was an ‚persönlichen Duftnoten‘ ausgeströmt wird… (…und in jetziger Zeit noch die Diskussion über Aerosole und dgl.)
Kann ich diesen Atem einatmen? Ihn in mich einströmen lassen? - Oder gibt es da eine Abwehr? Ein Zurückschrecken?

 

Es ist eine Szene voll Stille, Nähe und Ruhe. Es ist nicht eine hektische Beatmung, weil da einer am Ersticken wäre, kurzatmig nach Luft schnappt. Vielleicht übergeht man es deswegen:
wer merkt heute schon, dass er eigentlich kurzatmig geworden ist? Dass der Atem nicht für jedes Sollen-wollen-müssen ausreicht?
Könnte unser Leben vielleicht an mehr Gelöstheit und Ruhe gewinnen, wenn wir existentieller aus der Beatmung Gottes heraus leben würden?

 

Eine stille Szene, unspektakulär, die leicht überlesen und übersehen werden könnte - doch eigentlich hat sie einiges an ‚Brennstoff‘ in sich - ist der Heilige Geist ja nicht nur ‚Atem‘ sondern auch Feuer.


So wünsche ich uns zu dieser pfingstlichen Zeit die Beatmung Gottes, dass das innere Feuer wieder intensiver brennt - dass wir die Nähe Gottes leben, auch und gerade im Miteinander.

erwachsen

…und wieder einmal bin ich über einen geläufigen Begriff gestolpert:

‚erwachsen‘.

 

Was mir als erstes so unvermittelt ins Auge stach:

da steht ja der Begriff ‚wachsen‘ drin!

 

Ist dann die Aussage: ‚Ich bin erwachsen‘ nicht in sich ein Widerspruch?

Wachsen ist ja nicht ein statisches Sein! Das ist Entfaltung, Erweiterung, Vertiefung - wie auch immer - auf jeden Fall: stets Bewegung und nicht ein Stillstand.

 

Zumeist wollen wir als Kinder erwachsen werden. In diesem Werden ist das ursprünglich Wachsende noch zu spüren: gross werden (geistig und körperlich), unabhängig und selbständig.

Hat man dann ein gewisses Alter erreicht und die Turbulenzen der Jugend hinter sich und überstanden, glaubt man, nun erwachsen zu sein.

Doch auch das Erwachsensein sollte stets ein Wachsen sein! Ein Ausstrecken nach der Entfaltung all dessen, was in uns grundgelegt ist und sich im Sein und Leben einwurzeln möchte. - Denn jede Gabe, jedes Talent will letztendlich Frucht tragen im Mit- und Füreinander.

So gesehen liegt auch im Erwachsensein noch stets Entwicklungs- ja, Wachstumspotential! - Und vielleicht ist gerade diese schwierige Zeit Prüfstein für die Defizite, die des Wachsens bedürfen:

Wie gehen wir (zum Beispiel) damit um, wenn Dinge, die wir gerne hätten, nicht, nicht mehr oder nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen? - Und dabei geht es nicht ausschliesslich um Materielles, sondern auch um Immaterielles, wie Bewegungsfreiheit und Kontakte.

Sind wir fähig, kreativ und aktiv neue Formen zu finden und zu gestalten, dass unsere Bedürfnisse Erfüllung finden?

Auch das Gegenteil ist möglich - nicht ein ‚zu wenig‘, sondern ein ‚zu viel‘: plötzlich zu viel Zeit zu Hause, zu viel Zeit mit sich allein oder mit der Familie. Wie kann ich dieses Zuviel gestalten, in diesem Zuviel zu Wachstum finden?

Bei allem Schmerzhaften ist diese Zeit auch eine spannende Zeit, die in uns Neues und Kostbares wecken, Gültiges und Bleibendes hervor bringen und schenken will: uns eben zum Wachsen animieren möchte.

Dann kann eine Krisenzeit zum Kairos werden, zu einer Heilszeit voll Wachstum. Zu einer Zeit des Hinterfragens - dahinter schauen und suchen - Neues, Ungewohntes ans Licht heben, all jene verborgenen Schätze, die im Trott und Gewohnten des Alltages vielleicht unbemerkt geblieben sind, ins Leben hinein erwecken.

Wachstum ist ein Prozess, auch wenn es ein Geschenk ist. Wachstum braucht Pflege, auch wenn im Grunde genommen schon alles im Samen drin steckt.

Ich wünsche uns, dass wir im Erwachsen-sein, stets am Wachsen bleiben - und unsere Zeit jetzt dafür aktiv und kreativ nutzen. - Dann werden wir bei allen Verlusten letztendlich doch Gewinner*Innen sein!

...und er stand am Ufer des Sees

Sie fahren hinaus mit dem Boot, es ist dämmrig, nicht nur draussen, auch in ihrer Seele und in ihrem Herzen - die vergangenen Tage haben sie geblendet, den Blick getrübt. Was soll’s?! - Am besten zurück in den Alltag, in jenen gewohnten Alltag von früher, als noch alles gewohnt und gängig war, bevor sie sich rufen liessen. Warum überhaupt hatten sie damals die Netze liegen gelassen? Drei Jahre sind seither vergangen… Es gab gute, schöne Zeiten, auch sehr erhebende, berührende Momente, gar Wunder und Offenbarungen. Aber war es nicht doch nur ‚der verdrehte Kopf‘, der alles auf den Kopf stellte?! Eine Sehnsucht, die plötzlich ein Echo fand - doch wie ist es nun kalt und leer, dämmrig und dunkel, nicht nur draussen, auch in ihrer Seele und in ihrem Herzen.

Sie fahren hinaus mit ihrem Boot, mühen sich ab mit dem, was sie eigentlich könnten, jedenfalls früher konnten, doch jetzt will es nicht gelingen… Zu müde und zu resigniert, um darüber wütend zu werden. Eigentlich hatten sie schon aufgegeben, bevor sie anfingen…

Da sehen sie ihn - nein, eigentlich nur ‚einen‘ am Ufer stehen, sie kümmern sich nicht - ein Fremder am frühen Morgen am Strand. Sie holen die leeren Netze ein. Der Magen wird leer bleiben, doch was soll’s, das Herz ist es schon längst… Die Seele erloschen, der Blick getrübt….

Doch dann die Frage ‚Habt ihr etwas zu essen?‘ Ja, sogar ‚Kinder‘.

Sie wundern sich nicht, zu müde und zu resigniert, nicht mal mehr Ärger über die Frage des Fremden, der doch sieht, dass die Netze leer sind - und spürt er nicht die leeren Herzen? Sieht er nicht die erloschenen Augen, die müden Leiber…?

Sie schütteln die Köpfe, nur noch heim, zu müde, zu resigniert, um sich lange aufzuhalten mit einem weiteren Misserfolg.

Dann die Aufforderung, nochmals hinaus zu fahren, nochmals die Netze auszuwerfen, auf der rechten Seite.

Sogar zu müde und zu resigniert, um aufzubegehren, schliesslich hat die Sonne schon die Kante des Horizontes gestreift - und in der Nacht zur besten Fangzeit war es vergeblich.

Ein Achselzucken, was soll’s? Sie fahren hinaus, ein paar Ellen, nur nicht zu viel Anstrengung für nichts, die Kraft ist eh aufgebraucht.

Und dann ein Rucken und Zucken in den Netzen! Sie schauen einander an, hellwach - wie ein Blitz fahren die Lebensgeister in die Seele zurück. Sie schauen zum Ufer - und die Lichter hinter den Augenfenstern beginnen wieder zu leuchten - der Fremde, nein der Ihre steht noch immer da am Ufer.

Mit vereinten Kräften bringen sie den grossen Fang an Land - keiner fragt, jeder weiss und spürt im Herzen wieder diese Schwingung von davor…

Da sehen sie das Kohlenfeuer, Brot und einen Fisch darauf (!). ‚Bringt von Eurem Fang!‘ - auch das Ihre ist gefragt, Frucht ihrer Anstrengung - aber ebenso Geschenk ihres Gehorsams aus müden Herzen.

Er steht nicht mehr am Ufer, gemeinsam sitzen sie um das Feuer. Teilen Brot und Fisch und wissen sich zugehörig. Alles hat sich in einer verwandelten Fülle erfüllt. Der Alltag ist Festtag. Die Dämmerung von der Sonne verschluckt. Die Müdigkeit, die Resignation sind dem Leben gewichen.

Hat es sich nicht schon einmal ereignet? Damals, als der Ruf sie traf? Hatten sie nicht am Ufer im Fremden allmählich den Freund entdeckt? - Ist er ihnen nicht an jenem unseligen Tag in die Fremdheit hinein entglitten?

Es braucht nur wenige Gesten, die die alte Vertrautheit aufblühen lassen. Die Müdigkeit, die Resignation vermochten die Wurzel nicht zu verdorren - sie trägt vielmehr neues Leben.

 

Vielleicht müsste ich ebenfalls Ausschau halten, ob nicht auch am Ufer meines Alltages, am Ufer meines Lebens, am Ufer meiner Seele ‚ein Fremder‘ steht? Tun, was er mir sagt, damit ich den Anschluss an meine ursprüngliche Geschichte mit ihm wieder finde. Dann gibt es keine Fragen mehr - und keine Antworten, wenigstens für Augenblicke. Wenn der gemeinsame Puls wieder stimmt, kann ich in Zuversicht weiter gehen. Das Brot und der Fisch nähren - und ER sowieso… (vgl. Joh 21, 1 - 14)

Das 8. Sakrament

Die Unmöglichkeit, Sakramente zu feiern und zu spenden, trifft uns Katholiken tief im Lebensnerv! Plötzlich müssen wir ein neues Selbstverständnis aufbauen, quasi auf ‚Hauskirche‘ umschalten, alte Formen neu beleben - oder neue Formen erfinden - um dem Gespür für Gott und seiner Gegenwart einen Raum des Begegnens und Feierns zu geben.

 

Es kann aber ebenso als Chance genutzt werden:

auch als kleine Gemeinschaft oder Familie sind wir Kirche - und als solche lebendige Zelle der Gesamtkirche. Und wenn wir jetzt diese Wirklichkeit im Rahmen unserer Möglichkei-ten zu Hause leben und feiern, dann sind wir wie der frische Sauerstoff im Blutkreislauf der Kirche, die in vielen ihrer Vollzüge lahmgelegt wurde.

 

Vielleicht ist es gerade die neue Situation die uns lehren will,

  • dass Kirche nicht nur (sakramentale) Feier, sondern Vollzug gelebten Glaubens im Alltag ist
  • dass auch der Alltag zum Innehalten einlädt, um die Verbindung mit Gott lebendig zu erhalten
  • dass wir einander Sakrament der Gegenwart, Liebe und Barmherzigkeit Gottes sein können

 

In Wikipedia lässt sich nachlesen:

Als Sakrament bezeichnet man im Christentum einen Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt.‘

 

Wenn wir jetzt, in dieser Situation von Not und Bedrängnis einander Zuwendung schenken, Hilfsbereitschaft, ein offenes Ohr, etc. wird Gottes Zuwendung durch uns lebendig, erfahrbar, eben ‚vergegenwärtigt‘ -  somit sind wir das ‚8. Sakrament‘.

Für diese Sakramentenspendung braucht es keine Weihe, keine Befugnisse - ‚nur‘ ein zu-gewandtes Herz, das den Nächsten wahrnimmt, wie Gott ihn sieht. Ein Herz, das Gott im andern erspürt und ein Herz, das darum weiss, dass Gott keine anderen Hände, Füsse, Augen, Ohren, Herzen hat, als die unseren, um in dieser Welt lebendig gegenwärtig und erfahrbar zu sein.

 

Ja, die Welt brennt -

möge es aber wie der brennende Dornbusch sein, in dessen Flammen Gott uns zusagt: 

Ich bin der ich bin da!

Der Frühling und der Tod

Nichts ist derzeit so lebendig, wie der Frühling - und der Tod…

Nachdem wir das eine Jahr für Jahr mit Freude begrüssen, dräng(t)en wir das andere an den Rand, sowohl unseres Bewusstseins, als auch unserer Gesellschaft.

Wir konnten uns der Illusion hingeben, mit vielen Krankheiten auch den Tod besiegt zu haben und werden nun unversehens und grausam eines anderen belehrt!

Die letztgültige Überwindung des Todes ist der Menschen Sache nicht. Was wir erreichen, kann immer nur ein Aufschieben sein.

Für jeden wird zu seiner Zeit die letzte Stunde schlagen.

Letztendlich gibt es nur einen Besieger des Todes:

Jesus Christus -

und dies nicht als Überwindung in menschlichem Sinn von ‚Vernichtung‘ - sondern als Öffnung im Hindurchgehen - Öffnung auf Ewigkeit - die eben nicht auf dieser Erde wurzelt.

Nun müssen wir uns im prallen Leben des Frühlings einer Endlichkeit stellen, die uns überfällt und überfordert, die scheinbar alle treffen kann.

Schmerzhaft die Bilder, Nachrichten und Tatsachen - ist es da nicht zynisch dem Tod etwas Positives abgewinnen zu wollen?

Auch ich trauere um Menschen, die ich im Sterben verloren habe. Auch mir fehlen die gemeinsamen Zeiten, der Austausch, die Begegnung… Das alles muss sich auf einmal neue Wege und Bahnen suchen…

Und doch ist es letztendlich der Tod, der das Leben kostbar macht, den Augenblick der Beliebigkeit entzieht.

Die ‚Ars moriendi‘ und das ‚memento mori‘ wollen das Leben nicht vermiesen, sondern die Qualität intensivieren, nicht durch oberflächlichen Konsum und ‚noch-mehr‘, sondern im bewussteren Genuss und Vollzug.

Eine Tasse Kaffee, die ich trinke als wäre sie die erste oder auch die letzte schmeckt ganz anders, als wenn ihr noch 1000 weitere folgen…

Wenn ich ganz im Augenblick stehe, nehme ich seine Botschaft und Anfrage anders wahr, als wenn ich über die Augenblicke hinwegsegle, wie wenn sie unendlich wären wie der Ozean…

Ich möchte die Tragödie keineswegs schön reden, auch nicht billig trösten, wo schmerzhafte Wunden klaffen!

Doch solche Zeiten und Ereignisse sind für mich immer auch eine Anfrage an meinen eigenen Glauben und an meine Hoffnung:

  • was beseelt mich wirklich?
  • welche Sehnsucht gibt mir Flügel?
  • wen erwarte ich am Ende meines Lebens? - den Tod oder meinen Erlöser?

 

Ich erlebe, wieviel schöne Worte über Ostern und Auferstehung gemacht werden, wie manch eineR den Himmel zum Paradies ausschmückt - doch wenn die Zeit wirklich abgelaufen ist, ist es immer noch zu früh, ist noch immer vieles ungelebt…

WIE lässt es sich mit der Endlichkeit leben, wenn ich daran glaube:

das beste kommt erst noch!

- ??? -

Es darf keine billige Vertröstung sein, die uns fatalistisch und gleichgültig verstummen lässt, es soll auch nicht Panikmache sein, die alles bis zum letzten Tropfen ausbeutet… Es wird immer einen Rest Ungelebtes, einen Rest Unerfahrenes geben - und genau darum darf ich den Tod als

VOLLendung

erwarten.

Zwar kann ich mich täglich darin üben, indem ich versuche, mit mehr Bewusstheit und Präsenz zu leben, ob es mir im entscheidenden Augenblick gelingen wird…. weiss auch ich nicht.

Die Angst vor dem Sterben sei ‚kreatürlich‘ (sagen Evolutionsbiologen), weil wir auf Leben angelegt sind. Trotzdem glaube ich, dass die Brücke des Vertrauens und des Auferstehungsglaubens, an der ich täglich baue, im entscheidenden Moment tragen wird - und dass es Engel geben wird, die uns 'hinüber' begleiten.

So wünsche ich Ihnen allen Trost und Zuversicht in dieser schwierigen und auch belastenden Zeit.

Vielleicht ist es gerade der Frühling, der Hoffnung macht, dass das Leben stärker ist - da er aus dem Winter ersteht - gewandelt - neu - zur Reifung und Fülle bestimmt.

Gottes Mitleiden

Die Frage: ‚Warum lässt Gott das zu?‘

Oder auch: ‚Kann man nach Auschwitz noch an einen gütigen Gott glauben?‘ (wobei Auschwitz auf unsere Tage hin mit ihren Dramen aktualisiert werden kann)

verstummen nicht - werden wohl nie verstummen und dürfen es vielleicht gar nicht… Sie halten Gott zumindest auf diese Weise im Gespräch…

 

Viele Antworten wurden versucht oder versagt - jede und jeder formuliert mitunter seinen eigenen Reim - denn eines ist klar:

was ein Mensch unmöglich tragen kann, ist die Sinnlosigkeit eines Geschehenen, eines Erlebten.

Der Mensch zerbricht, wo ihm nicht ein Stück weit Sinn oder zumindest Trost und Zusage aufleuchtet.

Auf die ‚Warums‘ in der Geschichte und den einzelnen Biografien (auch der meinen!), kenne auch ich die Antwort nicht - worüber Theologen, Philosophen und Meinungsmacher unterschiedlichster Couleur über Jahrhunderte stritten, kann ich nicht letztgültige und einzig richtige Antwort bieten.

 

Doch was man offen lässt, kann mitunter zur Türe und zum Tor werden - durch die vielleicht ein Strahl Hoffnung hinein gleitet…, um das Dunkel zu erhellen, das einen in brennenden, antwortlosen Fragen umgibt und bedrängt.

 

Aus allem, was in meinem Leben auf und über mich kam, mich schwer belastete und bedrängte, ja auch zutiefst verwundete, kristallisierte sich immer mehr eine tiefe Einsicht heraus, die mir Boden gab und mir half, mich nicht in Warums zu verstricken, noch in Mutlosigkeit und Verzweiflung unterzugehen:

Gottes Mitleiden.

 

Seit Gott Golgatha zuliess, ist seine Solidarität für mich nicht mehr zu leugnen. Der Kreuzestod Jesu ist ein unglaublich starkes Argument, das mir versichert: Ich nehme mich nicht aus! (und auch nicht her-aus)

Es hat Gott nicht genügt, ‚nur‘ Mensch zu werden, um bei den Menschen zu sein, ihre Feste zu feiern, ihre Leiden zu heilen, ihnen Gottes Barmherzigkeit zu offenbaren in tätiger, zugewandter Liebe. Er gibt sich so konsequent und radikal (vielleicht auch provozierend…) in dieses menschliche und gesellschaftliche Leben hinein, dass er selbst Opfer des Menschen wird.

 

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht es mich staunen - und still…:

Gott hat den Menschen mit unantastbarer Freiheit ausgestattet - und das so absolut, dass er diese Freiheit auch dann nicht antastet, wenn es das Leben seines eigenen Sohnes kostet!

Mit dem Gewissen hat er zwar dem Einzelnen ein Sensorium bereitgestellt, das menschliche Freiheit und Gottes Wille in Einklang bringen könnte. ‚Könnte‘, da es hinwiederum in unserer Freiheit liegt, dieses Sensorium zu pflegen und zu bilden, um immer wieder hörend und spürend auf die Suche nach der Harmonie mit dem Ursprung und dem eigentlich Guten und Schönen zu gehen.

 

Ja, es erschüttert mich zutiefst, wenn ich daran denke, dass es Gott kaum ein Fingerschnippen gekostet hätte, Jesus vor einem solch schändlich-grausigen Tod zu bewahren - und die Menschen endgültig zu vernichten. - Allein, er tut es nicht.

Für mich hat er in diesem hilflos-zusehenden Moment alle Leiden der Welt mitgelitten - warum es nachwievor Leiden gibt, erklärt mir das nicht - aber ich weiss nun:

 

die Hand, die ich im Leiden ausstrecke, greift nicht ins Leere; der Schmerz verebbt nicht ungesehen. ER ist da, Er trägt mit, er trägt mich.

 

Darin wird für mich Trost und Halt erfahrbar, die es ermöglichen zu wachsen und zu reifen, statt zu resignieren und zu verzweifeln. Genau diese Nähe wird mir zur Tankstelle, wo ich Hoffnung schöpfen kann, die allmählich ein Ja keimen lässt.

So komme ich immer wieder an den Punkt, wo ich das ‚Warum?‘, das nur an den Abgrund führt, loslassen kann, um mich auf diese Präsenz Gottes einzulassen. Denn ich sehe:

der Menschen Todesmaschinerie hat zwar den Takt angegeben - aber sie hatte nicht das letzte Wort.

 

Gottes Ende ist zugleich auch Gottes Anfang:

in Ostern geschieht Leben, das kein Tod mehr vernichtet. - Auch wenn ich in meinem Leben so manches Getsemani und Golgatha durchzustehen habe:

wir werden von einem Ostern ins andere hinein sterben -

bis das letzte grosse Wort fällt:

komm heim!

 

Der Weg mag beschwerlich sein, gepflastert mit Fragen, mitunter mit Wunden, wir gehen ihn nicht allein - und wo ich mich loslasse, werde ich auch getragen - das Wissen um Gottes Mit-leiden, Mit-sein und Mit-gehen schenkt dabei meinem Schritt ‚Hoffnungsflügel‘.

 

Diese Zuversicht wünsche ich allen in beschwerlicher Zeit!

seid vollkommen!

Unlängst bekamen wir diesen Zuruf in der Sonntagsliturgie zu hören - und als ob das allein nicht schon genügen würde, stand da als ‚Mass‘: wie es auch euer Vater im Himmel ist. (Matthäus 5, 48).

 

Ist es da nicht klüger, aufzugeben, bevor man überhaupt angefangen hat?! Nach einem Ziel zu streben, das sich sowieso nicht und nie erreichen lässt, nicht einmal ansatzweise, ist doch vergebliche Liebesmüh, verschwendete Kraft, die man besser einsetzen täte, um das Wenige und Kleine, dafür Gute und Notwendige zu tun…

 

Aber ist es nicht GENAUS DAS?!

 

Ich erinnere mich gut, wie mir als Jugendliche bei einem Besinnungswochenende dieser Text begegnete. Wir sassen für ein Bibelgespräch um den runden Tisch - und einhellig fanden wir, dass es unmöglich und nicht einforderbar sei.

Die Schwester, die mit uns im Rund sass, gab eine Erklärung, die mir bis heute in ihrer Bildhaftigkeit präsent blieb. - Sie erschloss uns die Bedeutung auf eine Weise, dass die Forderung nicht nur ‚erfüllbar‘ (wörtlich!) wurde, sondern sogar ‚einfach‘ - deswegen aber weder simpel noch bequem.

 

Sie erklärte uns:

Jede/r hat das von Gott ihm geschenkte und zugewiesene Mass. Der eine einen Fingerhut, der andere ein Trinkglas oder ein Litermass, der nächste vielleicht eine Regentonne… Jede/r ist aufgerufen, seine Talente und Gaben, sein Sein und Wesen so einzusetzen und zu verwirklichen, dass das Mass gefüllt wird. Ist es voll, dann ist es voll - voll-kommen. Es geht nicht mehr hinein. So gesehen, ist weder im Fingerhut weniger, noch in der Regentonne mehr drin, denn voll ist voll. Von daher kann auch Gottes Vollkommenheit nicht grösser sein als des Menschen (mögliche) Vollkommenheit.

 

Dieses Bild ist für mich ein wunderbarer Schlüssel - quasi ein ‚Passepartout‘! Plötzlich lohnt es sich, sich um Vollkommenheit zu mühen, denn in diesem Bild ist es ein Aufruf:

Lebe aus deiner dir möglichen Fülle.

 

Es ist aber auch der Hinweis darin eingeschlossen:

Vergleiche dich nicht mit den Andern - jede/r hat sein Mass.

 

Und wir dürfen nicht vergessen, voll bleibt nicht zwangsläufig voll. Wir haben alle schon erlebt, wie wenig Unachtsamkeit genügt, um ein Gefäss umzustossen, den Inhalt zu verschütten oder das Gefäss gar in Brüche gehen zu lassen.

 

Seid vollkommen! Ist somit kein Aufruf zur Perfektion, sondern ein Aufruf Gottes an uns, der unsere Lebensgeister und -energien wecken will, dass wir mit unsern Möglichkeiten wuchern - und zeigt uns zugleich, wie grosszügig er ist und wieviel er uns zutraut.

 

Wagen wir in dieser Fastenzeit wieder unser bestes zu sein und zu geben - um unser Gefäss peu-à-peu zu füllen.

jetzt

Es ist nie zu spät - es ist immer Jetzt.

 

Haben Sie sich über den Satz gewundert? Vielleicht den Kopf geschüttelt, an die Stirn getippt?

Wenn mir die S-Bahn vor der Nase abfährt - dann bin ich definitiv zu spät. An dieser Tatsache gibt’s nichts zu rütteln und zu deuteln - zu spät ist zu spät!

 

NUR:

es ist trotzdem Jetzt.

Es nützt nichts, sich dem verpassten Zug hinterher zu ärgern - weder wird es einem damit besser gehen, noch wird der Zug bremsen und zurückfahren, um uns per exgüsi einsteigen zu lassen… Was ist, ist jetzt.

Auf diesem kleinen Punkt geschieht das Leben - und auf diesem kleinen Punkt lässt es sich auch gestalten.

JETZT

Wie stelle ich mich diesem Jetzt, das jetzt ist? Was kann ich daraus machen? Welche Lösungen, gar Inspirationen hat es bereit?

Es ist kein statischer Zustand, stets im Fluss - jedes Jetzt ist im Jetzt bereits wieder Vergangenheit… und ist damit letztendlich doch nicht jetzt…

 

Jetzt reiht sich an Jetzt

- und so Chance an Chance:

im Hier und Jetzt anzukommen

und es zu gestalten.

 

Noch ist Fasnacht - bald wird die Fastenzeit beginnen:

vielleicht ein Vorsatz für die Zeit darin:

mehr Jetzt-Qualität zu leben und zu gestalten. - All die ‚zu-spät‘, ‚zu-wenig-gut‘ zugunsten eines vollen und präsenten Jetzt sein zu lassen

- und so ganz neu bei sich, der Schöpfung - und den Mitmenschen ankommen.

Ich wünsche Ihnen dafür Augenblick für Augenblick: JETZT-ZEIT.

Zufriedenheit

Das Wort ‚Glück‘ ist für mich ein ziemlich grosses Wort - einem Paar Schuhen gleich, die viel zu gross sind, um tüchtig damit ausschreiten zu können! - …und doch streben wohl die meisten zumindest nach einem Quäntchen Glück… - Doch, was ist ‚ein Quäntchen‘ - wollen wir nicht viel eher dir grosse, umfassende Portion, die uns allem Schmerz enthebt?!

 

Hat im Glücksstreben auch die Erfahrung von Leid und Schmerz ihren Platz?

 

Da ist mir das Wort ‚Zufriedenheit‘ irgendwie sympathischer - es hat so einen offenen Klang - ist wie ein Raum, in dem ich auch in Begrenztheit, Unwohlsein und Schmerz noch ein Stück Geborgenheit finden kann, eine sanfte Brise von Trost und Trotzdem.

 

Zufriedenheit.

Vielleicht ist es gerade das Wort ‚FRIEDEN‘, das da in der Mitte des Begriffes wohnt und klingt - im Frieden sein, oder eben (wieder) ZUm FRIEDEN finden - eine Versöhntheit mit den Ist-Zuständen des Lebens allgemein oder doch zumindest mit jenen der jetzt erlittenen Realität.

Versöhntheit, die zuerst und vor allem einfach mal ‚Ja‘ sagt zu dem, was sich da in meinem Leben manifestiert, ohne es zu bekämpfen, zu ändern oder gar zu vernichten oder austreiben zu wollen.

Alles hat doch auch eine Botschaft in sich - und die will gehört werden!

Wenn wir uns von allem abwenden, was uns quer kommt, uns nicht passt, es unterdrücken und wegschieben, können wir der Botschaft weder gewahr werden, noch sie erlauschen - bis sie uns irgendwann in einem Mass überfällt, wo wir nur noch kapitulieren können (Krankheit, Sinnverlust…).

Aus der Zufriedenheit herausfallen, ist immer auch Chance zu neuen Einsichten zu kommen. Ein-sichten - also ‚hinein‘ sehen wollen, mich stellen, zulassen, fragen - und immer auch voll Zuversicht Ostern entgegen hoffen. - Das kann dann durchaus auch mal ein Erdulden sein, das geschehen lässt, was geschehen will:

würde eine Raupe sich weigern, sich zu verpuppen, würde nie ein Schmetterling aus ihr werden!

 

Mit ‚Glück‘ setzen wir uns jedoch allzu oft unter Druck - zahlreiche Ratgeber geben zahlreiche Tipps, wie man selbst seines Glückes Schmied wird. - Auch wenn wir sicher dazu beitragen können, gibt es so manches, das wir nicht selber ins Glück hinein erlösen können!

Aber uns um eine Haltung der Zufriedenheit mühen (ja, mühen!), das können wir durchaus. Die Frage ist, ob es uns gelingt, ohne vorschnell negative Bewertung auf das Jetzt-seiende zuzugehen, um in dieser Begegnung hin zum Eigentlichen verwandelt zu werden - und in dieser Verwandlung auch uns selber immer wesentlich näher zu kommen.

Wie vieles haben wir doch über unser Ich, unsern Seinskern gelegt:

  • Erwartungen (vermeintliche und effektive - von andern und uns selber)
  • Leistung
  • Enttäuschung - gar Resignation
  • Sehnsüchte

- nicht dass alles von vorneherein schlecht wäre! - Nur ist es so, dass das Leben meist einen andern Verlauf nimmt, als ausgemalt und so gleichsam den Hobel ansetzt, um die Schalen über dem Wesenskern Schicht um Schicht abzutragen - bis wir uns wirklich begegnen - wenn auch nur für einen Augenblick Ewigkeit - bevor wir wieder zurück geworfen werden… in den Strudel und die Verstrickungen des Lebens hier und heute.

Bei all dem habe ich jedoch festgestellt, dass es mir durchaus möglich ist, in den Unbilden des Lebens zufrieden zu sein - jedoch unmöglich glücklich!

Das Wort ist Fleisch geworden

Diesen ziemlich handfesten Satz finden wir im sogenannten Prolog des Johannesevangeliums, dem letzten in der vierer Reihe der Evangelien.

 

Unzählige Male habe ich diesen Satz schon gehört - kommt er doch grad in der Weihnachtszeit sehr oft vor (vor allem in unserm Stundengebet) - doch noch nie hat er mich so intensiv gepackt, wie dieses Jahr, als ich ihn erneut hörte - und erst so richtig wahrnahm!

Er lässt sich nämlich nicht ausschliesslich auf die Menschwerdung Jesu und das Weihnachtsgeheimnis anwenden und beziehen. Sein eigentliches Gewicht erhält er erst, wenn man ihm eine umfassende Dimension gibt:

 

dann bedeutet es nämlich: Gottes Worte sind weder Luftschlösser, noch leere Hülsen - nein, sie sind eine reale, greifbare Wirklichkeit, sogar nahrhafte Wirklichkeit.

 

Dieser Existenzkraft des Wortes Gottes begegnen wir schon in der Schöpfungsgeschichte, wo es Tag für Tag immer wieder heisst:

Gott sprach - und es wurde

 

Gottes Wort ist Samenwort!

 

Und beim Propheten Jesaja heisst es (55, 11 f), dass Gottes Wort bewirkt, wozu es ausgesandt wurde und nicht leer zu ihm zurückkehrt.

 

Gottes Wort ein ‚Ziel gerichtetes‘ und ein wirkmächtiges Wort!

Es will sein Ziel auch in mir erreichen und in mir Wurzel schlagen - Es ist wie in der Natur:

ein guter Wurzelgrund gibt immer auch Halt. So kann das Wort nicht nur herausfordern, sondern ebenso trösten.

Ich muss es dabei nicht ‚zerpflücken‘, ein stetes Kauen, bis es tief ins Herz dringt und die Seele tränkt, genügt. - Ein ‚Verstehen‘ ergibt sich, das jenseits von Verstand ist - auch wenn dieser durchaus mitunter Steigbügelhalter sein kann, um überhaupt ‚auf das Pferd‘ zu kommen! - Doch wenn man ‚oben‘ ist, sich vom Wort tragen lassen.

 

Ein solches Wort ist für mich (zum Beispiel) der offene Himmel, jener Himmel, der bei der Taufe Jesu aufreisst - und seither für uns alle offen steht.

Der Zuspruch Gottes ‚das ist mein geliebter Sohn‘ gilt für jeden und jede von uns: wir sind Söhne und Töchter Gottes, seit Jesus selbst Fleisch geworden ist - menschliche Realität sich nicht einfach überstülpte, sondern ganz hinein ging, es in allen Dimensionen lebte - und durchlitt.

 

Wo immer ich mich ganz auf dieses Kindsein einlassen kann, falle ich in den offenen Himmel Gottes, wo ich von seiner Liebe aufgefangen und umfangen werde.

Das Schwere, das mir trotzdem immer wieder zugemutet wird, kann dabei Chance und Schule sein, um Wachstum zuzulassen, neue Sichten und Ein-sichten einzuüben, um (in Anlehnung an Alfred Delp SJ) bis zum ‚Brennpunkt‘ vorzudringen, ‚wo alles aus Gott hervor quillt‘.

 

Prozesse brauchen Zeit - ob es nun Worte sind, die mich durchwirken wollen, Einsichten, die zaghaft ihre Wurzeln ausstrecken oder anderes.

Diese Zeit müssen wir uns gönnen - nicht zu früh und unbedacht zur Tagesordnung übergehen - den Mut haben, um bis zum Brennpunkt vorzudringen, wo einem Flügel wachsen, die einen in eine neue Dimension heben können. - Begleitet vom Wort Gottes, das Geländer in unwegsamem Gebiet und Taschenlampe in der Nacht sein will. Und so auch den Mut haben, ein Licht anzuzünden, das man vielleicht nicht versteht, das man aber immer wieder in die Nacht hineinhält, bis einem ein inneres Leuchten aufgeht, ein Wissen, das so umfassend ist, dass es nicht mehr verstanden werden kann….

Wir dürfen Gott beim Wort nehmen - denn es ist Fleisch und so unser Wegbegleiter geworden!

Diese Erfahrung wünsche ich uns allen.

In der Waschküche

Unlängst stand ich im Raum, wo wir unsere Wäsche vorsortieren und verteilte meine Schmutzwäsche in die betreffenden Körbe. Eine ältere Mitschwester stiess dazu - wir sortierten im Duett. - Plötzlich lachte sie und sagte trocken ‚Jüngstes Gericht.‘ Meine Stirne kräuselte sich… ?! Doch dann wurde mir ihre Intention klar, ich fragte zurück: ‚Meinst Du, weil wir dann auch sortiert werden?‘ Sie lachte und erwiderte ‚Ja‘. Schweigend hielten wir also ‚Jüngstes Gericht‘ über unsere Wäsche - als mich unversehens ein Geistesblitz traf:

‚Aber schau mal: gekocht wird nur die weisse Wäsche - die schwarze kommt in den Schongang!‘

 

Ja, könnte dieser Geistesblitz nicht auch ein Licht auf Gottes Barmherzigkeit werfen? Seinen Umgang mit den Sündern? Seine Langmut, die den Menschen heimlieben und nicht vernichten will? Warum sonst wäre Gott Mensch geworden?

 

Dieses Vertrauen in seine unermessliche Liebe ist kein Freipass für Gleichgültigkeit, sondern eine Brücke zur Neuwerdung:

Ich darf mit allem, was sich da in mir ansammelt an Müll zu ihm kommen, seinen Segen, sein Licht und seine Hilfe erbitten.

Auch wenn wir nie sündenfrei sein können (und es auch nicht sein müssen), so können wir uns doch um immer mehr Klarheit, Wahrheit und Ganzheit in unserm Herzen, unsrer Seele und in unserm Leben und Miteinander mühen.

Es geht nicht um Spitzensport und Perfektion, wir brauchen nichts er-leisten und verdienen. Die Wachheit, mit der wir unser Leben mit Gespür zu gestalten versuchen, wird dem Leben Tiefgang und Weite geben. Wir schlittern nicht mehr durch die Tage, wie auf Glatteis. Dieses Gespür wird auch unsern Umgang mit dem und unseren Zugang zum Andern verändern. - Und Ebenso zu uns: die Bereitschaft, sich immer wieder in die Barmherzigkeit Gottes zu stellen, sollte und wird uns barmherziger werden lassen - uns und den Nächsten gegenüber. Die Erfahrung, dass Barmherzigkeit letztendlich immer Geschenk ist, wird einen selbst grosszügiger machen, davon bin ich überzeugt!

 

Die selige Mariam von Abellin soll einmal in einer Vision gesehen haben, dass besonders jene Bäume schön und kräftig in den Himmel wachsen, die am meisten Mist hatten…

- Auch dieses Bild ist kein Freipass, denn: die Bäume wachsen in den Himmel. - Wer sich in und mit allem Mist nicht immer wieder zum Himmel hin ausstreckt, wird wohl eher vom Unrat vergiftet als gedüngt… - Die Richtung muss stimmen:

nicht selbstverliebt oder selbstmitleidig um sich und seine Armseligkeiten kreisen, auch nicht resigniert oder gleichgültig sich vergraben: sondern immer wieder neu das Herz zum Himmel strecken - und den Regen der Barmherzigkeit über sich erfahren, der alles abwäscht - und so den Mist in die Erde spült, wo er verwandelt wird. -

Vielleicht erleben wir so wenig Wunder der Errettung, weil wir zu oft uns selbst genügen oder meinen, selbst fertig werden zu müssen mit den Lasten.

Vielleicht wäre diese ‚Barmherzigkeitsdusche‘ hilfreicher, als die Neujahrsvorsätze, die bereits anderntags veraltet und vergessen sind….

Ja, der Himmel steht offen - und wartet, dass wir in ihn hinein fallen - und alles gut werden und sein kann!

 

Ich wünsche Ihnen zum neuen Jahr dieses Erfahrung: In und mit allem geliebt - vom Himmel umarmt zu sein.

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