Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das GefÀss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen Àlteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

Maria Himmelfahrt

Ein Festtitel, der uns (moderne, aufgeklĂ€rte) Menschen wahrscheinlich eher befremdet und recht antiquiert anmutet. Mit dem wir wohl unsere liebe VerstĂ€ndnismĂŒhe haben
 Wie kann man heute noch an so etwas glauben?

 

Ein SchlĂŒsselwort liegt bereits in der Frage:

glauben.

Glauben hat nichts zu tun mit erklĂ€ren und noch weniger mit verstehen, was ich ‚glaube‘, braucht nicht bewiesen zu werden - und kann es oft auch gar nicht!

 

Gerade bei den ‚Glaubensaussagen‘, die in einem Festgeheimnis liegen, wird in einem Bild eine tiefere Wahrheit und Weisheit vermittelt - eben ein Geheimnis, das sich nur dem Glauben und dem Herzen ent-schlĂŒsselt.

 

Was könnte uns in dieser Hinsicht das Fest ‚Maria Himmelfahrt‘ sagen?

Zum  einen empfinde ich es als ein österliches Fest - ein österliches Fest in der Höhe des Sommers. Da mag es uns eine Verheissung und ein Versprechen sein, dass auch auf uns die FĂŒlle des Lebens wartet - gerade in der ErfĂŒllung des Lebens - am Zenit unserer eigenen Zeit.

 

Gleichzeitig ist ‚Himmelfahrt‘ nicht machbar - Vollendung des Lebens, aufgenommen und aufgehoben sein in der Vollendung und FĂŒlle Gottes ist Geschenk. - Alles Wesentliche erwartet uns letztendlich und ist nicht machbar. Wir können uns danach ausstrecken, können uns darum auch mĂŒhen, entsprechende Initiativen ergreifen - uns auf das Ziel hin bewegen - doch letztendlich sind es Gottes Arme, die uns in den Himmel ziehen.

 

Maria Himmelfahrt - Ostern Mariens - Ernte Mariens.

 

Ja, auch wir werden einst in unser Ostern hinein sterben - und gleichsam von Gott geerntet werden.

In Christus wurde der Weg zum Himmel ein fĂŒr alle Mal gebahnt - und in Maria folgt quasi die Unterschrift, die Beglaubigung und BestĂ€tigung:

Jede und jeder ist ein Kind des Himmels.

Der Himmel - GOTT - wartet auf uns -  aufeine jede - und einen jeden von uns!

 

Maria Himmelfahrt - ein Fest der Ermutigung, dass jedes Leben ein Ziel und einen Sinn hat, eine Vollendung und eine FĂŒlle.

 

So wĂŒnsche Ich uns allen die Freude dieser Zuversicht - dass sie uns genau dann FlĂŒgel wachsen lĂ€sst, wenn das Blei an den Sohlen den Gang gar schwer und beschwerlich macht - dass wir uns immer wieder nach dem Himmel ausstrecken - und einander Himmelsbegleiter*Innen sind.

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Das Bedeutsame

Ich sinniere ĂŒber bedeutsame Ereignisse in meinem Leben, bedeutsame Begegnungen, bedeutsame Orte 
 und wĂ€hrend ich so am Bedeutsamen herum studiere und mich davon beschenken lasse, fĂ€llt mir plötzlich das Wort im Wort auf:

 

das BedeutSAME.

 

Ja, ist nicht all das Bedeutsame tatsÀchlich SAME? -

 

  • bedeutsame Ereignisse, die Hoffnung keimen und neue Perspektiven wachsen lassen;
  • bedeutsame Begegnungen, die das Gute sĂ€en und wecken, Weichen in eine neue Zukunft stellen;
  • bedeutsame Orte, an denen Heimat und Geborgenheit spĂŒrbar werden und sich einwurzeln.

 

Und da gibt es noch eine ganze Reihen von ‚Samenwörtern‘!:

  • das Heilsame - das in sich die Saat von Heilung trĂ€gt
  • das Wundersame - das einen staunen macht und auf das je Grössere hin öffnet
  • das Seltsame - das einen neugierig auf der Spur sein lĂ€sst

 

Voll Staunen schau ich auf meinen Seelengarten mit den vielen bunten GewĂ€chsen - aus einer FĂŒlle von Samen, die ĂŒber die Jahre hinweg gesĂ€t wurden, in bedeutSAMEN Ereignissen, Begegnungen und Orten, - die keimten und wuchsen - das eine oder andere schon eine stattliche Pflanze, die die ersten verwegenen FrĂŒchte im FrĂŒhsommer tragen


 

Spannend vor allem, was letztendlich als bedeutsam empfunden wird - es ist nicht immer vordergrĂŒndig auszumachen; eben: es hat still verborgene SamenqualitĂ€t. Und wenn ich so das Gewachsene betrachte und seinen Weg in meinen Lebens/Seelengarten zurĂŒckverfolge, staune ich, wie manch Unscheinbares letztendlich und geheimnisvoll zum BeudeutSAMEN in meinem Leben wurde.

 

Und wie ist es bei Ihnen?

Daseinsberechtigung IST

Egal, ob ich bereits im Mutterschoss erwartet und gewollt war: Daseinsberechtigung IST.

Egal, ob die Geburt zum Todeskampf wurde: Daseinsberechtigung IST.

Egal, ob die Kindheit, den Geschmack der Hölle in sich trug: Daseinsberechtigung IST.

Egal, ob
: Daseinsberechtigung IST.

 

Allein dass ich bin, legitimiert meine Daseinsberechtigung!

 

Daseinsberechtigung wird nicht erworben, nicht verdient, muss nicht erkÀmpft, nicht gerechtfertigt werden:

Daseinsberechtigung IST.

 

Selbst jenen Geschöpfen, die aus welchen GrĂŒnden auch immer, das Geborenwerden nicht gelang oder verweigert wurde, haben ihre Daseinsberechtigung - denn alles, das je gezeugt wurde, ist gezeugt aus Gottes Ja zum Leben und Gottes Liebe zum Lebendigen. Nichts kann verloren sein, nichts verloren werden, denn alles fliesst zurĂŒck in den Urgrund und Urquell des Lebens. Gottes Liebe und Barmherzigkeit umfĂ€ngt letztendlich alles - und alles, was aus dem Leben fĂ€llt, fĂ€llt in Gottes Ewigkeit hinein.

 

Daseinsberechtigung IST.

Es ist mitunter ein langer, steiniger Leidensweg bis zu dieser beglĂŒckenden Erkenntnis: Daseinsberechtigung IST.

- und das Leben selbst, die eigene Existenz wird als Geschenk erfahren - nicht nur fĂŒr sich - sondern an die Welt.

 

Daseinsberechtigung IST.

- Diese Erfahrung wĂŒnsche ich uns allen immer je neu - besonders all jenen, die bisher ihre Daseinsberechtigung erlitten und nicht gefeiert haben.

 

Dieses Bewusstsein wischt die Schmerzen und die Not nicht vom Tisch - aber verleiht ihnen FlĂŒgel! - Und das ist der Trost in allem, dies unverbrĂŒchlich:

Daseinsberechtigung IST.

Pastorale Kompetenz

Neulich bin ich ĂŒber diesen fĂŒr mich faszinierenden Begriff gestolpert! Von ‚sozialer Kompetenz‘ (mitunter Intelligenz) wird allenthalben gesprochen, sie wird vermisst und auf den Schild notwendiger Allgemeinbildung gehoben.

Doch:

Pastorale Kompetenz?

Noch nie gehört?!

Ich auch nicht - wie gesagt - der Begriff stand in einem Text wie ein Widerhaken - und ich hab mich dran verfangen und an ihm weiter gesponnen, ihn ausgemalt in den buntesten Farben!

 

Pastorale Kompetenz:

was könnte das konkret heissen?

 

Bedeutet es nicht vielleicht, dass wir ‚Hirten-QualitĂ€ten‘ entwickeln und leben sollten?

Ich weiss, Hirtendasein und SchÀferidylle werden oft synonym verwendet - was der RealitÀt wohl kaum entspricht.

 

Werfen wir einen Blick in die Bibel finden sich dort HirtenqualitÀten in vielfÀltige Weise geschildert:

 

  •    etwa der sehr bekannte Psalm 23, der den Herrn als Hirten schildert und das versorgte Wohnen bei ihm
  •    in Ezechiel (Hesekiel) Kapitel 34 die Drohworte gegen die schlechten Hirten und das Wirken des guten Hirten als Gegenbild
  •    das verlorene und gesuchte Schaf bei Lukas (15, 1ff)
  •    die Identifikation Jesu mit dem guten Hirten (Joh 10, 1-6. 11ff)

- um nur ein paar wenige (und bekannte) Stellen zu zitieren.

 

‚HirtenqualitĂ€ten‘ könnte somit bedeuten:

  •    fĂŒrsorglichen und selbstvergessenen Dienst fĂŒr andere
  •    jeden einzeln und mit Namen kennen
  •    zugewandtes, mitunter suchendes Dasein
  •    fĂŒr den/die Anvertrauten einstehen
  •    Ausschau halten nach guter Weide
  •    Risiko minimieren
  •    fĂŒr die Schwachen einstehen und Partei ergreifen
  •    


 

Doch wie erwĂ€hnt: Hirtendasein hat nicht unbedingt und per se mit ‚SchĂ€feridylle‘ aus der Romantik etwas gemein, da gibt es manch Widerborstiges - Angriffe von Aussen, Davonlaufen von Innen - nicht jeden und alles kann man halten, manch Verlorenes muss gesucht werden - mitunter mit dem Risiko, die andern sich selbst zu ĂŒberlassen.

 

Zudem wĂ€re es allzu einseitig, ‚pastorale Kompetenz‘ nur an andern zu ĂŒben!

Wir brauchen dieselbe ‚pastorale Kompetenz‘ auch uns selbst und dem Leben gegenĂŒber:

 

Wer oder was braucht gerade jetzt meine Zu-Wendung, meine FĂŒr-sorge?

 

So bedeutet ‚Pastorale Kompetenz‘, ein GespĂŒr fĂŒr den rechten Augenblick und das angemessene Tun zu entwickeln. Und dieses GespĂŒr schliesst gleichsam automatisch ein Leben in neugieriger, offener und zugewandter Achtsamkeit voraus und schliesst es mit ein.

 

Vielleicht lohnt es sich, sich mit den angegebenen Bibelstellen einmal wĂ€hrend der Ferien auseinander zu setzen und sich selbst in diesem Spiegel zu betrachten - wir können vielleicht Überraschendes ent-decken.

 

Ich wĂŒnsche uns jedenfalls ‚pastorale‘ Kompetenz - fĂŒr uns und andere!

Ressourcen-orientiert denken

        Alles kann zur Quelle werden, zur Quelle:  

  •          von Erkenntnis
  •         von Neuanfang
  •         von VerĂ€nderung
  •         von


 

Wer Ressourcen-orientiert denkt, bleibt nicht beim VordergrĂŒndigen stehen - fragt nach dem ‚Hinter-grĂŒndigen‘, nach dem Dazwischen und Darinnen.

Oft genug bleiben wir stehen bei dem, was faktisch ist - doch eben: auch Fakten tÀuschen oft genug. Hinter Ereignissen, Emotionen, Erfahrungen kann sich noch etwas ganz anderes verbergen!

Ressourcen-orientiert denken heisst demnach, zu graben nach der Quelle; zu fragen, wozu etwas gut sein könnte, worauf es mich vielleicht hinweisen möchte, was es vielleicht verdeckt.

Damit wĂ€chst (automatisch) eine Haltung von Neugier und Offenheit - die ‚KampfmentalitĂ€t‘ hat keine Chance, die gegen Unliebsames anrennt und am liebsten alles, was nicht in die eigenen Vorstellungen, PlĂ€ne und WĂŒnsche passt, ausmerzen wĂŒrde.

Manches von dem, was ich an mir und in meinem Leben bis anhin abgelehnt hatte, wurde mir zu einer Offenbarung - und so zu einer TĂŒre, die mich in neue Dimensionen fĂŒhrte. Das ‚Hinter-grĂŒndige‘ spricht in leisen Tönen eine ganz andere Sprache - meist eine bedĂŒrftige und verletzliche, die durch das ‚Vorder-grĂŒndige‘ oft genug kaschiert wird. - Auch wenn beides ‚grĂŒndet‘, grĂŒndet das Hinter-grĂŒndige tiefer und bietet so letztendlich mehr Wurzel- und GrĂŒnkraft.

Es ist spannend, ressourcen-orientiert zu denken - es verbessert grundsĂ€tzlich die Innen- und AussenatmosphĂ€re! Die Quelle, die dabei frei gelegt wird, erfrischt und trĂ€nkt zugleich das Leben, und gibt dem Positiven die ihm gebĂŒhrende Chance, sich auch zu verwirklichen.

Ressourcen-orientiert denken, ist nicht zu verwechseln mit einem blossen ‚keep smiling‘ oder einer rosa Brille. Es ist durchaus ‚Arbeit‘ und ‚Auseinandersetzung‘. Es will den Vorhang heben - nebst Neugier und Offenheit braucht es auch und gerade Ehrlichkeit. - Manches Wasser mag anfĂ€nglich bitter und ungewohnt schmecken, ehe es zur lebenspendenden Quelle wird. - Aber es lohnt sich!

IdentitÀt

Was ist die IdentitÀt eines Menschen? Was macht ihn unverwechselbar?

 

Ostern gibt darauf eine ganz eigene Antwort, die vielleicht ĂŒberraschen mag!:

 

Es sind die Wunden.- Und das Brechen des Brotes.

 

Diese zwei Kennzeichen sind Jesu IdentitÀt nach seiner Auferstehung: entweder wird er beim Brechen des Brotes erkannt oder er zeigt seine Wunden.

 

Was der Mensch gelitten, macht ihn unverwechselbar! Es wird nach dem Tod nicht einfach ausradiert, der Tod macht nicht alles ‚schön‘ und ‚clean‘ - wir bleiben die vom Leben Gezeichneten, die vom Leben Verwundeten!

FĂŒr die meisten werden die Lebenswunden kaum so drastisch sichtbar sein wie bei Jesus - doch tragen wir alle unsere Blessuren, keiner kommt unbeschadet durchs Leben.

 

Jesus zeigt als Auferstandener seine Wunden - nicht als Vorwurf oder (An)Klage an seine JĂŒnger, sondern als Zeichen seiner IdentitĂ€t, als Beweis, dass er es ist.

 

Gerade durch das, was wir leiden, was uns zu tragen und zu bewĂ€ltigen entgegen kommt, reifen wir in eine neue Dimension von Leben. Wenn es nicht mehr rund und glatt lĂ€uft, sind wir heraus gefordert, die Wurzeln tiefer einzusenken, uns intensiver mit dem Woher und Wohin auseinander zu setzen. Das, was uns und das Leben in Frage stellt, will letztendlich das Leben wecken - in welcher Form auch immer. Es sind schmerzhafte Prozesse, die einen an die Grenzen und mitunter darĂŒber hinaus drĂ€ngen. Doch gerade in dieser Enge kann uns das Eigentliche und Wesentliche aufgehen - und darin Befreiung hin zum Leben.

 

Doch: WAS ist Leben?! - Stecken wir nicht viel zu oft und viel zu sehr fest in Konventionen und ZwĂ€ngen, in all den ‚man-mĂŒsste‘, die einem von aussen aufgezwĂ€ngt und diktiert werden, damit ‚man‘ dazu gehört
??? Ist die QualitĂ€t des Lebens an Likes zu messen? Ist es nur dann hipp, wenn es toll lĂ€uft? Darf man noch weinen und trauern, depressiv und verletzt sein und doch dazu gehören?! Oder muss man das alles verstecken, ausblenden und ĂŒberspielen?

 

Die Antwort von Ostern ist eindeutig:

wir feiern einen Menschen, der den Tod zwar ĂŒberwunden hat - aber letztendlich der Verwundete bleibt. - Vielleicht könnte uns das nachdenklich stimmen - aber auch mit Hoffnung und Trost erfĂŒllen.

Hagar-Situationen

Kennen Sie in Ihrem Leben auch ‚Hagar-Situationen‘?

Vielleicht runzeln Sie nun die Stirne, da Sie den Begriff noch nie gehört hatten - und es rattert mĂ€chtig im Hirnarchiv, um den Begriff aus der richtigen Schublade zu fischen
.

 

Hagar ist eine Figur, die uns aus dem Ersten Testament ĂŒberkommen ist (1. Mose/Genesis 16 1ff). Als Magd Sarai’s wurde sie von dieser Abram ĂŒbergeben, damit Sarai wenigstens ĂŒber diesen Weg doch noch zu einem Stammhalter kommt. Die ErfĂŒllung der Verheissung Gottes, Nachkommenschaft zu erhalten, liess doch allzu lange auf sich warten. 
es könnte ja nicht von Schaden sein, ein wenig die Initiative zu ergreifen und an den nötigen SchrĂ€ubchen zu drehen
.

 

Gestalten aus der Bibel sind immer auch Identifikationsfiguren. Mit ihnen lÀsst sich mitunter eine schwierige Situation leichter verstehen, neu deuten und anders gestalten.

Hagar ist fĂŒr mich ĂŒberraschend zu so einer ‚Schablone‘ geworden.

 

Nachdem Hagar tatsĂ€chlich schwanger geworden ist, fĂŒhlt sie sich als Magd ihrer Herrin ĂŒberlegen - und lĂ€sst sie das entsprechend fĂŒhlen. Diese aber reagiert nicht gerade zimperlich. - Am Schluss wirft Hagar den Bettel hin und haut kopflos ab. Weit kommt sie allerdings nicht. Desorientiert und unvorbereitet kapituliert sie an einer Quelle, wo der Engel des Herrn sie findet und anspricht. - Gott jedoch hat kein billiges Mitleid fĂŒr die Gestrandete! Vielmehr schickt er sie zurĂŒck, heisst sie, die harte Behandlung zu ertragen - aber, er sendet sie nicht ohne Verheissung.

 

In jedem Leben gibt es wohl Situationen, vor denen man am liebsten davon laufen wĂŒrde! - Gott jedoch schickt zurĂŒck. Wir reifen, wenn wir uns stellen, wenn wir nach Sinn und Zweck fragen - uns öffnen fĂŒr das Potential, das hinter Schmerz und Leid auch noch verborgen ist - und das wir so leicht aus den Augen verlieren. Gott schickt zurĂŒck, doch nicht ohne Verheissung. Gottes Wort ist kein Besitz und nicht wirklich Absicherung - vielmehr ist es wie die Balancierstange, wenn wir ĂŒbers Hochseil gehen.

 

Und da ist auch noch das Überhörte, das den Weg an unser Ohr finden will: Hagar ist an ihrem Elend nicht ganz unschuldig - und auch wir sind es wohl oft nicht ganz - zum Streiten braucht es zwei, sagt der Volksmund nicht umsonst
 Wenn wir uns aber ohne Scheu sowohl fĂŒr die Situation als auch unsern Anteil öffnen, werden Probleme zu Lernfeldern. Eine Hypothek verwandelt sich allmĂ€hlich in Kapital - und mit ein wenig Abstand und Gelassenheit schrumpft manch ÜberwĂ€ltigendes auf ErtrĂ€gliches zusammen.

 

Der Engel fand Hagar an einer Quelle. Hagar schien aber so sehr auf ihr Elend fixiert, dass sie diese gar nicht bemerkt hat (wie in der spĂ€teren ErzĂ€hlung ihrer Verstossung noch einmal). Selbstmitleid macht blind. Ebenso Schmerz, Wut und Ärger. Da brauchen auch wir manchmal Engel, die uns anstupfen und uns auf die Quelle hinweisen, die ganz in der NĂ€he fliesst.

 

Weder Selbstmitleid, noch SchönfĂ€rberei helfen weiter. Neugierige Offenheit und Bereitschaft zum aufrechten Gang, der Mut, die ZuMUTungen des Lebens anzunehmen und sie aus der Kraft der Verheissungen Gottes zu tragen, bringen uns letztendlich weiter - hinein in die FĂŒlle.

 


und wenn wir doch mal kurz schliessen, können wir sicher sein: Gottes Engel wird uns finden und mit einer Verheissung zurĂŒck ins Leben schicken. - Vielleicht nicht so, wie wir es wĂŒnschen, doch stets so, wie es uns letzten Endes zum Segen sein wird.

 

- Dies Erfahrung wĂŒnsche ich auch Ihnen! besonders in schwierigen, leidvollen - und scheinbar ausweglosen Situationen.

Selbstoptimierung

Unsere Zeit ist eine Zeit der ‚Selbstoptimierer‘. An allen Ecken und Enden wird der Hebel angesetzt, um sich weiter zu perfektionieren, um zu genĂŒgen - und dabei glĂŒcklich - und ‚optimal‘ zu werden. Ein Heer von GerĂ€ten unterstĂŒtzt uns dabei, dass wir den Spagat von Soll und Ist besser im Griff haben: der SchrittzĂ€hler rechnet vor, wie viele Schritte wir gemacht und wie viele noch nötig sind, wir lassen uns den Schlaf messen, um ĂŒber die einzelnen Phasen im Bild zu sein, KalorienzĂ€hler und Blutmesser optimieren, was auf dem Teller landet
 Allenthalben wird am Selbst gewerkelt und gefeilt - hin zum optimalen Ergebnis - und wo’s nicht reicht, kann man immerhin mit Photoshop nachhelfen - und die Posts versprechen entsprechende Likes
  

 

Alles so neu?! - War ‚Selbstoptimierung‘ nicht auch frĂŒher ein Thema? -

 

Wir stehen am Beginn der ‚Fastenzeit‘ - eine liturgisch legitimierte und kirchlich gefeierte Zeit der Selbstoptimierung! 
nur braucht es dazu nicht ein Wust an Technik und Apps - sondern ein offenes Herz - und Ziel ist nicht das optimale Selbst - sondern Ostern. - Die Zeit der ‚Selbstoptimierung‘ will uns ‚erlösungsfĂ€hig‘ machen. Sie will uns lehren, hinter den Schein zu sehen und zu spĂŒren und uns fĂŒr das eigentliche Sein zu öffnen. - Doch dieses liegt vielleicht gerade hinter dem Busch und Berg von Schritt- oder KalorienzĂ€hler verborgen.

 

Wir erkennen unsere ErlösungsbedĂŒrftigkeit - und dĂŒrfen sie zulassen. Wir mĂŒssen sie nicht selbst abarbeiten.

 

Der Blick liegt auf dem Gelungenen, fĂŒr das wir dankbar sein können und dĂŒrfen. Und der Blick liegt ebenso auf dem Misslingen, auf allem, was nicht gut verlĂ€uft, wo wir hinter der Liebe her hinken und nicht genĂŒgend Raum dem Leben und dem NĂ€chsten zugestehen.

 

So gesehen geht es um den Klang des Lebens: dass Seele, Geist und Sein in eine Harmonie finden, die lebensfördernd ist, die uns ganz und rund sein lĂ€sst - und das mit allen Ecken und Kanten, allem Zukurzgeratenen, dass es nachwievor gibt und geben darf. 

 

Nicht selbstgesteckten oder von Trend und Mode diktierten Zielen nachjagen und nachrennen, sondern in die eigene Mitte finden. Die Schönheit der Seele ent-decken und ihr Zeit und Raum zum Atmen geben.

 

Wir können dafĂŒr tĂ€glich Zeiten der Stille und Ruhe reservieren und sie uns gönnen. Uns auf das Abenteuer von Nichts einlassen!

Unverplante Zeit = Zeitendichte = ZeitenfĂŒlle.

 

Wie wĂ€r’s: zu Selbstoptimierung tĂ€glich 10 Minuten auf die Stille lauschen - ohne Ziel und Plan - nur ganz Herz, Ohr und Sinn sein. - Ich verspreche Ihnen, nach 40 Tagen wird sich vieles getan haben.

 

In diesem Sinne: eine gute ‚Zeit der Selbstoptimierung‘ auf Ostern hin!

aushalten

Kennen Sie das auch? ‚Das musst du jetzt einfach aushalten!‘ - 
so spricht man sich mitunter in ausweglos scheinenden Situationen Mut zu. Aushalten, bis es (von alleine) wieder gut wird


 

Neulich ertappte ich mich auch bei diesem Zuspruch. - Doch kaum gedacht, lĂ€uteten die Alarmglocken: aushalten?! Wie kann etwas vorĂŒber gehen, das ich halte? Und mir kamen noch die andern Begriffe in den Sinn, die um dasselbe Thema kreisen: durchstehen, aussitzen.

 

Sind das nicht alles sehr statische Begriffe? - WĂ€re es in der Not nicht hilfreicher, im Fluss zu bleiben? Nicht halten, sondern bejahend frei geben, dass Raum wird fĂŒr das Neue, das da werden will. Oft sind es Karsamstag-Erfahrungen, in diesem Zwischen-raum von Tod und Leben - man ist arretiert - der Schmerz, die Not hĂ€lt einen fest - doch das Neue, die Auflösung ist unerreichbar, aus eigener Kraft nicht greifbar. Die Wunden offen halten, dass sie Ackerfurchen gleich die neue Saat aufnehmen können.

 

Gewagte Aussagen? In der Not, ganz gewiss - doch fĂŒr mich haben sie Hoffnungs-potential, das das FrĂŒhrot schon flackern sieht.

 

Ich habe gemerkt, dass ich nichts aushalten, nichts durchstehen und schon gar nichts aussitzen brauch! Ich darf den Schmerz, das Leid, die Not, das Unverstehen, die biografischen Wunden immer wieder und je neu loslassen, brauche auch die Altlasten nicht durchtragen. Mit einem schmerzvoll-liebevollen Ja darf sein, was ist und was gewesen war. Dann aber lasse ich es ziehen, wie die Wolken, die die Sonne oder in der Nacht den Mond verdecken. Den Schmerz segnen und ihn so frei geben - immer wieder neu.

 

Es ist die Hoffnung, die der Seele, dem Leben und auch den Wunden FlĂŒgel verleiht. So ist nichts vergeben, es wird zu seiner Zeit Frucht tragen - und plötzlich nĂ€hrt einen, was Belastung war! - Das sind die Wunder der Transformation, die aber nur im Loslassen und Segnen geschehen können. - In dieser Haltung ist es auch einfacher, statt seine Energien ins AnkĂ€mpfen fliessen zu lassen, sie fĂŒr den aufrechten Gang einzusetzen - im Ausschauen nach dem Wahren, Schönen und Eigentlichen. - Wer den Kopf hĂ€ngen lĂ€sst, sieht die Sonne nicht aufgehen!

Innenhygiene

Winterzeit ist immer auch Desinfektionszeit! Man ist um eine entsprechende Hygiene besorgt, damit man allfÀlligen Schnupfen-, Husten- und Grippeviren und-bakterien entgehen kann. - Zwar hÀrtet Kontakt durchaus ab, doch nicht immer ist diese Variante sinnvoll


 

Soviel Wert wir, zu Recht, auf Aussenhygiene legen, soviel Berechtigung hĂ€tte sie auch im Innern! Doch wie sehr wir da etlichen ‚MĂŒllschleudern‘ ausgesetzt sind, merken wir oft gar nicht mehr: Von allen Seiten mit LĂ€rm berieselt, mit halben und ganzen Unwahrheiten eingedeckt, ist unser Inneres doch oft selbst beinahe zur MĂŒllhalde geworden! Und nicht zu schweigen von dem, was wir selber mit unserm Denken, Urteilen, Kritisieren, etc. aufhĂ€ufen!

 

Tut mir das, was ich denke auch wirklich gut?! Tut das, was ich sage, dem Andern gut?! Ist das, was ich tue, hilfreich und wertvoll fĂŒr mein Umfeld, meine Umwelt?! - Ich muss zugeben, auch meine Antwort wĂ€re ehrlicherweise in Vielem und oft eher ein Nein! Auch ich ‚denke gedankenlos‘, schlagfertig schiesst die Antwort los, bevor alles gesichtet und abgewogen ist - zwar kann ich es dann noch im letzten Moment vor dem Austritt in die Welt bremsen - aber gedacht war es dann schon lĂ€ngstens.

 

Je mehr Zeit ich mir nehme fĂŒr Stille, PrĂ€senz und Achtsamkeit, desto mehr spĂŒre ich den faden und bitteren Geschmack all dessen, was da so ungeklĂ€rt und ungefiltert durch meinen Kopf schwirrt - leider nicht nur schwirrt, auf manchen Wolken reite ich mit
.

 

Innenhygiene ist Selbsthygiene - wie ein erfrischendes Bad oder eine frische Dusche eine Wohltat sind. Gute Gedanken tun gut. Man spĂŒrt, dass sie einen weder frustrieren, noch verĂ€rgern, weder belasten noch aufreizen. Gute Gedanken sind nicht schönfĂ€rberische, weltfremde Gedanken, die alles schlucken und tolerieren - das wĂ€re genauso ‚unhygienisch‘. Sie begegnen dem Sein und Jetzt in prĂ€senter Achtsamkeit. Sie können stehen lassen und segnen, was da unverstĂ€ndlich daher kommt. Sie brauchen nicht zu allem eine Meinung, gar eine Kritik und noch weniger ein Urteil zu haben. Die ‚Innenhygiene‘ ist wie ein Filter, durch den alles zunĂ€chst mal fliesst. Dann kann man sehen, was an Substanz zurĂŒck bleibt und was das an Aktion fordert. 
und manche Intervention wird dann plötzlich ĂŒberflĂŒssig


 

Es ist ein stĂ€ndiges und stetes Üben, Gewahrwerden und Wachsen, das weder auf Anhieb, noch immer gelingt. Aber ich spĂŒre, es lohnt sich, dran zu bleiben. Diese innere Freiheit schenkt einem eine Leichtigkeit und diese Leichtigkeit erleichtert (automatisch) das Schwere und Schwierige im alltĂ€glichen Zusammenleben.

 

Wenn ich es verstehe, zunĂ€chst still zu werden und still zu halten, kann mir auch das Geheimnis des Momentes aufgehen, sein Anruf und sein Anspruch an mich. - Dann werden Probleme zu Lernfelder - und die Lernfelder zu ‚PflanzstĂ€tten‘ des eigenen Wachsens und Reifens.

 

Innenhygiene hat Potential!

Gott ist Beziehung

Mich fasziniert der Gedanke, dass Gott in sich selbst Beziehung ist. Ein Gott, der sich selbst nicht genĂŒgt und in sich Beziehung gestaltet als Vater, Sohn und Heiliger Geist. - Und nicht nur in sich selbst, Sehnsucht nach Beziehung lebt, sondern ebenso hin zum Menschen:

 

Gott will sich im Menschen sehen - er schafft ihn als sein Ebenbild (vgl. Gen 1, 27), Gott geht aber auch dem Menschen nach, will mit ihm sein, ihn heimlieben und wird in Jesus selbst Mensch unter Menschen.

 

Ich frage mich aber auch, wenn Gott so sehr ein ‚Beziehungsgott‘ ist, kennt er auch in sich Beziehungskrisen? - Vielleicht eine sehr menschliche Frage
 Doch im Leben Jesu waren Beziehungskrisen bis hin zu Konflikten durchaus ‚normal‘ und dazu gehörig! Bereits mit 12 Jahren entzieht er sich seinen Eltern, bleibt kommentarlos weg und wird drei Tage gesucht (Lk 2, 48.49). Die Mitbewohner von Nazareth treiben ihn nach einer Predigt aus der Synagoge und wollen ihn den Abhang hinunter stossen (Lk 4, 28); die Angehörigen wollen ihn mit Gewalt nach Hause holen, weil sie fanden, er sei von Sinnen (Mk 3, 21) und mit den Schriftgelehrten und PharisĂ€ern stritt er mehr als bloss einmal. - Und als ob das nicht schon genug wĂ€re, scheute er auch nicht die Provokation - sei es bei der Tempelreinigung oder an Heilungen am Sabbat. Ein ziemlich ‚unbequemer‘ Jesus, dem Konsens mit den Menschen nicht zuoberst zu stehen scheint!

 

Aber Krise ‚in sich‘? - Mir kommt Jesu Schrei am Kreuz: ‚Warum/wozu hast du mich verlassen?!‘ (Mk 15, 34; Mt 27, 46) in den Sinn - ist das nicht Krise und Beziehungsab-bruch ‚par excellence‘? - Auch wenn Jesus letztendlich durch den Abgrund des Todes hindurch wieder in Gottes HĂ€nde fĂ€llt, war die Erfahrung im Moment existenziell und keineswegs harmlos oder nur ‚irgendwie symbolisch‘!

 

Man kann solche Gedanken als abwegig abstempeln, als völlig unnĂŒtz oder gar hĂ€retisch, pietĂ€tlos - und vor allem als völlig hypothetisch! 
und doch, mir kommt mein Gott dadurch noch viel nĂ€her - ich spĂŒre, wie ihm nichts fremd ist - und ich so in Beziehung trete mit einem Gott, an dem ich ablesen kann, wie Beziehung geht, wie Leben geht. - und das ist dann wiederum nicht hypothetisch. - Er ist kein Gott der Patentrezepte, sondern einer, der sich voll und ganz auf sich selbst und den Menschen einlĂ€sst. - Der wagt - und dabei nicht nur und nicht immer gewinnt - der aber sein Leben aus einer inneren Kongruenz heraus gestaltet, die durch Jahrhunderte hindurch fasziniert und noch immer fasziniert und das beste in jenen Menschen zu wecken vermag, die sich ganz auf ihn einlassen. - Und in all dem weiss ich, dass es auch mal kriseln und daneben gehen darf - dass alle SchlĂŒnde und AbgrĂŒnde einen nicht zu verschlucken vermögen, weil einer sich bis auf deren Grund fallen liess - und darin aufgefangen und erlöst wurde.

 

Manchmal stellt man sich Fragen
 die scheinen abwegig - und sind dann doch ein Weg zu Erkenntnissen, die sich einem als tragenden Grund und somit als Weg unter die FĂŒsse legen.

 

So wĂŒnsche ich Ihnen unkonventionelle Fragen, mit denen Sie in die Tiefen des Lebens bohren und sich neue Quellen erschliessen können, Erfahrung von tragendem Grund, wenn Sie mal in der Luft hĂ€ngt...

Vorwurf

Wieder einmal bin ich ĂŒber einen Begriff gestolpert, weil ich an ihm hĂ€ngen blieb: Vorwurf.

 

Unmittelbar stellte ich mir diesen ‚Wurf‘ konkret vor: ein geschnĂŒrtes Paket von Anschuldigungen und Unverdautem, adressiert an mich, jemand anderem oder auch an UmstĂ€nde oder gar ans Wetter
 Ein geschnĂŒrtes und adressiertes Paket - fĂŒr dessen Zustellung jedoch kein Postamt sich verantwortlich fĂŒhlt.

 

VorWURF - also bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als das geschnĂŒrte BĂŒndel werfend selbst zuzustellen - doch probieren Sie es einmal selbst aus: wie weit wird wohl so ein SchnĂŒrpaket fliegen - und wie passgenau landen
.???

 

Meist landet es an der falschen Adresse - oder einem selbst im Weg und vor den FĂŒssen! - Haben wir da nicht bildlich haarscharf den ‚Erfolg‘ von VorwĂŒrfen formuliert? - VorwĂŒrfe landen selten beim Adressaten - und stehen eher uns im Weg, als dass sie freies Ausschreiten ermöglichten. Und wenn wir doch treffen sollten, hat auch der andere keinen Gewinn davon
 - Vielleicht wĂ€re statt eines Vor-wurfes viel besser einer hinter uns. Nicht ein verdrĂ€ngendes ‚Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn‘, vielmehr ein versöhntes Verabschieden, feststellen, was war und dann das was ist, in Freiheit und kreativ gestalten.

 

Ein neuer Blickwinkel hat mir in dieser Hinsicht schon TĂŒren sprerrangelweit aufgetan:

zumeist fragen wir, wenn etwas fallierte oder auseinander brach. ‚Wer war schuld?!‘ - Eigentlich ist die Frage mĂŒssig, da sich das meist nicht eindeutig feststellen lĂ€sst, zumal es zwei zum Streiten braucht - und wenn doch einer gewann, sind zuletzt beide Verlierer
 Viel hilfreicher ist es, die Frage anders zu formulieren:

WAS hat gefehlt? - Dann kann ich vielleicht feststellen, dass es an RĂŒcksicht mangelte, an Liebe,  EinverstĂ€ndnis, an Empathie, an Einsicht, gutem Willen - oder was auch immer - und genau das kann ich versuchen, fĂŒr die Zukunft einzuĂŒben. - Dann brauche ich auch niemandem einen Vorwurf zu machen - ich kann die Argumente und Anschuldigungen in Ruhe anschauen, auch aufschreiben und nach ihrem Lernpotential abfragen - dann aber hinter mich legen oder ‚in Flammen aufgehen‘ lassen - um in einer inneren Freiheit ausschreiten zu können. In dieser Freiheit ist dann vielleicht auch ein konstruktives GesprĂ€ch möglich, wo beide im ‚Was‘ aneinander lernen.

Lauschpausen

Dass meine ‚Lauschpausen‘ dermassen fĂŒr Furore sorgen, hĂ€tte ich mir nie gedacht! Zum ersten Mal tauchen sie in der Missa poetica auf (Diese wird kommenden Mai von Davide Fior und concertoVocale uraufgefĂŒhrt).

 

Das ganze musikalische Geschehen sollte still stehen und einen Raum zum Verklingen und Einschwingen öffnen. Die ĂŒbliche Generalpause war mir irgendwie zu ‚technisch-mathematisch‘, um das zur Darstellung zu bringen, was sich hier ereignen wollte.

 

Da kam mir die Idee, die Pause unsichtbar zu machen und dafĂŒr ein Ohr einzusetzen, kombiniert mit dem Begriff ‚Lauschpause‘. - Fast jede und jeder, der die Partitur in HĂ€nden hielt, reagierte auf dieses unĂŒbliche musikalische Symbol - selbst in der Rezension in Musik & Liturgie wurde darauf hingewiesen (mit Scan und Text).

 

‚Lauschpause‘ - wĂ€re das nicht auch ein guter Wunsch fĂŒrs neue Jahr?!

 

Ja, das möchte ich Ihnen fĂŒrs 2019 wĂŒnschen:

 

  •  Lauschpausen, in denen Sie inne halten und zur Ruhe kommen können
  •  Lauschpausen, in denen das Gehörte, Erlebte, GespĂŒrte nachklingen         kann
  •  Lauschpausen, die es Ihnen ermöglichen, mit dem Geheimnis in           Schwingung zu kommen
  •  Lauschpausen, in denen sein darf, was ist
  •  Lauschpausen, die Ihnen Raum zum Ankommen und Verwurzeln bieten
  •  Lauschpausen
  

Gott beistehen

Die Überschrift mag etwas irritierend klingen!

Wer soll da wem beistehen?!

 

UnlĂ€ngst in einer Feier, wo wieder einmal fĂŒhlbare hundert FĂŒrbitten auf Gott nieder prasselten und ihn mit allen möglichen WĂŒnschen und Vorstellungen, die wir Men-schenkinder so haben, eindeckten, klingelten bei mir nicht die Alarmglocken, aber doch zumindest mĂ€chtige Fragezeichen:

 

Hat nicht auch Gott FĂŒrbitten? - In denen allerdings wir Menschen die Adressaten sind
? WĂŒrde nicht vieles von dem, was wir gleichsam an die Allmacht und das Eingreifen Gottes delegieren, zwar nicht in unserer Kraft aber doch zumindest in unseren eigenen HĂ€nden liegen? -

 

Vieles von dem, was wir so erbitten, könnte gelingen, wenn wir selbst - in der Kraft Gottes - zupacken wĂŒrden!

 

Doch auch ein zweites Fragezeichen lÀutete mir:

 

Leidet nicht Gott ebenso am Elend der Welt und der Menschen - und der eigenen Ohnmacht ob der Freiheit des Menschen? - Und wer steht Gott in seinem Schmerz bei?!

 

Wir erwarten einen ‚mitfĂŒhlenden‘ Gott - aber fĂŒhlen wir auch mit ihm?!

Wie sehr es Gott mit dem MitfĂŒhlen ernst ist, feiern wir wieder an Weihnachten, dann wenn er selbst hinuntersteigt in dieses menschliche Elend. Die Krippenidylle, wie wir sie gerne aufstellen, tĂ€uscht ĂŒber die RealitĂ€t hinweg, dass Gottes Sehnsucht nach dem Menschen keinen Wurzelplatz fand - nicht auf der Erde - nur in einem Stall und bald wieder auf der Flucht.

 

Die Seinen nahmen ihn nicht auf. (Johannes-Prolog) - Eine bittere, brutale Antwort auf eine Liebe bis zum Äussersten: gleichsam ausgespuckt vom Himmel auf die Erde - und von dort ebenso zurĂŒck zum Himmel - doch genau dieses Hinauf und Hinunter wurde zu einer BrĂŒcke, die kein Mensch mehr je wieder wird abbrechen können!

 

Es ist die Logik der Liebe, die anders rechnet - wenn sie ĂŒberhaupt rechnet! Eine nachlaufende Liebe, die den nicht fallen lĂ€sst, der sie fallen lĂ€sst. - Ein stilles Werben, das die Sehnsucht, die in jedem Herzen glĂŒht, am glimmern hĂ€lt.

 

MĂŒssten wir uns dieser Liebe nicht viel schlichter und mitfĂŒhlender öffnen? Gott beistehen, einfach ‚Gesellschaft leisten‘, im Schweigen und Hören, dass Gott seine Bitten und FĂŒrbitten in unsern Herzen deponieren und seinen Geist in unsern HĂ€nden aktivieren kann - dann werden wir durch den Beistand Gottes zu Gottes Beistand - dann können wir lebendige Evangelien sein in unserer Zeit - dann werden wir das Wort von Menschwerdung und Erlösung nicht bloss mit den Lippen verkĂŒnden - es wird selbst Fleisch werden durch uns - ja nicht nur ‚es‘ - sondern er selbst.

 

So wĂŒnsche ich uns, dass Weihnachten in uns und durch uns in der Welt Wurzeln schlĂ€gt, dass Menschwerdung nicht nur ein Fest sei sondern ein Tunwort - eine Tat.

In diesem Sinne: gnadenreiche und besinnliche Weihnachtszeit!

...und hier noch eine kleine Galerie mit Fotos vom 28.12.2018   (wenn Sie auf die einzelnen Bilder klicken, vergrössert sich die Ansicht):