Spirituelles

Ich bin nicht nur Komponistin und Kirchenmusikerin, sondern zuerst und vor allem Ordensfrau.

Das Geistliche Leben in Gemeinschaft ist das Gefäss, aus dem heraus ich alles andere wirke.

Dieses Leben gibt auch meinen Kompositionen eine eigene Note, fliesst gleichsam in sie hinein.

 

Wir sind Olivetaner-Benediktinerinnen und leben im Kloster Heiligkreuz in Cham.

Informationen zu unserer Gemeinschaft finden Sie unter:

 

www.kloster-heiligkreuz.ch

(Scrollen Sie nach unten und Sie werden den einen oder anderen älteren Text zum Nach-lesen und Nach-denken finden.)

Wenn Sie sich für die Texte des Jahrganges 2019 interessieren, können Sie diese hier als pdf herunter laden:


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Gottes Mitleiden

Die Frage: ‚Warum lässt Gott das zu?‘

Oder auch: ‚Kann man nach Auschwitz noch an einen gütigen Gott glauben?‘ (wobei Auschwitz auf unsere Tage hin mit ihren Dramen aktualisiert werden kann)

verstummen nicht - werden wohl nie verstummen und dürfen es vielleicht gar nicht… Sie halten Gott zumindest auf diese Weise im Gespräch…

 

Viele Antworten wurden versucht oder versagt - jede und jeder formuliert mitunter seinen eigenen Reim - denn eines ist klar:

was ein Mensch unmöglich tragen kann, ist die Sinnlosigkeit eines Geschehenen, eines Erlebten.

Der Mensch zerbricht, wo ihm nicht ein Stück weit Sinn oder zumindest Trost und Zusage aufleuchtet.

Auf die ‚Warums‘ in der Geschichte und den einzelnen Biografien (auch der meinen!), kenne auch ich die Antwort nicht - worüber Theologen, Philosophen und Meinungsmacher unterschiedlichster Couleur über Jahrhunderte stritten, kann ich nicht letztgültige und einzig richtige Antwort bieten.

 

Doch was man offen lässt, kann mitunter zur Türe und zum Tor werden - durch die vielleicht ein Strahl Hoffnung hinein gleitet…, um das Dunkel zu erhellen, das einen in brennenden, antwortlosen Fragen umgibt und bedrängt.

 

Aus allem, was in meinem Leben auf und über mich kam, mich schwer belastete und bedrängte, ja auch zutiefst verwundete, kristallisierte sich immer mehr eine tiefe Einsicht heraus, die mir Boden gab und mir half, mich nicht in Warums zu verstricken, noch in Mutlosigkeit und Verzweiflung unterzugehen:

Gottes Mitleiden.

 

Seit Gott Golgatha zuliess, ist seine Solidarität für mich nicht mehr zu leugnen. Der Kreuzestod Jesu ist ein unglaublich starkes Argument, das mir versichert: Ich nehme mich nicht aus! (und auch nicht her-aus)

Es hat Gott nicht genügt, ‚nur‘ Mensch zu werden, um bei den Menschen zu sein, ihre Feste zu feiern, ihre Leiden zu heilen, ihnen Gottes Barmherzigkeit zu offenbaren in tätiger, zugewandter Liebe. Er gibt sich so konsequent und radikal (vielleicht auch provozierend…) in dieses menschliche und gesellschaftliche Leben hinein, dass er selbst Opfer des Menschen wird.

 

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht es mich staunen - und still…:

Gott hat den Menschen mit unantastbarer Freiheit ausgestattet - und das so absolut, dass er diese Freiheit auch dann nicht antastet, wenn es das Leben seines eigenen Sohnes kostet!

Mit dem Gewissen hat er zwar dem Einzelnen ein Sensorium bereitgestellt, das menschliche Freiheit und Gottes Wille in Einklang bringen könnte. ‚Könnte‘, da es hinwiederum in unserer Freiheit liegt, dieses Sensorium zu pflegen und zu bilden, um immer wieder hörend und spürend auf die Suche nach der Harmonie mit dem Ursprung und dem eigentlich Guten und Schönen zu gehen.

 

Ja, es erschüttert mich zutiefst, wenn ich daran denke, dass es Gott kaum ein Fingerschnippen gekostet hätte, Jesus vor einem solch schändlich-grausigen Tod zu bewahren - und die Menschen endgültig zu vernichten. - Allein, er tut es nicht.

Für mich hat er in diesem hilflos-zusehenden Moment alle Leiden der Welt mitgelitten - warum es nachwievor Leiden gibt, erklärt mir das nicht - aber ich weiss nun:

 

die Hand, die ich im Leiden ausstrecke, greift nicht ins Leere; der Schmerz verebbt nicht ungesehen. ER ist da, Er trägt mit, er trägt mich.

 

Darin wird für mich Trost und Halt erfahrbar, die es ermöglichen zu wachsen und zu reifen, statt zu resignieren und zu verzweifeln. Genau diese Nähe wird mir zur Tankstelle, wo ich Hoffnung schöpfen kann, die allmählich ein Ja keimen lässt.

So komme ich immer wieder an den Punkt, wo ich das ‚Warum?‘, das nur an den Abgrund führt, loslassen kann, um mich auf diese Präsenz Gottes einzulassen. Denn ich sehe:

der Menschen Todesmaschinerie hat zwar den Takt angegeben - aber sie hatte nicht das letzte Wort.

 

Gottes Ende ist zugleich auch Gottes Anfang:

in Ostern geschieht Leben, das kein Tod mehr vernichtet. - Auch wenn ich in meinem Leben so manches Getsemani und Golgatha durchzustehen habe:

wir werden von einem Ostern ins andere hinein sterben -

bis das letzte grosse Wort fällt:

komm heim!

 

Der Weg mag beschwerlich sein, gepflastert mit Fragen, mitunter mit Wunden, wir gehen ihn nicht allein - und wo ich mich loslasse, werde ich auch getragen - das Wissen um Gottes Mit-leiden, Mit-sein und Mit-gehen schenkt dabei meinem Schritt ‚Hoffnungsflügel‘.

 

Diese Zuversicht wünsche ich allen in beschwerlicher Zeit!

seid vollkommen!

Unlängst bekamen wir diesen Zuruf in der Sonntagsliturgie zu hören - und als ob das allein nicht schon genügen würde, stand da als ‚Mass‘: wie es auch euer Vater im Himmel ist. (Matthäus 5, 48).

 

Ist es da nicht klüger, aufzugeben, bevor man überhaupt angefangen hat?! Nach einem Ziel zu streben, das sich sowieso nicht und nie erreichen lässt, nicht einmal ansatzweise, ist doch vergebliche Liebesmüh, verschwendete Kraft, die man besser einsetzen täte, um das Wenige und Kleine, dafür Gute und Notwendige zu tun…

 

Aber ist es nicht GENAUS DAS?!

 

Ich erinnere mich gut, wie mir als Jugendliche bei einem Besinnungswochenende dieser Text begegnete. Wir sassen für ein Bibelgespräch um den runden Tisch - und einhellig fanden wir, dass es unmöglich und nicht einforderbar sei.

Die Schwester, die mit uns im Rund sass, gab eine Erklärung, die mir bis heute in ihrer Bildhaftigkeit präsent blieb. - Sie erschloss uns die Bedeutung auf eine Weise, dass die Forderung nicht nur ‚erfüllbar‘ (wörtlich!) wurde, sondern sogar ‚einfach‘ - deswegen aber weder simpel noch bequem.

 

Sie erklärte uns:

Jede/r hat das von Gott ihm geschenkte und zugewiesene Mass. Der eine einen Fingerhut, der andere ein Trinkglas oder ein Litermass, der nächste vielleicht eine Regentonne… Jede/r ist aufgerufen, seine Talente und Gaben, sein Sein und Wesen so einzusetzen und zu verwirklichen, dass das Mass gefüllt wird. Ist es voll, dann ist es voll - voll-kommen. Es geht nicht mehr hinein. So gesehen, ist weder im Fingerhut weniger, noch in der Regentonne mehr drin, denn voll ist voll. Von daher kann auch Gottes Vollkommenheit nicht grösser sein als des Menschen (mögliche) Vollkommenheit.

 

Dieses Bild ist für mich ein wunderbarer Schlüssel - quasi ein ‚Passepartout‘! Plötzlich lohnt es sich, sich um Vollkommenheit zu mühen, denn in diesem Bild ist es ein Aufruf:

Lebe aus deiner dir möglichen Fülle.

 

Es ist aber auch der Hinweis darin eingeschlossen:

Vergleiche dich nicht mit den Andern - jede/r hat sein Mass.

 

Und wir dürfen nicht vergessen, voll bleibt nicht zwangsläufig voll. Wir haben alle schon erlebt, wie wenig Unachtsamkeit genügt, um ein Gefäss umzustossen, den Inhalt zu verschütten oder das Gefäss gar in Brüche gehen zu lassen.

 

Seid vollkommen! Ist somit kein Aufruf zur Perfektion, sondern ein Aufruf Gottes an uns, der unsere Lebensgeister und -energien wecken will, dass wir mit unsern Möglichkeiten wuchern - und zeigt uns zugleich, wie grosszügig er ist und wieviel er uns zutraut.

 

Wagen wir in dieser Fastenzeit wieder unser bestes zu sein und zu geben - um unser Gefäss peu-à-peu zu füllen.

jetzt

Es ist nie zu spät - es ist immer Jetzt.

 

Haben Sie sich über den Satz gewundert? Vielleicht den Kopf geschüttelt, an die Stirn getippt?

Wenn mir die S-Bahn vor der Nase abfährt - dann bin ich definitiv zu spät. An dieser Tatsache gibt’s nichts zu rütteln und zu deuteln - zu spät ist zu spät!

 

NUR:

es ist trotzdem Jetzt.

Es nützt nichts, sich dem verpassten Zug hinterher zu ärgern - weder wird es einem damit besser gehen, noch wird der Zug bremsen und zurückfahren, um uns per exgüsi einsteigen zu lassen… Was ist, ist jetzt.

Auf diesem kleinen Punkt geschieht das Leben - und auf diesem kleinen Punkt lässt es sich auch gestalten.

JETZT

Wie stelle ich mich diesem Jetzt, das jetzt ist? Was kann ich daraus machen? Welche Lösungen, gar Inspirationen hat es bereit?

Es ist kein statischer Zustand, stets im Fluss - jedes Jetzt ist im Jetzt bereits wieder Vergangenheit… und ist damit letztendlich doch nicht jetzt…

 

Jetzt reiht sich an Jetzt

- und so Chance an Chance:

im Hier und Jetzt anzukommen

und es zu gestalten.

 

Noch ist Fasnacht - bald wird die Fastenzeit beginnen:

vielleicht ein Vorsatz für die Zeit darin:

mehr Jetzt-Qualität zu leben und zu gestalten. - All die ‚zu-spät‘, ‚zu-wenig-gut‘ zugunsten eines vollen und präsenten Jetzt sein zu lassen

- und so ganz neu bei sich, der Schöpfung - und den Mitmenschen ankommen.

Ich wünsche Ihnen dafür Augenblick für Augenblick: JETZT-ZEIT.

Zufriedenheit

Das Wort ‚Glück‘ ist für mich ein ziemlich grosses Wort - einem Paar Schuhen gleich, die viel zu gross sind, um tüchtig damit ausschreiten zu können! - …und doch streben wohl die meisten zumindest nach einem Quäntchen Glück… - Doch, was ist ‚ein Quäntchen‘ - wollen wir nicht viel eher dir grosse, umfassende Portion, die uns allem Schmerz enthebt?!

 

Hat im Glücksstreben auch die Erfahrung von Leid und Schmerz ihren Platz?

 

Da ist mir das Wort ‚Zufriedenheit‘ irgendwie sympathischer - es hat so einen offenen Klang - ist wie ein Raum, in dem ich auch in Begrenztheit, Unwohlsein und Schmerz noch ein Stück Geborgenheit finden kann, eine sanfte Brise von Trost und Trotzdem.

 

Zufriedenheit.

Vielleicht ist es gerade das Wort ‚FRIEDEN‘, das da in der Mitte des Begriffes wohnt und klingt - im Frieden sein, oder eben (wieder) ZUm FRIEDEN finden - eine Versöhntheit mit den Ist-Zuständen des Lebens allgemein oder doch zumindest mit jenen der jetzt erlittenen Realität.

Versöhntheit, die zuerst und vor allem einfach mal ‚Ja‘ sagt zu dem, was sich da in meinem Leben manifestiert, ohne es zu bekämpfen, zu ändern oder gar zu vernichten oder austreiben zu wollen.

Alles hat doch auch eine Botschaft in sich - und die will gehört werden!

Wenn wir uns von allem abwenden, was uns quer kommt, uns nicht passt, es unterdrücken und wegschieben, können wir der Botschaft weder gewahr werden, noch sie erlauschen - bis sie uns irgendwann in einem Mass überfällt, wo wir nur noch kapitulieren können (Krankheit, Sinnverlust…).

Aus der Zufriedenheit herausfallen, ist immer auch Chance zu neuen Einsichten zu kommen. Ein-sichten - also ‚hinein‘ sehen wollen, mich stellen, zulassen, fragen - und immer auch voll Zuversicht Ostern entgegen hoffen. - Das kann dann durchaus auch mal ein Erdulden sein, das geschehen lässt, was geschehen will:

würde eine Raupe sich weigern, sich zu verpuppen, würde nie ein Schmetterling aus ihr werden!

 

Mit ‚Glück‘ setzen wir uns jedoch allzu oft unter Druck - zahlreiche Ratgeber geben zahlreiche Tipps, wie man selbst seines Glückes Schmied wird. - Auch wenn wir sicher dazu beitragen können, gibt es so manches, das wir nicht selber ins Glück hinein erlösen können!

Aber uns um eine Haltung der Zufriedenheit mühen (ja, mühen!), das können wir durchaus. Die Frage ist, ob es uns gelingt, ohne vorschnell negative Bewertung auf das Jetzt-seiende zuzugehen, um in dieser Begegnung hin zum Eigentlichen verwandelt zu werden - und in dieser Verwandlung auch uns selber immer wesentlich näher zu kommen.

Wie vieles haben wir doch über unser Ich, unsern Seinskern gelegt:

  • Erwartungen (vermeintliche und effektive - von andern und uns selber)
  • Leistung
  • Enttäuschung - gar Resignation
  • Sehnsüchte

- nicht dass alles von vorneherein schlecht wäre! - Nur ist es so, dass das Leben meist einen andern Verlauf nimmt, als ausgemalt und so gleichsam den Hobel ansetzt, um die Schalen über dem Wesenskern Schicht um Schicht abzutragen - bis wir uns wirklich begegnen - wenn auch nur für einen Augenblick Ewigkeit - bevor wir wieder zurück geworfen werden… in den Strudel und die Verstrickungen des Lebens hier und heute.

Bei all dem habe ich jedoch festgestellt, dass es mir durchaus möglich ist, in den Unbilden des Lebens zufrieden zu sein - jedoch unmöglich glücklich!

Das Wort ist Fleisch geworden

Diesen ziemlich handfesten Satz finden wir im sogenannten Prolog des Johannesevangeliums, dem letzten in der vierer Reihe der Evangelien.

 

Unzählige Male habe ich diesen Satz schon gehört - kommt er doch grad in der Weihnachtszeit sehr oft vor (vor allem in unserm Stundengebet) - doch noch nie hat er mich so intensiv gepackt, wie dieses Jahr, als ich ihn erneut hörte - und erst so richtig wahrnahm!

Er lässt sich nämlich nicht ausschliesslich auf die Menschwerdung Jesu und das Weihnachtsgeheimnis anwenden und beziehen. Sein eigentliches Gewicht erhält er erst, wenn man ihm eine umfassende Dimension gibt:

 

dann bedeutet es nämlich: Gottes Worte sind weder Luftschlösser, noch leere Hülsen - nein, sie sind eine reale, greifbare Wirklichkeit, sogar nahrhafte Wirklichkeit.

 

Dieser Existenzkraft des Wortes Gottes begegnen wir schon in der Schöpfungsgeschichte, wo es Tag für Tag immer wieder heisst:

Gott sprach - und es wurde

 

Gottes Wort ist Samenwort!

 

Und beim Propheten Jesaja heisst es (55, 11 f), dass Gottes Wort bewirkt, wozu es ausgesandt wurde und nicht leer zu ihm zurückkehrt.

 

Gottes Wort ein ‚Ziel gerichtetes‘ und ein wirkmächtiges Wort!

Es will sein Ziel auch in mir erreichen und in mir Wurzel schlagen - Es ist wie in der Natur:

ein guter Wurzelgrund gibt immer auch Halt. So kann das Wort nicht nur herausfordern, sondern ebenso trösten.

Ich muss es dabei nicht ‚zerpflücken‘, ein stetes Kauen, bis es tief ins Herz dringt und die Seele tränkt, genügt. - Ein ‚Verstehen‘ ergibt sich, das jenseits von Verstand ist - auch wenn dieser durchaus mitunter Steigbügelhalter sein kann, um überhaupt ‚auf das Pferd‘ zu kommen! - Doch wenn man ‚oben‘ ist, sich vom Wort tragen lassen.

 

Ein solches Wort ist für mich (zum Beispiel) der offene Himmel, jener Himmel, der bei der Taufe Jesu aufreisst - und seither für uns alle offen steht.

Der Zuspruch Gottes ‚das ist mein geliebter Sohn‘ gilt für jeden und jede von uns: wir sind Söhne und Töchter Gottes, seit Jesus selbst Fleisch geworden ist - menschliche Realität sich nicht einfach überstülpte, sondern ganz hinein ging, es in allen Dimensionen lebte - und durchlitt.

 

Wo immer ich mich ganz auf dieses Kindsein einlassen kann, falle ich in den offenen Himmel Gottes, wo ich von seiner Liebe aufgefangen und umfangen werde.

Das Schwere, das mir trotzdem immer wieder zugemutet wird, kann dabei Chance und Schule sein, um Wachstum zuzulassen, neue Sichten und Ein-sichten einzuüben, um (in Anlehnung an Alfred Delp SJ) bis zum ‚Brennpunkt‘ vorzudringen, ‚wo alles aus Gott hervor quillt‘.

 

Prozesse brauchen Zeit - ob es nun Worte sind, die mich durchwirken wollen, Einsichten, die zaghaft ihre Wurzeln ausstrecken oder anderes.

Diese Zeit müssen wir uns gönnen - nicht zu früh und unbedacht zur Tagesordnung übergehen - den Mut haben, um bis zum Brennpunkt vorzudringen, wo einem Flügel wachsen, die einen in eine neue Dimension heben können. - Begleitet vom Wort Gottes, das Geländer in unwegsamem Gebiet und Taschenlampe in der Nacht sein will. Und so auch den Mut haben, ein Licht anzuzünden, das man vielleicht nicht versteht, das man aber immer wieder in die Nacht hineinhält, bis einem ein inneres Leuchten aufgeht, ein Wissen, das so umfassend ist, dass es nicht mehr verstanden werden kann….

Wir dürfen Gott beim Wort nehmen - denn es ist Fleisch und so unser Wegbegleiter geworden!

Diese Erfahrung wünsche ich uns allen.

In der Waschküche

Unlängst stand ich im Raum, wo wir unsere Wäsche vorsortieren und verteilte meine Schmutzwäsche in die betreffenden Körbe. Eine ältere Mitschwester stiess dazu - wir sortierten im Duett. - Plötzlich lachte sie und sagte trocken ‚Jüngstes Gericht.‘ Meine Stirne kräuselte sich… ?! Doch dann wurde mir ihre Intention klar, ich fragte zurück: ‚Meinst Du, weil wir dann auch sortiert werden?‘ Sie lachte und erwiderte ‚Ja‘. Schweigend hielten wir also ‚Jüngstes Gericht‘ über unsere Wäsche - als mich unversehens ein Geistesblitz traf:

‚Aber schau mal: gekocht wird nur die weisse Wäsche - die schwarze kommt in den Schongang!‘

 

Ja, könnte dieser Geistesblitz nicht auch ein Licht auf Gottes Barmherzigkeit werfen? Seinen Umgang mit den Sündern? Seine Langmut, die den Menschen heimlieben und nicht vernichten will? Warum sonst wäre Gott Mensch geworden?

 

Dieses Vertrauen in seine unermessliche Liebe ist kein Freipass für Gleichgültigkeit, sondern eine Brücke zur Neuwerdung:

Ich darf mit allem, was sich da in mir ansammelt an Müll zu ihm kommen, seinen Segen, sein Licht und seine Hilfe erbitten.

Auch wenn wir nie sündenfrei sein können (und es auch nicht sein müssen), so können wir uns doch um immer mehr Klarheit, Wahrheit und Ganzheit in unserm Herzen, unsrer Seele und in unserm Leben und Miteinander mühen.

Es geht nicht um Spitzensport und Perfektion, wir brauchen nichts er-leisten und verdienen. Die Wachheit, mit der wir unser Leben mit Gespür zu gestalten versuchen, wird dem Leben Tiefgang und Weite geben. Wir schlittern nicht mehr durch die Tage, wie auf Glatteis. Dieses Gespür wird auch unsern Umgang mit dem und unseren Zugang zum Andern verändern. - Und Ebenso zu uns: die Bereitschaft, sich immer wieder in die Barmherzigkeit Gottes zu stellen, sollte und wird uns barmherziger werden lassen - uns und den Nächsten gegenüber. Die Erfahrung, dass Barmherzigkeit letztendlich immer Geschenk ist, wird einen selbst grosszügiger machen, davon bin ich überzeugt!

 

Die selige Mariam von Abellin soll einmal in einer Vision gesehen haben, dass besonders jene Bäume schön und kräftig in den Himmel wachsen, die am meisten Mist hatten…

- Auch dieses Bild ist kein Freipass, denn: die Bäume wachsen in den Himmel. - Wer sich in und mit allem Mist nicht immer wieder zum Himmel hin ausstreckt, wird wohl eher vom Unrat vergiftet als gedüngt… - Die Richtung muss stimmen:

nicht selbstverliebt oder selbstmitleidig um sich und seine Armseligkeiten kreisen, auch nicht resigniert oder gleichgültig sich vergraben: sondern immer wieder neu das Herz zum Himmel strecken - und den Regen der Barmherzigkeit über sich erfahren, der alles abwäscht - und so den Mist in die Erde spült, wo er verwandelt wird. -

Vielleicht erleben wir so wenig Wunder der Errettung, weil wir zu oft uns selbst genügen oder meinen, selbst fertig werden zu müssen mit den Lasten.

Vielleicht wäre diese ‚Barmherzigkeitsdusche‘ hilfreicher, als die Neujahrsvorsätze, die bereits anderntags veraltet und vergessen sind….

Ja, der Himmel steht offen - und wartet, dass wir in ihn hinein fallen - und alles gut werden und sein kann!

 

Ich wünsche Ihnen zum neuen Jahr dieses Erfahrung: In und mit allem geliebt - vom Himmel umarmt zu sein.