Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das Gef├Ąss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen ├Ąlteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

Die Texte des eben vergangenen Jahres können Sie mit Klick auf den Button hier downloaden:

Texte-Jahrgang-20
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Vom Geist in die Wüste und vom Teufel in Versuchung geführt

In allen drei synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) lesen wir davon, wie Jesus nach seiner Taufe vom Geist in die Wüste geführt und dort vom Teufel versucht wurde. Markus ist in seiner Schilderung der Zurückhaltende, der nur die Tatsache als solches bringt, die andern beiden Evangelisten sind da sehr ausführlich im Bericht.

 

Jesus erfährt sich also in der Taufe als ‚der geliebte Sohn des Vaters‘, der Himmel über ihm steht gleichsam offen.

 

Fühlen wir uns in eine solche Sternstunde ein, dann wissen wir, wie beflügelnd solche Erfahrungen sind! Wie sehr man danach gleichsam ‚in Seligkeit badet‘.  Man könnte die Welt umarmen, Bäume ausreissen, die Sterne vom Himmel holen… oder was auch immer!

 

In dieser (möglichen) Stimmung also wird Jesus vom Geist in die Wüste geführt. WAS erwarten wir von der Führung des Geistes? - Einen Gang in die WÜSTE und dort VERSUCHUNG?! - Wohl kaum! Fast möchte man fragen, ob das nun nicht eine abgekartete Sache ist! Ein ziemlich schmutziger Deal?!
- Doch so kann es wohl kaum gemeint und beabsichtigt sein… - müssten wir sonst nicht an Gott zweifeln, gar ver-zweifeln, wenn er mit uns ein solches Spiel triebe:
•    Zunächst: geliebter Sohn - geliebte Tochter
•    dann: dem Teufel (zum Frass) vorgeworfen

 

Wie könnte beides (Führung des Geistes und Versuchung des Teufels) sonst noch zusammengehen?

 

Da ist einmal die Wüste. - Sie ist Ort der Reduktion und Kargheit par excellence, ein Zurückgeworfen-sein auf sich selbst, dem Leben und Über-leben ausgeliefert. 
Die Wüste ist ebenso der Ort von Oase und Fata Morgana - Erquickung und Täuschung.
Hier geschieht:
•    Selbstbegegnung
•    Selbsterkenntnis
•    Selbstoffenbarung
•    Selbsttäuschung

 

Hier kann sich verwurzeln und läutern, was Jesus zuvor in der Taufe als offener Himmel und Anruf erfahren hat:
Sohn Gottes zu sein.

 

Ist es nicht oft so, dass wir grad in Momenten der Euphorie den Boden unter den Füssen verlieren, uns überschätzen, irgendwie aus dem Lot kommen? Den Blick für die Realität verlieren?

 

Mit sich allein in der Wüste wird Verwiesenheit existenziell erfahren. Mit sich allein zu sein, ist nicht per se das Paradies und der Himmel auf Erden:
•    Wenn keiner mehr da ist, der mich ärgert - muss ich erfahren, dass es trotzdem Grund zum Ärgern zu geben scheint, der mich aus den Untiefen der Seelenfalten anschleicht…
•    Wenn Glück nicht mehr ans Aussen delegiert werden kann, muss es sich in denselben Untiefen der Seelenfalten verkrochen haben…


Wüste ist somit ein sehr ambivalenter Ort - ausgespannt zwischen den beiden Polen von Plus und Minus… 


Jesus hat sich selbst darin in der Mitte gefunden, somit zeigt die Versuchung deutlich, dass er in sich und im Eigentlich ruht und verankert ist - 
•    nicht auf die Schnelle Brot machen, um den leeren Magen zu füllen…
•    nicht (s)ein grosses Gottvertrauen spektakulär unter Beweise  stellen …
•    keinen Deal eingehen, um seinen eigenen Grössenwahnsinn zu befriedigen und zu füttern…

…und all dies nur, um sich zu beweisen und zu legitimieren (der Teufel wäre kaum darauf eingestiegen und hätte nur hämisch gegrinst…).

 

So gesehen, kann es auch uns passieren, dass wir uns dem Hl. Geist anvertrauen - und unversehens statt im Paradies in der Wüste landen! - Und das wäre dann DIE Chance, zum Eigentlichen und Wirklichen durchzufinden. 
So gesehen sind so genannte ‚Versuchungen‘ Lernfelder zur eigenen Reifung und Befähigung.
So gesehen, ist der Alltag jene Wüste, die bestanden werden will
und so gesehen, ist alles was mich ‚versucht‘ und ‚fordert‘ eine Art von Selbst-Prüfung:
•    was ist mir wichtig
•    worauf baue ich


Führung durch den Heiligen Geist hat viele Facetten, ebenso ‚Versuchung‘.
Es gilt daher auch zu prüfen, ist die Situation, die mich zurzeit ‚mahlt‘ eine Auf-gabe, der ich mich zu stellen habe - oder bin ich dahinein geraten, weil ich mich eben einer anstehenden Aufgabe verweigert habe?
- Wie immer die Antwort ausfallen mag, um die Kraft, das Licht und die bleibende Führung des Geistes Gottes kann ich stets bitten und beten - in der Gewissheit, dass auch ich stets geliebte Tochter, geliebter Sohn Gottes bin.

IM Anfang

Das erste Buch der Bibel beginnt mit der kurzen Feststellung:
IM Anfang schuf Gott Himmel und Erde (Gen 1, 1)

 

und das Evangelium von Johannes wird ebenfalls mit einer prägnanten Feststellung eröffnet:
IM Anfang war das Wort (Joh 1,1) 
einen Vers weiter wird dann angefügt:
IM Anfang war es bei Gott (Joh 1,2)

 

Dieses IM hat mich in diesem Jahr ‚gepackt‘. - Es heisst eben NICHT AM - sondern: IM.
Es gibt also quasi im Anfang drin noch etwas - kein davor, sondern darin - wie ein Keimling im Samen steckt, die ganze Potenz des Baumes schon anwesend!

 

Ähnliches erlebe ich beim Komponieren:
wenn das Stück, das in mir schlummerte, um das ich rang, reif ist, dann spüre ich, dass in der ersten Note schon die ganze Musik anwesend ist und klingt - es ist dieses Paradox:
im Beginnen bereits vom Anfang umschlossen zu sein!

 

Es ist für mich zugleich wie eine Verheissung, dass ich, dass wir alle mit unsern Anfängen letztendlich nicht von vorne anfangen - sondern schon umfangen sind von dem, was im Beginnen keimhaft angelegt ist.

 

Das mag auch fürs neue Jahr und Kommende Zuversicht schenken:
es kann nie ein Beginnen bei null sein - das Danach lebt immer vom Davor - auch das Neue kommt nicht aus dem Nichts, baut auf dem Vorhergehenden auf - selbst dann, wenn es sich in eine neue Richtung und Dimension hinein entwickelt.
- Denn: Neues-wollen braucht ja immer den Impuls einer Erkenntnis - und selbst wenn sie einen scheinbar aus dem (Geist erfüllten) Nichts überkommt - hat sie ihren Wurzelgrund im Bestehenden - und dann mag das Vergangene sozusagen der Humus und Kompost des Neuen sein.

 

So wünsche ich Ihnen und uns allen,
dass wir uns in unserm Beginnen vom Uranfang umfangen wissen:
von Gott der eben auch nicht vor sondern im Anfang - und somit ewig war, ist und sein wird - ohne Anfang und ohne Ende - und wir in IHM durch Teilhabe:


Mögen unsere Anfänge umfangen sein von der Ewigkeit - und darin behütet von Gott.

distanzlos

Gott ist und bleibt distanzlos - 
auch in diesem Jahr.
Er geht unter die Haut -
unter Menschenhaut -
fleischt sich ein -
wird wie Du und Ich.

 

Nicht bloss eine Zusage aus brennendem Dornbusch
‚Ich bin da‘,
Nein:
Mensch geworden,
ins Stroh unseres Alltages gelegt:


Ich bin nicht nur und einfach da -
Ich gehe alle Weg mit -
Ich kenne jeden Winkel des Lebens.
Das Menschsein mit Haut und Haar!

 

Wisse:
jeden Schmerz,
den Du kennst, hab auch ich gelitten,
jede Träne,
die Du weinst hab auch ich geweint.

 

- und bin doch geblieben -
und bleibe ewig -
und komme immer wieder.

 

Ob Du in diesem Jahr mein Klopfen besser hörst,
weil die Lieder verstummt,
die Musik leiser,
das Lachen und Plaudern weniger geworden ist?

 

Mein Geschenk
ist das Leben selbst -
das ich mit Dir teilen will.
Ich bin Dir nah -
Gott MIT Dir,
Gott FÜR Dich,
in allem pulsiert
mein Leben.

 

So wünsche ich Ihnen, dass Weihnachten zu einem lichtvollen und hoffnungsfrohen Fest werde, wo wir das Leben in seiner Nacktheit und Ungeschütztheit feiern und uns von ihm beschenken lassen. Gottes Nähe ist uns zugesagt - und die brauchen wir nötiger denn je! Da kommt Weihnachten als Angebot und Zusage Gottes grad richtig:
Eine gesegnete Festzeit - Gottes voll!

erwählt

Der offizielle Titel des Festes, das war am 8. Dezember alljährlich begehen, heisst  etwas sperrig:
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria 

 

Manche/r reibt sich etwas verwundert die Augen, denn manch einem ist nicht ganz klar, was da eigentlich und warum gefeiert wird… Und gar schnell werden daher auch ziemlich abwegige Schlüsse gezogen - die in manchen Fällen weder etwas mit dem Festgeheimnis noch mit unserem konkreten Leben zu tun haben!
In einigen Pfarreiblättern wird daher schlicht auf ‚Erwählung Mariens‘ ausgewichen - etwas, das für ‚moderne Geister‘ wohl eher verständlich ist - und doch irgendwie ‚gar verkürzt‘ klingt...

 

Trotzdem:
Ich denke, wir sollten dem sperrigen Titel und seiner implizierten Aussage nicht ausweichen. Wenn wir darüber nachdenken, finden wir tatsächlich im ‚Kurztitel‘ den Anknüpfungspunkt zu unserem Leben:

 

Das Leben Mariens begann auf ‚natürlichem Wege‘, wie unser aller Leben. Das ist das eine. Das andere aber ist die besondere Erwählung, die schon im ersten Augenblick gegeben war: dass da ein Mensch heran reift, der nicht diesen Drall und Drang zur Sünde in sich hat, diese Verfallenheit hin zu Egoismus, Rücksichtlosigkeit, Sünde - ja, auch mit dem ‚Nein‘ zu Gott, seinem Plan und Willen.
Trotzdem ist Maria in ihrem freien Willen keineswegs ‚amputiert‘: ohne Sündverfallenheit ist sie keineswegs so ‚gottverfallen‘, dass sie blosse Marionette wäre!
Gerade das Evangelium, das an diesem Festtag verkündet wird, hebt es ins Bild und Wort:
Lk 1, 26 -38 spinnt die Geschichte der Erwählung von Anbeginn gleichsam weiter - Erwählung wird zur Aus-erwählung, Maria soll Mutter des Sohnes Gottes werden.
Und da kommt für mich das Überraschende, das Wunderbare zum Zuge:
Maria ist und bleibt eine eigenständig denkende, junge Frau, die Fragen stellt, nicht einfach und sofort Ja ruft - noch mehr:
Gott will sogar ihre freie Entscheidung!
Sie darf Fragen stellen, nachhaken, tiefer bohren. All das ist erlaubt - und schmälert ihre Hingabe keineswegs. Mariens Hingabe ist ‚trotz und mit Sündenlosigkeit‘ nicht einfach vorgespurt als Kadavergehorsam. Mariens Hingabe ist quasi ‚dialogische Hingabe‘, die verstehen will, was sie mitträgt, um es dann aus noch tieferem, selbst-bewussterem Hin-geben zu leben. Das Magnificat, das wir wenig später im selben Kapitel lesen (46ff) schlägt diese Töne des aufrechten Ganges an - und das in Demut und Bescheidenheit.

 

Wo aber liegt der Verknüpfungspunkt für uns?
Die Verknüpfung finde ich IN DER TAUFE.
Taufe ist ebenfalls Erwählung - und wenn wir sie als Baby empfangen haben - ist es Gottes Unterschrift unter einen Blankocheck - ohne unsere Vorleistung - einfach: Geschenk und Gnade.
Da beginnt die Geschichte Gottes mit uns, Seine grossen Pläne für uns - wir werden Tempel Gottes, dessen Antlitz wir schon immer trugen.
Und wir schreiben diese Geschichte aktiv mit - in Hingabe aus freiem Willen. - Die Taufe rüstet uns genauso aus, wie Maria durch die Bewahrung ausgerüstet war.
Nur… leider, leider…. leben wir ihre Offenheit auf Gott hin nicht immer. Wir verschliessen mal mehr, mal weniger unser Herz vor Gottes Willen, haben ‚bessere‘ Pläne als er, Wege, die uns angenehmer dünken… - Und Gott achtet die uns von ihm geschenkte Freiheit - und nicht nur das:
weil der Mensch, die Sehnsucht Gottes ist, baut Gott immer wieder Brücken der Liebe zur Heimkehr.

 

So können wir am 8.12. nicht nur der besonderen Erwählung Mariens gedenken, sondern uns ebenso an unsere Taufe erinnern. Dabei dürfen wir nebst allem Guten und Schönen, auch alle Um- und Irrwege in den Blick nehmen - und uns wieder voll Zuversicht in Gottes Arme werfen - der uns so sehr liebt, dass er Mensch werden wollte. - Und sich durch Maria unauslöschlich in die Geschichte der Menschen einbrannte.

 

Gott hat uns erwählt - aus diesem Bewusstsein dürfen wir unser Leben gestalten - und dieses Geschenk der Erwählung dürfen wir mit Maria am 8. Dezember in besonderer Weise dankbar feiern!

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